
Die neue Hitzewelle mit Werten weit über 30 Grad erreicht Franken. Vergangene Woche gingen einige Wettermodelle sogar von Temperaturen bis zu 42 Grad Celsius in der Region aus. Inzwischen hat man die erwarteten Höchstwerte ein paar Grad nach unten korrigiert. Doch eins steht fest: Es wird heiß, bei Temperaturen von bis zu 37 Grad Celsius. Eine Belastung für Natur, Mensch, Wirtschaft und auch für Veranstalter und Besucher von Open Air Events. Von der nahenden Hitzewelle betroffen sind hier in der Region am Wochenende vor allem das Bardentreffen in Nürnberg, das Rock im Wald Festival, welches heute im oberfränkischen Neuensee startet und das Kunstverein-Straßenfest im Z-Bau am Samstag.
Extreme Hitze - ein unterschätztes Risiko
Das Nürnberger Umwelt- und Gesundheitsreferat rechnet damit, dass sich die Zahl der Hitzetage bis 2050 voraussichtlich verdoppeln wird. Das Robert Koch-Institut schätzt für den Sommer 2026 aktuell rund 942 hitzebedingte Sterbefälle allein in Bayern. Gleichzeitig setzen hohe Temperaturen Infrastruktur und Verkehr zunehmend unter Druck: Zuletzt hatte die Hitze erst für massive Schäden am Straßenbahnnetz gesorgt, Trams standen tagelang still.
Festivals bei großer Hitze: Südeuropa macht es vor
Auch Event-Veranstalter sehen sich langfristig mit der Frage konfrontiert, ob die bisherigen bewährten Konzepte noch zukunftsfähig sind oder ob künftig umgedacht und sich ein Beispiel an Südeuropa genommen werden muss. Länder wie Spanien und Portugal sind extreme Hitze gewohnt und haben ihre Veranstaltungen daran angepasst.
Beispiele hierfür sind Festivals wie das Internacional de Benicàssim an der spanischen Mittelmeerküste oder das Sonic Blast Festival an der nordportugiesischen Atlantikküste. Hier beginnen die Konzerte erst am Nachmittag, die letzten Bands beginnen ihre Gigs teils erst um 3 Uhr in der Nacht. Tagsüber haben die Besucher die Möglichkeit, die Zeit auf dem schattigen Campingplatz im Kiefernwald, in der Ferienunterkunft oder am Strand zu verbringen, bis die Sonnenintensität nachlässt und später am Abend die Temperaturen sinken.
Kostenlose Trinkwasserspender und viele extra geschaffene Schattenplätze, sowohl für Crew als auch für Gäste, sind Standard. Werden auch deutsche Veranstalter künftig umplanen? Wir haben uns sowohl bei Organisatoren vom Rock im Wald als auch beim Projektbüro der Stadt Nürnberg und beim Z-Bau umgehört, wie sie aktuell und auch langfristig mit dem Thema Hitze umgehen wollen.
„Alle müssen sich an Wetterbedingungen anpassen“: Rock im Wald ist vorbereitet
„Das Thema Hitze beschäftigt uns schon seit Wochen und wir beobachten die Wetterentwicklung sehr genau“, sagt Florian Hafermann-Josephus , einer der Veranstalter des ausverkauften Rock im Wald Festivals, das im vergangenen Jahr seinen 30. Geburtstag feierte.
„Sollte es tatsächlich zu Temperaturen im Bereich von 40 Grad oder darüber kommen, greifen bei uns verschiedene Maßnahmen. Dazu gehören beispielsweise eine kostenlose Trinkwasserstelle auf dem Festivalgelände, zusätzliche Schattenbereiche und eine intensive Kommunikation mit unseren Besucherinnen und Besuchern über Soziale Medien sowie über Durchsagen vor Ort. Unser Sanitätsdienst ist auf hitzebedingte Einsatzlagen vorbereitet und entsprechend ausgestattet“, erklärt er. Auch die Crew und Bands, die auf der Bühne körperliche Hochleistungen erbringen, habe man sensibilisiert.
