Nürnberg - Koffer packen, Buch einpacken, Welt vergessen: Fünf Buchtipps für den Sommer-Urlaub 2026. Vom Bestseller-Debütroman bis zum BookTok-Trend „Weird Girl Fiction“.

Koffer packen, Liegestuhl aufstellen, Buch aufschlagen - und den Rest der Welt vergessen. Der Urlaub ist für viele die einzige Zeit im Jahr, in der das Lesen wirklich keine Konkurrenz hat. Kein voller Terminkalender, kein Handy, das ständig vibriert, keine To-do-Liste, die einem im Nacken sitzt. Endlich Zeit für das liebste Hobby. Und wer sein Lieblingsbuch mit in den Urlaub nimmt, nimmt im Grunde auch ein Stück von sich selbst mit - denn gute Bücher sind mehr als Unterhaltung. Sie sind Gesellschaft, Eskapismus und manchmal sogar Therapie.

Aber die Auswahl ist groß: Welches Buch ist die beste Urlaubslektüre? Wir haben fünf Buchtipps für alle Geschmäcker ausgesucht, damit du das beste Buch für deinen Urlaub aussuchen kannst.

Buchempfehlung für den Sommer: „Pause“ von Lena Kupke - Im Urlaub eine Pause gönnen

Der Titel sagt es eigentlich schon: Pause“ von Lena Kupke ist das perfekte Buch für den Urlaub. Denn wer sich endlich eine Auszeit vom Alltag gönnt, versteht sofort, worum es hier geht. Nur dass die Pause im Buch nicht so entspannt beginnt, wie man sie sich erhofft - und am Ende zu etwas ganz anderem wird als erwartet. Ein Buch, das einen mitnimmt, ohne einen zu überfordern. Und das trotzdem etwas hinterlässt.

Mit Mitte dreißig ist Hanna ganz am Boden angekommen - im beschissensten Kapitel ihres Lebens, wie sie es selbst nennt. Nachdem ihr der Kinderwunsch mit ihrem Freund Paul mehrmals tragisch verwehrt wurde, bricht sie schließlich vollends zusammen. Und keiner ihrer Freundinnen und Freunde kann sie aus dem Krankenhaus abholen. Da bleibt nur eins: die Eltern anrufen. So verschlägt es Hanna zurück nach Lüneburg, zurück ins alte Kinderzimmer, zurück ins alte Beziehungsmuster mit der Familie. Autorin und Stand-Up-Komikerin Lena Kupke - bekannt aus Sendungen wie „Falsch aber lustig“ - erzählt in ihrem Debütroman authentisch und ehrlich vom harten Aufkommen und davon, dass das Leben keine Pausen macht, sondern sich immer da entwickelt, wo man gerade ist. Und davon, dass Hilfe nicht nur angenommen, sondern auch eingefordert werden darf. „Pause“ ist ein absolut gelungener Debütroman, der voller Gefühl, Humor und Ehrlichkeit ein wirklich beschissenes Kapitel im Leben der Protagonistin erzählt - und Hoffnung auf das nächste macht. Kein Wunder, dass er sich seit Erscheinen im Mai 2026 auf der SPIEGEL-Bestsellerliste hält.

„Pause“

von Lena Kupke

  • 320 Seiten
  • dtv
  • ISBN: 978-3-423-28542-1
  • 23 Euro

„Body“ von Ellika Lagerlöf: Surreale Kurzgeschichten - ideal zum Lesen zwischendurch als Urlaubslektüre

Kurzgeschichten haben im Urlaub einen entscheidenden Vorteil: Man kann sie jederzeit weglegen und jederzeit wieder einsteigen. Kein Faden, den man verliert, kein Kapitel, das man unbedingt noch zu Ende lesen muss, bevor man ins Wasser springt. „Body“ von Ellika Lagerlöf ist dabei nicht irgendeine Kurzgeschichtensammlung - es ist ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst.

