
Kaum eine Branche lebt so mit starken Wechseln und Bewegungen wie die Färberstraße in Nürnberg - dabei scheint sie mit ihrem eher rustikalen Charme zunächst eher unattraktiv für Gastronomen: Schnörkellose 60er-Jahre-Häuser, stark wechselnden Fassaden und Durchgangsverkehr prägen hier das Straßenbild. Keine Grünflächen oder Bäume, dafür Zeitarbeitsfirmen, Dönerbuden, Schnell-Imbisse, Handyläden, eine Spielothek und ein Fitness-Studio lassen die Straße nicht gerade einladend wirken.
Und dennoch ist sie bei Gastronomen eine immer gefragtere Adresse, an der viel Bewegung herrscht und die sich in den vergangene zwei Jahren massiv gewandelt hat. Während etablierte Restaurants stabil am Platz geblieben sind, ist die Straße vor allem in den Bereichen Street Food, Frühstück und Social-Media-Trends regelrecht explodiert. Die auffälligsten Entwicklungen zeichnen sich durch spektakuläre Neueröffnungen und Konzeptwechsel aus.
Die Gastro-Neueröffnungen in der Färberstraße Nürnberg im Jahr 2026
MALA - Yangguofu (Färberstraße 20): Im Februar 2025 eröffnete das MALA, das auf chinesisches Streetfood in Restaurantatmosphäre setzt. Du kannst dir an einer Frischetheke alle Zutaten - verschiedene Nudeln, Gemüse, Fleisch, Tofu - selbst in eine Schale füllen und so ein ganz individuelles Gericht zusammenstellen. Nachdem das bei vielen beliebte türkische Frühstückscafé Hane im Spätsommer 2024 geschlossen hatte, wurde die Location umgebaut, MALA zog ein.
60 seconds to napoli (Färberstraße 10): Zu den wohl heftigsten Veränderungen für alteingesessene Nürnbergerinnen und Nürnberger ist wohl das Aus des Sausalitos, das an dieser Adresse seit 1994 angesiedelt war und Generationen mit Cocktails und mexikanischem Food versorgte. Im März 2025 meldete die Kette Insolvenz an, Filialen wie die in Nürnberg wurden geschlossen. Am 7. November schloss dann die Kette 60 seconds to napoli seine Türen in dem Laden am Eck zur Dr.-Kurt-Schumacher-Straße für Gäste auf.
2BITES (Färberstraße 11): Dieser Halal-Burger-Spot hat um den Jahreswechsel 2025/2026 eröffnet und schließt eine Lücke im modernen Fast-Casual-Bereich der Straße. Der Laden gehört zum Portfolio von Durim Thaqi, der Peter Pane in Nürnberg an den Start brachte, genauso wie Gustav Grün (dazu später mehr), und sich anschließend selbstständig machte mit mehreren Betrieben, wie dem Du & Ich an der Lorenzkirche.
Coffee Voyage in der Färberstraße 26: Im April 2026 eröffneten Influencer Raed und die Betreiber des Nachbarladens, dem Original Berliner Döner, dieses Hype-Café. Mit seinen viralen „Frucht-Voyages“ (den gefragten Cédric Grolet-Früchten), Kirschblüten-Deko und Engelsflügeln ist es das jüngste Gesicht der Straße.
Original Berliner Döner - de luxe (Färberstraße 24A): Zur gleichen Zeit kam auch ein Betrieb der Nürnberger Kette Original Berliner Döner in der Straßenzeile hinzu. Der Imbiss am Eckhaus zur Jakobstraße feierte zeitgleich mit dem Coffee Voyage im Frühjahr 2026 sein Grand Opening. Im Vergleich zu den klassischen Imbissen setzt dieser Spot auf ein moderneres, teureres „de luxe“-Konzept mit einem Holzkohlegrill.
