Nürnberg - Die Breite Gasse steht wie keine andere Straße für den Wandel in Nürnbergs Innenstadt. Sie verliert große Namen, gewinnt aber auch neue Mieter. Wie es um Nürnbergs Innenstadt wirklich steht - eine Bestandsaufnahme.

Die Nürnberger Innenstadt befindet sich im Umbruch und kaum eine Straße steht dabei so sehr im Fokus wie die Breite Gasse. Zwischen Leerständen, Neueröffnungen und städtebaulichen Maßnahmen bündelt sich hier die Frage, wie zukunftsfähig der innerstädtische Handel noch ist. Die zuletzt viel diskutierten Geschäftsschließungen rund um den Jahreswechsel sind dabei weniger Ausnahme als Ausdruck eines längerfristigen Wandels.

Schließungen versus Neueröffnungen

Mit Starbucks, McDonald‘s und Foot Locker haben gleich drei international bekannte Marken die Breite Gasse verlassen. Während immer wieder Läden schließen verzeichnet die Stadt Nürnberg auch Bewegung in die andere Richtung: In den vergangenen zwei Jahren gab es laut Wirtschaftsreferat 120 Neueröffnungen in der Innenstadt.

Wie also fällt die Bilanz aus, wenn man den Blick über einzelne Schließungen und Neueröffnungen hinaushebt? Ein Indikator ist die Leerstandsquote. Zu Jahresbeginn liegt sie in der Breiten Gasse etwas über 14 Prozent. Darin bereits eingerechnet sind die jüngsten Schließungen.

Stadtentwicklung zwischen Anspruch und Realität

Bauarbeiten, namenhafte Händler-Schließungen und neue Gastronomie: Die Nürnberger Innenstadt befindet sich offensichtlich im Wandel. Um diesen Wandel mitzugestalten, rief die Stadt Nürnberg vor knapp zwei Jahren im Rahmen der „Zukunftsinitiative Innenstadt“ den sogenannten Stab Innenstadt ins Leben. Das im Kern aus vier Personen bestehende Team soll neue Impulse setzen und Leerständen entgegenwirken.

Ein zentrales Projekt ist die Umgestaltung der Breiten Gasse. Ziel ist es, die Straße sowohl für Händler und Gastronomen als auch für Besucherinnen und Besucher attraktiver zu machen. Die Stadt formuliert den Anspruch deutlich: Handel, Gastronomie sowie Bürgerinnen und Bürger sollen nachhaltig von einem positiveren Image profitieren.

Zwei Jahre nach Start der Initiative zeigt sich dieses Bild jedoch nicht überall gleichermaßen. Der nicht zu übersehende Leerstand im vorderen Bereich der Breiten Gasse und die neuerliche Schließungswelle zu Jahresbeginn sprechen in einer Momentaufnahme erst einmal nicht für ein positiveres Image und eine Attraktivitätssteigerung. Als die Initiative vor zwei Jahren ihre Arbeit aufnahm, lag die Leerstandsquote in der Breiten Gasse ähnlich wie heute - bei rund 14 Prozent.

Schließungswelle in der Breiten Gasse: Das sagt die Wirtschaftsreferentin

Für Wirtschaftsreferentin Andrea Heilmaier bleibt die Breite Gasse trotz dieser Entwicklung ein attraktiver und gefragter Standort. Die Schließungen zum Jahreswechsel führt sie auf mehrere Faktoren zurück: die weiter zunehmenden Online-Einkäufe, eine stärkere Konkurrenz unter den Anbietern sowie die generell angespannte wirtschaftliche Lage mit steigenden Kosten und einer zurückhaltenden Konsumstimmung.

„Der gesamte Abschnitt vom Ludwigsplatz bis zur Färberstraße ist derzeit vermietet, sodass von einer flächendeckenden Problemlage oder einer Schließungswelle keine Rede sein kann“, betont Heilmaier. Veränderungen im Branchenmix und einzelne Geschäftsaufgaben seien Teil eines normalen Entwicklungsprozesses in innerstädtischen Lagen. Der Rückzug von internationalen Ketten wie McDonald‘s und Starbucks sei vor allem das Ergebnis unternehmensinterner Standort- und Strategiebewertungen und kein spezifisches Signal für die Attraktivität Nürnbergs oder der Breiten Gasse.

Gleichzeitig zeigt sich innerhalb der Straße ein deutliches Gefälle. Während das hintere Drittel der Breiten Gasse in Richtung Weißer Turm wieder deutlich lebhafter daherkommt und die dortige Umgestaltung in die finale Phase geht, gibt es weiter vorne in der Fußgängerzone weiterhin Sorgenkinder.

Hartnäckige Leerstände

Ein Beispiel ist die ehemalige H&M‑Filiale. Der Abschied des Modekonzerns jährt sich im März zum zweiten Mal - seitdem steht die großflächige Immobilie leer. Für Heilmaier ist der Fall exemplarisch für die Herausforderungen solcher Objekte: Größe, Zuschnitt, bauliche Voraussetzungen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen erschweren Nachnutzungen erheblich. Solche Prozesse benötigten Zeit.

Der Stab Innenstadt begleite den Leerstand von Beginn an und stehe im engen Austausch mit Eigentümer und Immobilienverwaltung. Ziel sei eine Nutzung, die langfristig tragfähig sei und sowohl zur Breiten Gasse als auch zur Innenstadt insgesamt passe. Gerade diese prominenten großen Leerstände prägen jedoch den Eindruck der Straße - unabhängig davon, wie sich andere Abschnitte entwickeln.

Ähnlich gelagert ist die Situation rund um den ehemaligen City Point. Hier verfolgt die Stadt das Ziel, die früheren Standorte von Kaufhof und City Point in einem gemeinsamen, zukunftsorientierten Gesamtkonzept weiterzuentwickeln. Durch die Bündelung beider Areale sollen „Potenziale und Synergieeffekte“ besser genutzt und ein starker Impuls für die gesamte Innenstadt gesetzt werden.

Insgesamt zieht Heilmaier nach zwei Jahren „Zukunftsinitiative Innenstadt“ eine positive Bilanz. Die gewerbliche Leerstandsquote in der Nürnberger Innenstadt konnte von 7,1 Prozent im Jahr 2024 auf 5,4 Prozent zum Jahresende 2025 gesenkt werden. Die Besucherfrequenz habe zugenommen. Durch gezielte Zwischennutzungen, etwa im ehemaligen Kaufhof, seien große Immobilien zumindest temporär reaktiviert und neue Nutzungskonzepte erprobt worden. Gleichzeitig bleiben wesentliche Fragen offen. Für langjährige Leerstände wie bei H&M oder City Point fehlen weiterhin konkrete Lösungen.