„Body“ ist keine Sammlung mit durchlaufender Handlung, sondern eine Reihe von Kurzgeschichten, die alle eines gemeinsam haben: Sie bringen surrealistische Elemente in Situationen, die eigentlich zum Alltag gehören. Der Moment, wenn man als letzte Person an der Gepäckabholung am Flughafen steht und der Koffer sich nicht wie der eigene anfühlt. Oder wenn man als Kind entfremdete Verwandte besucht, die ein so gänzlich anderes Leben führen, dass sie sich fast wie eine andere Spezies anfühlen. Ellika Lagerlöf nimmt solche Alltagssituationen, in denen wir uns ohnehin schon etwas seltsam fühlen, und führt sie in genau die absurde Richtung, die wir insgeheim befürchten könnten. Der menschliche Körper spielt dabei eine große Rolle - mit all seinen seltsamen Funktionen und Formen. Doch vielmehr ist es die Psyche, die die Grundlage dieser Geschichten bildet. In Schweden wurde das literarische Debüt der Autorin gefeiert. Und das absolut zu Recht.

„Body“

von Ellika Lagerlöf

  • übersetzt von Karoline Hippe
  • 160 Seiten
  • Hoffmann und Campe
  • ISBN: 978-3-455-02156-1
  • 24 Euro

Fränkischer Thriller entführt nach Südfrankreich: „Pipeline“ von Lucas Fassnacht - Buchtipp für den Sommer

Wer in den Urlaub fährt, will wegkommen. Und „Pipeline“ von Lucas Fassnacht schafft das auf doppelte Weise: Der Thriller des in Nürnberg lebenden Autors entführt alleine schon durch seinen Schauplatz nach Südfrankreich - mit Rhône, Mittelmeer und provenzalischer Kulisse. Ein Page-Turner, der sich im Liegestuhl genauso gut liest wie auf der langen Zugreise ans Meer.

Die Rhône führt immer weniger Wasser. Schon bald reicht es nicht mehr aus, um die südfranzösischen Atomkraftwerke zu kühlen. Mit einer Entsalzungsanlage soll deshalb Wasser aus dem Mittelmeer aufbereitet und per Pipeline zu den AKWs geleitet werden. Als eines der neuen Pumpwerke direkt nach der Eröffnung in Flammen aufgeht, ist die Aufregung groß: Hat die mittelständische Firma aus Deutschland gepfuscht? Oder ist es ein Sabotageakt der Pipeline-Gegner? Cecilia Thoma soll als unbedarfte Außenstehende die Wogen glätten - und gerät mitten in eine Verschwörung, die sie selbst in Lebensgefahr bringt. Lucas Fassnacht, der in Nürnberg lebt und die hiesigen Kleinkunstbühnen mit Literaturveranstaltungen wie „Lesen für Bier“ bespielt, liefert mit „Pipeline“ einen extrem kurzweiligen und spannenden Thriller. Die Figuren faszinieren und halten uns um am Lesen fest. Und bis zur letzten Seite weiß man nicht, wer hinter der Verschwörung steckt.

„Pipeline“

von Lucas Fassnacht

  • 352 Seiten
  • Ars Vivendi
  • ISBN: 978-3-7472-0759-8
  • 18 Euro

„Plant Lady“ von Minyoung Kang: Der BookTok-Trend „Weird Girl Fiction“ für den Urlaub

Auf BookTok, dem Buchkanal von TikTok, ist „Weird Girl Fiction“ längst ein eigenes Genre: Romane mit eigenbrötlerischen, ungewöhnlichen Protagonistinnen, die die Welt nach ihren eigenen Regeln spielen. „Plant Lady“ von Minyoung Kang ist ein perfektes Beispiel dafür - und der Urlaub ist die ideale Gelegenheit, diesen Trend endlich selbst auszuprobieren.