Berry Me (Hefnersplatz 1): Der jüngste Neuzugang im Verlauf der Färberstraße hat offiziell die Adresse Hefnersplatz 1. Im Juni 2026 schloss Gastronom Durim Thaqi das Café hype, um für sein neues Konzept umzubauen. Seit Ende Juli ist die Nachfolge nun in Betrieb: Im Berry Me kriegst du die gehypten Açaí-Bowls, die du dir zusammenstellen kannst, sowie verschiedene Matcha-Kreationen.
Gastro-Betriebe in der Färberstraße, die ihr Konzept erweitert haben
N9 | Brinner (Färberstraße 45): Im Frühjahr 2024 steckte das Lokal noch in den Kinderschuhen und wurde in ersten Bewertungen teils noch distanziert als „Hotelrestaurant-Atmosphäre“ wahrgenommen. Die Betreiber setzen auf hochwertige Küche, gemütliche Lounge-Atmosphäre und Frühstück den ganzen Tag. Bis 2026 hat sich das Konzept etabliert und zu einem der beliebtesten Spots der Straße entwickelt, der vor allem für seine Raki-Abende mit Live-Musik und Mezze-Platten angenommen wird. Das Restaurant in der Färberstraße 45 wollten die beiden Freunde schon lange gemeinsam bespielen - schließlich sei es eine Toplage mitten in der Innenstadt, sagten sie der Redaktion beim Eröffnungsbesuch.
Egg‘La (Färberstraße 48): Im Jahr 2024 war der kleine Laden noch ein brandneuer Geheimtipp für koreanische Egg Drop-Sandwiches, bis heute hat er sich zu einer festen Institution im Nürnberger Frühstücks- und Liefergeschäft gemausert, der vor allem bei Wolt und uber eats stark ausgebaut hat. Im Oktober 2025 hat Betreiber Burak Arslan auch ein Egg‘La in Fürth eröffnet.
Die Gastro-Schließungen in der Färberstraße Nürnberg
In der Färberstraße gab es seit 2024 eine spürbare Dynamik, einige bekannte Namen mussten weichen und machten Platz für die neuen Trend-Konzepte. Die Hintergründe für das Aus der Betriebe in der Färberstraße sind sehr unterschiedlich – sie reichen von wirtschaftlichen Großinsolvenzen bis hin zu den typischen Begleiterscheinungen der aktuellen Großbaustellen in der Nürnberger Innenstadt. Diese Betriebe haben seit 2024 in der Färberstraße geschlossen:
Café Hane (Färberstraße 20): Die Schließung im Spätsommer 2024 hatte persönliche und strategische Gründe und lag nicht an wirtschaftlichem Misserfolg. Nach vier sehr intensiven Jahren - die Eröffnung erfolgte mitten in der Pandemie im September 2020 - entschieden sich die Betreiber aus rein privaten Gründen, das Kapitel zu schließen, um sich neuen Lebensprojekten zu widmen. Nach einer Umbauphase zog hier das chinesische Konzept MALA ein.
Sausalitos (Färberstraße 10): Diese absolute Traditions-Institution für Cocktails und Tex-Mex-Küche zog nach über 30 Jahren im April 2025 die Reißleine und schloss ihre Türen. In den komplett umgebauten Räumen befindet sich seit November des vergangenen Jahres 60 seconds to napoli.
Gustav Grün (Färberstraße 11): Der veganfreundliche Edel-Imbiss, der für seine Wraps und Bowls bekannt war und den es in verschiedenen Städten gibt, hat den Standort zum 31. März 2025 offiziell aufgegeben. Zum einen lief der Mietvertrag aus, zum anderen machten dem Betrieb die massiven Umbauarbeiten in der Breiten Gasse direkt um die Ecke zu schaffen, da Laufkundschaft wegbrach. Er wurde am Jahreswechsel durch das Halal-Burger-Konzept 2BITES ersetzt.
