Nürnberg - Sabotage, Atomkraftwerke und Konzernverschwörungen: Der neue Thriller von Lucas Fassnacht hat alles, was es für einen Bestseller braucht.

Lucas Fassnacht ist Vielschreiber, fast im Jahrestakt hat er zuletzt neue Bücher vorgelegt. Nicht nur als Lucas Fassnacht - unter dem Pseudonym Lars Sommer erschienen zwei Krimis, als Robin Hill veröffentlichte er den Fantasyroman „Strom - Das dunkle Erwachen“ bei Penhaligon.

Der Autor lebt in Nürnberg und versorgt neben seiner schriftstellerischen Tätigkeiten die hiesigen Kleinkunstbühnen mit Literaturveranstaltungen wie „Lesen für Bier“, bei der das Publikum selbst Texte mitbringen kann und „Technotext“ bei der Literatur und elektronische Musik zusammenkommen.

Sein neuestes Buch veröffentlichte er wieder mit seinem Klarnamen auf dem Cover. Diesmal geht es für einen Thriller nach Südfrankreich, wo wir uns in einer waschechten Konzernverschwörung wiederfinden. Worum geht es in „Pipeline“?

„Pipeline“: Der neue Thriller von Lucas Fassnacht

Cecilia Thoma hat einen seltsamen Charakterzug. Denn in belastenden Stresssituationen wird sie nicht nervös, sondern ungewöhnlich ruhig. Kaum verwunderlich also, dass sie völlig gelassen reagiert, als ihr Noch-Freund ihre Sachen zum Fenster der gemeinsamen Wohnung hinaus wirft. Und völlig gelassen ans Handy geht, als es klingelt und völlig gelassen mit der Headhunterin spricht, die ihr einen neuen Job anbietet.

Die Rhône führt immer weniger Wasser. Schon bald wird es nicht mehr ausreichen, um die südfranzösischen Atomkraftwerke zu kühlen. Mit einer Entsalzungsanlage soll deshalb Wasser aus dem Mittelmeer aufbereitet werden, um dann per Pipeline die AKWs mit dem nötigen Kühlwasser zu versorgen. Das bringt Bauernverbände auf die Palme, die seit Jahren unter der atomaren Strahlung ebenso leiden wie an dem fehlenden Wasser, mit dem sie ihre Felder versorgen wollen.

Als eines der neuen Pumpwerke direkt nach der Eröffnung in Flammen aufgeht, ist die Aufregung groß: Hat die mittelständische Firma aus Deutschland namens Vogt, die die Pipeline baut, gepfuscht? Oder ist es ein Sabotageakt der Pipeline-Gegner? Cecilia soll als unbedarfte Außenstehende die Wogen glätten - und gerät mitten in eine Verschwörung, die sie selbst in Lebensgefahr bringt.

„Pipeline“

von Lucas Fassnacht

  • 352 Seiten
  • Ars Vivendi
  • ISBN: 978-3-7472-0759-8
  • 18 Euro

„Pipeline“ von Lucas Fassnacht: Wer spielt hier welches Spiel?

„Pipeline“ ist ein extrem kurzweiliger und spannender Thriller, ein absoluter Page-Turner, der einen von einer Seite auf die nächste jagt. In kurzen Kapiteln erleben wir abwechselnd die Handlung aus der Sicht verschiedener Figuren, und bis zu den letzten Seiten wissen wir nicht, wer eigentlich hinter der Verschwörung steckt.

Die teilweise schon skurrilen Figuren sind eine große Stärke dieses Thrillers. Die Projektleiterin von Vogt ist ein absoluter Workaholic, der Vertreter des französischen Energieriesen ein Scheusal. Den Mann, der Cecilia engagiert hat, kennt sie nur über das Telefon, der Leibwächter, den er ihr zur Seite stellt, ist eiskalt, aber hilfreich.

Ein abgehalfterter, gewaltbereiter aber legendärer Umweltanwalt erfüllt seine Rolle ebenso wie eine der schnauzbärtige französische Provinzkommissar, der ein doppeltes Spiel zu spielen scheint. Einem geheimnisvollem, sehr wütendem Mann begegnen wir scheinbar nur in seinem Hotelzimmer. Die örtlichen Neonazis sind schwer bewaffnet und bilden einen Kontrast zu den wütenden, aber im Grunde friedlichen Bauern von Südfrankreich.

Aber wer von ihnen steckt hinter der Verschwörung gegen die Pipeline und geht für seine Ziele über Leichen?

Spannung bis zur letzten Seite: „Pipeline“ von Lucas Fassnacht ist ein absoluter Pageturner

Die Überschrift mag es schon suggeriert haben: „Pipeline“ von Lucas Fassnacht ist ein großartiger, perfekt ausgewogener Thriller.

Die Figuren sind faszinierend genug, um uns am Lesen zu halten und sind nicht zu skurril, um dennoch authentisch und überzeugend zu bleiben. Jede der Figuren könnte es tatsächlich geben. Die Handlung folgt dem gleichen Prinzip: Es sind unglaubliche Dinge, die Cecilia widerfahren - allerdings nur im übertragenen Sinne, denn sie wirken dabei nicht unglaubwürdig. Daneben gibt es genug Gewaltszenen, um uns den Thrill zu geben, den wir von einem Thriller erwarten, ohne dabei zu einem stumpfen Actionflick zu verkommen.

Wenn man etwas an „Pipeline“ kritisieren möchte, dann höchstens, dass das Ende ein wenig kurz gerät. Das ist allerdings wirklich Jammern auf hohem Niveau. Ob Lucas Fassnacht mit „Pipeline“ auf der Bestsellerliste landet, können wir natürlich nicht vorhersehen. Verdient hätte er es allemal.