
Charlotte McGregor, Charlotte Taylor, C. C. Ravenmiller zumindest zum Teil und jetzt auch Charlotte Tarnowski: Hinter diesen Namen verbirgt sich die Autorin Carin Müller. „Die Ozeanschwimmerin“ ist für sie ein wichtiger Meilenstein - und für uns ein mitreißendes, emotionales Buch über Trauerbewältigung, Durchhaltevermögen und eine gewaltige Challenge.
„Die Ozeanschwimmerin“ von Charlotte Tarnowski: Eine gewaltige Challenge
Sophie ist mitten im Meer. Gerade krault sie sich Zug um Zug durch den Nordkanal zwischen Schottland und Irland. Mit dabei sind ihr Schwager Thomas, der sie mit Verpflegung versorgt, und Kameramann Raffael, der die Aktion filmt und diese Aufgabe als Zumutung empfindet.
Genau ein Jahr zuvor ging für Sophie die Welt unter. Ihr Mann, ihr Sohn und der Familienhund starben bei einem Bootsunglück. Sophie hat noch nichts davon überwunden. Sie hat keine Angst vor der großen Challenge, die sie sich gesetzt hat, schließlich ist ihr das Schlimmste schon passiert. Jetzt befindet sich Sophie in einem Sabbatical, in dem ihr Chef ihr eine große Aufgabe finanziert: die Seven-Oceans-Challenge, bei der Sophie als Freischwimmerin sieben Meerengen auf der ganzen Welt durchschwimmen will.
Als Sophie, der Mann ihrer Schwester Thomas, Kameramann Raffael und die Zwillingsschwester ihres verstorbenen Mannes Ilona in Kalifornien ankommen, hat Sophie die zweite Kanaldurchschwimmung bereits hinter sich. Jetzt steht der Catalina-Kanal an, zum ersten Mal wird Sophie im Pazifik schwimmen. Neben Sophie hat auch ihr Team einiges an Ballast und persönlichen Problemen im Gepäck. Es ist eine Gruppe von Fremden, die einander skeptisch gegenübersteht.
Schon als Kind hat sich Sophie im Wasser am wohlsten gefühlt, keine noch so kalten Temperaturen konnten sie vom Schwimmen abhalten. Und während sie gegen die Trauer anschwimmt, lassen sich die anderen Mitglieder ihres Teams inspirieren und schaffen es, ihre eigenen Probleme anzugehen und die Welt in neuem Licht zu sehen.
„Die Ozeanschwimmerin“
von Charlotte Tarnowski
- 352 Seiten
- Goldmann
- ISBN: 978-3-442-30238-3
- 24 Euro
Ist „Die Ozeanschwimmerin“ ein Feel-Good-Roman?
Sieben Meerengen ganz alleine durchschwimmen, dabei immer mehrere Stunden am Stück durchgängig, Zug um Zug durch Wellen kraulen - eine Aufgabe, die alle, die sie versuchen, ans absolute Limit bringt. Eine Aufgabe, von der sich wohl die wenigsten vorstellen können, sie jemals meistern zu können. Eine passende Metapher also für die Aufgabe, den Verlust der gesamten Familie zu überwinden.
Charlotte Tarnowski liefert einen gefühlvollen, inspirierenden und emotionalen Roman ab, der gänzlich ohne Kitsch auskommt. Wir begleiten Sophie auf ihrem Weg durch die Trauer, erleben mit ihr den Schmerz, die Wut, die Angst und die Sehnsucht, aber auch die Hoffnung, die sie im Laufe dieser mitreißenden Geschichte durchmacht.
Für einen Feel-Good-Roman ist die Ausgangslage einfach zu düster. Dennoch, für alle Beteiligten der Challenge wendet sich die Geschichte zumindest in eine positive Richtung. Dieser Prozess geschieht nicht von alleine, sie alle arbeiten hart an den inneren und äußeren Herausforderungen, die Tarnowski übrigens spannend und greifbar beschreibt. Irgendwie ist „Die Ozeanschwimmerin“ also schon ein Feel-Good-Roman, allerdings keine seichte Geschichte.
„Die Ozeanschwimmerin“: ein Meilenstein für Autorin Carin Müller
Protagonistin Sophie hat eine klare Challenge vor sich. Und auch Autorin Carin Müller hat drei große Ziele, von denen sie in ihrem Blog erzählt. „Die Ozeanschwimmerin“ ist dabei ein wichtiger Meilenstein, denn er markiert eines dieser Ziele, die sie als Schriftstellerin erreicht. Vom Schreiben leben zu können, war der erste Schritt, der ihr bereits vor einigen Jahren gelang. „Die Ozeanschwimmerin“ ist nun ihr erster Roman, der bei einem großen Publikumsverlag als Hardcover-Originalausgabe erscheint - das zweite Ziel.
Für das dritte Ziel, den Status als SPIEGEL-Bestsellerautorin, hat es allerdings noch nicht ganz gereicht. Gute Nachrichten für uns, denn es bedeutet wohl, dass wir noch mehr Romane von ihr oder einem ihrer Pseudonyme erwarten dürfen.