Baba‘s Döner (Färberstraße 24A): Dieser Döner-Imbiss war 2024 noch Teil des kulinarischen Aufschwungs in der Straße. Bei dem Döner-Spot, der bekannt ist als Franchise des Rappers Massiv, spielten lokale Marktdynamiken die Hauptrolle: Die Färberstraße hat sich extrem stark zu einer asiatischen und Fast-Casual-Meile entwickelt. Ein klassischer Franchise-Döner hatte es zwischen den hippen Egg-Drop-Sandwiches und Ramen-Läden zunehmend schwer, die hohen Mieten einzuspielen. Baba‘s Döner hat inzwischen Platz gemacht für den im Frühjahr 2026 neu eröffneten, moderneren Original Berliner Döner - de luxe.
Café hype (Hefnersplatz 1): Die Adresse lautet offiziell zwar Hefnersplatz, die Lokalität liegt allerdings im Straßenzug der Färberstraße. Gastronom Durim Thaqi, der auch am Burgerladen 2BITES in der Färberstraße ins Leben gerufen hat, eröffnete das Café hype im März 2024 und setzte voll auf den Social-Media-Trend der New York Rolls (gefüllte, kreisrunde Croissants). Der Laden zog Gäste an und feierte sogar Daydrinking-Events - dann kam das Aus im Juni 2026 plötzlich. Die Location wurde direkt umgewandelt. Das neue Konzept von Thaqi heißt Berry Me und fokussiert sich seit Sommer 2026 vorrangig auf gesunde Açaí-Bowls und Matcha-Kreationen.
Die Beständigen und Alteingesessenen
Inmitten der vielen neuen Trend-Konzepte und asiatischen Hotspots gibt es in der Färberstraße einige echte gastronomische Urgesteine. Diese Betriebe trotzen teils seit Jahrzehnten dem Wandel der Innenstadt und stehen für Beständigkeit:
EKU inn (Färberstraße 39): Dieses Steakhouse ist das absolute Urgestein der gesamten Straße, seit inzwischen 55 Jahren wird das Wirtshaus mit Herzblut von Chefin Sylvia Mohr geführt, deren Enkel sie mittlerweile im Familienbetrieb unterstützt. Das Interieur versprüht einen charmanten, rustikalen 70er-Jahre-Look. Kulinarisch ist es seit Jahrzehnten eine der verlässlichsten Adressen für Steaks in Nürnberg.
Das Moor (Färberstraße 3): Direkt am Anfang der Straße liegt das Traditionslokal Das Moor, das historisch auch als Café Mohr bekannt ist. Während ringsherum alles moderner wird, bleiben die Gastronomen hier der fränkischen Wirtshauskultur treu. Es ist der älteste Anlaufpunkt der Straße für original Schäufele mit hausgemachten Klößen und fränkische Weine, berichtet das Portal frankenradar.
Asia Imbiss MEI-KA (Färberstraße 50): Am anderen Ende der Straße steht das kulinarische Gegenstück zu neuen, durchgestylten Ramen-Bars. Der unauffällige Asia Imbiss MEI-KA ist seit einer gefühlten Ewigkeit ein fester Bestandteil der Straße und versorgt Nürnberg schon seit Jahrzehnten mit asiatischen Gerichten. Er hat den gesamten asiatischen Food-Boom der Färberstraße miterlebt und überstanden, indem er treu auf klassische chinesische und thailändische Küche zu fairen Preisen setzt.
RAMENCADO (Färberstraße 42): Das Ramencado nimmt eine spannende Pionierrolle ein. Es ist zwar kein jahrzehntealtes Wirtshaus, aber der dienstälteste „New-School-Asiate“ der Straße. Das Lokal eröffnete im Frühjahr 2018 als erstes reines Ramen-Restaurant in Nürnberg und trat damit den asiatischen Food-Boom in der Färberstraße überhaupt erst los. Hinter dem Konzept steht die bekannte Nürnberger CôDung-Gruppe, die auch das Sushi-Restaurant schräg gegenüber (Färberstraße 43) betreibt. Der Erfolg aus der Färberstraße wird mittlerweile als Franchise-System in andere Städte wie Regensburg, Erlangen oder Celle exportiert. Das Restaurant in Erlangen hat inzwischen aber wieder geschlossen.