Choi Yu-hee führt einen gutgehenden Pflanzenladen in schlechter Lage. Die etwas seltsame junge Frau versteht Pflanzen meist besser als Menschen - sie kann selbst totgeglaubte Pflänzchen wieder aufpäppeln und kennt die richtige Pflege für jedes Gewächs. Eines haben aber alle Pflanzen gemein, die besonderer Pflege bedürfen: Es gibt immer einen Grund, warum sie zu verwelken drohen. Und das Erste, was Yu-hee tun muss, um eine Pflanze zu retten, ist stets, den Störenfried zu entfernen. Detective Cha Do-kyung arbeitet bei der Polizei und ist der einzige, der zwischen einigen Vermisstenfällen einen Zusammenhang sieht. Die verschwundenen Männer haben alle eine dunkle Seite - und sie alle waren früher oder später in diesem seltsamen Pflanzenladen. Die koreanische Autorin Minyoung Kang erzählt auf stille, eindringliche Weise die Geschichte einer jungen Frau, die aufbegehrt gegen männliche Übergriffigkeit - und dabei genauso behutsam vorgeht, wie es nötig ist, um ein geknicktes Pflänzchen wieder erblühen zu lassen.

„Plant Lady“

von Minyoung Kang

  • übersetzt von Kyong-Hae Flügel
  • 208 Seiten
  • Heyne
  • ISBN: 978-3-453-27558-4
  • 20 Euro

Im Urlaub muss es nicht immer leichte Lektüre sein: „Die Ozeanschwimmerin“ von Charlotte Tarnowski

Urlaub bedeutet nicht automatisch seichte Lektüre. Manchmal ist es gerade die freie Zeit, die Raum lässt für Bücher, die wirklich etwas bewegen.„Die Ozeanschwimmerin“ von Charlotte Tarnowski ist kein Feel-Good-Roman im klassischen Sinne - aber er ist mitreißend, emotional und inspirierend. Und er beweist, dass man auch mit schwerem Gepäck im Herzen weiterschwimmen kann.

Sophie ist mitten im Meer. Gerade krault sie sich Zug um Zug durch den Nordkanal zwischen Schottland und Irland. Genau ein Jahr zuvor ging für sie die Welt unter: Ihr Mann, ihr Sohn und der Familienhund starben bei einem Bootsunglück. Sophie hat noch nichts davon überwunden - aber sie hat keine Angst vor der gewaltigen Challenge, die sie sich gesetzt hat. Schließlich ist ihr das Schlimmste schon passiert. Jetzt befindet sie sich in einem Sabbatical, in dem ihr Chef ihr eine große Aufgabe finanziert: die Seven-Oceans-Challenge, bei der Sophie als Freischwimmerin sieben Meerengen auf der ganzen Welt durchschwimmen will. Hinter dem Pseudonym Charlotte Tarnowski verbirgt sich die Autorin Carin Müller, für die „Die Ozeanschwimmerin“ ein wichtiger Meilenstein ist: Es ist ihr erster Roman, der bei einem großen Publikumsverlag als Hardcover-Originalausgabe erscheint. Charlotte Tarnowski liefert einen gefühlvollen, inspirierenden Roman, der gänzlich ohne Kitsch auskommt - und der zeigt, dass Trauerbewältigung und Durchhaltevermögen keine leichten, aber lohnende Themen sind.

„Die Ozeanschwimmerin“

von Charlotte Tarnowski

  • 352 Seiten
  • Goldmann
  • ISBN: 978-3-442-30238-3
  • 24 Euro

Hier noch einmal unsere 5 Buchtipps für den Urlaub als übersichtliche Liste:

  • „Pause“ von Lena Kupke
  • „Body“ von Ellika Lagerlöf
  • „Pipeline“ von Lucas Fassnacht
  • „Plant Lady“ von Minyoung Kang
  • „Die Ozeanschwimmerin“ von Charlotte Tarnowski