Nürnberg - In Schweden wird das Debüt von Ellika Lagerlöf gefeiert, auf der Bestsellerliste landete es allerdings noch nicht. Hat „Body“ bei uns bessere Chancen?

Ein weit verbreiteter, wenn auch eher pessimistischer Mythos der Literaturbranche besagt, dass man mit Kurzgeschichten kein Geld verdient. Und tatsächlich landen auf den Bestsellerlisten eher selten Sammlungen von Kurzgeschichten. Romane, Krimis und Thriller kommen scheinbar besser beim Publikum an.

„Body“ von Ellika Lagerlöf ist ein gefeiertes Debüt. Der Erfolg ist bis dato allerdings eher literarischer als kommerzieller Natur. Dabei sollte man sich dieses Buch, das man wahlweise als surreal oder auch neudeutsch einfach nur als weird bezeichnen kann, auf keinen Fall entgehen lassen.

„Body“ von Ellika Lagerlöf: Worum geht es?

„Body“ ist eben kein Roman mit einer durchlaufenden Handlung, sondern eine Sammlung von Kurzgeschichten, die alle etwas gemeinsam haben: Sie bringen surrealistische Elemente in Situationen, die für viele eigentlich zum Alltag gehören. Es fühlt sich ein wenig so an, als hätte die Autorin eben solche Alltagssituationen genommen, in denen wir uns etwas seltsam fühlen, und sie in genau eine solche absurde Richtung geführt, die wir insgeheim befürchten könnten.

So ist der Moment, wenn wir als letzte Person an einer Gepäckabholung am Flughafen stehen, schon etwas seltsam. Wenn sich dieser Koffer, der nur unserer sein kann, nicht wie unserer anfühlt. Genauso wie der Inhalt, den wir darin vorfinden und den wir eigentlich weiterleiten wollen, dahin, wo er hingehört.

Oder wenn man als Kind entfremdete Verwandte besucht, die ein so gänzlich anderes Leben führen als das, welches wir kennen, dass sie sich schon fast wie eine andere Spezies anfühlen.

Oder wenn Kinder in einem Ferienlager so abseits von ihrem Alltag leben, dass sie sogar eine eigene Sprache entwickeln und sich dann, wieder zu Hause, erst einmal wieder zurückgewöhnen müssen, um nicht seltsam beäugt zu werden.

Ich will euch nicht spoilern, und schon deshalb kommen diese Beschreibungen nicht einmal ansatzweise an die Weirdness heran, die Ellika Lagerlöf in ihren Kurzgeschichten entfaltet.

„Body“

von Ellika Lagerlof

  • übersetzt von Karoline Hippe
  • 160 Seiten
  • Hoffmann und Campe
  • ISBN: 978-3-455-02156-1
  • 24 Euro

Hat „Body“ also das Potenzial für die Bestsellerliste?

Tatsächlich stehen die Chancen, dass „Body“ auf der Bestsellerliste landet, nicht besonders gut. Weil es eben kein Roman ist, sondern eine Kurzgeschichtensammlung. Was absolut schade ist, denn es hätte auch den kommerziellen Erfolg absolut verdient. Und es wäre auch nicht das erste Buch seiner Art, das es auf die Bestsellerlisten schafft. Es bleibt also zu hoffen.

„Body“ ist nicht nur ein Buch, sondern ein Erlebnis. Ellika Lagerlöf verbindet das Reale mit dem Surrealen, das Groteske mit dem Normalen. Der menschliche Körper spielt augenscheinlich eine große Rolle, mit all seinen seltsamen Funktionen und Formen. Doch vielmehr ist es die Psyche - oder was die Psyche mit unseren Körpern anstellen könnte - was die Grundlage dieser Geschichten ist.

Ich kann „Body“ nur empfehlen, lasst euch mitnehmen und treiben in der Weirdness dieses großartigen literarischen Debüts.