„Am Ende gilt: Ein Festival funktioniert immer nur so gut, wie sich alle gemeinsam an die Situation anpassen – Veranstalter, Crew, Künstler und Besucher“, so Hafermann-Josephus. Er ist seit vielen Jahren Teil des Rock im Wald Teams und bestätigt, dass sich die Wetterextreme in den letzten Jahren häuften - von Unwettern bis Hitze.
Man könne nicht ignorieren und müsse sich auch langfristig daran anpassen, sagt er. Ob das bedeutet, dass Programmzeiten stärker in die Abendstunden verlegt werden oder sogar ganz über andere Veranstaltungszeiträume nachgedacht wird, lasse sich noch nicht pauschalisieren, da Entscheidungen dieser Art von mehreren Faktoren abhängen, angefangen von den Künstlern über die Genehmigungen bis hin zur Infrastruktur.
Hitzeaktionsplan der Stadt Nürnberg - konkrete Maßnahmen für Großveranstaltungen sind überschaubar
Ein großes Veranstaltungshighlight in Nürnberg ist das Bardentreffen: Auch am kommenden Wochenende werden wieder bis zu 200.000 Menschen in der Innenstadt erwartet, die gratis auf diversen Bühnen und auf den Fußwegen zwischen Hauptbahnhof und Hauptmarkt dutzenden musikalischen Acts lauschen wollen.
Die Stadt Nürnberg hat 2022 einen Hitzeaktionsplan beschlossen, der dessen erklärtes Ziel es ist, gesundheitliche Risiken durch extreme Temperaturen zu reduzieren und die Stadt klimaresilienter zu machen.
Der Hitzeaktionsplan sieht für das anstehende Bardentreffen konkret vor, dass Besucherinnen und Besucher ihre selbst mitgebrachten Wasserflaschen an den Trinkbrunnen der Stadt kostenlos auffüllen können, so wie auch an jedem anderen Tag. Eine Übersichtskarte über alle Trinkwasserstationen gibt es hier.
Neben der Aufforderung genügend zu trinken, weist die Stadt die Besucher des Bardentreffens zudem daraufhin, sich luftig anzuziehen und Sonnenschutz zu benutzen.
Nachfragen zu konkreten Maßnahmen, welche bei extremer Hitze für auftretende Bands, Crew (beispielsweise Soundtechniker und Technikerinnen oder Personen, die an Getränkeausschänken arbeiten) greifen bleiben unbeantwortet. Auch auf die Frage, ob man Großveranstaltungen im Sommer langfristig neu denken müsse, reagierte die Stadt nicht. Sie weist lediglich darauf hin, dass der Hitzeaktionsplan kontinuierlich weiterentwickelt werde.
Z-Bau plant flexibel: Weniger Events im Sommer, mehr Personal, späterer Beginn
Der Z-Bau in Nürnberg ist seit seiner Wiedereröffnung vor mehr als zehn Jahren eine der belebtesten Anlaufstellen der Stadt für städtische Kultur und Subkultur. Traditionell herrscht hier im Sommer schon immer deutlich weniger Betrieb als in den veranstaltungsstarken Jahreszeiten Herbst, Frühjahr und Winter. Trotzdem haben die Veranstalter einen kurzfristigen Hitzeplan erstellt. Dieser umfasst stets kostenloses Trinkwasser an den Bars, minimierter Einsatz von Wärmeerzeugern, zum Beispiel in der Beleuchtung von Veranstaltungen. Wassersprühflaschen, mehr Eiswürfel, Kühlhandtücher, Ventilatoren und bessere Lüftungsstrategien sind laut Z-Bau-Pressesprecherin Felicitas Lutz ebenfalls Teil des Konzepts. Zudem plane man wenn möglich mehr Personal, so dass Mitarbeitende an den Ausschenken mehr Pausen einlegen können.
Gleichzeitig sei man auf der Suche nach langfristigeren Lösungen. Verlegungen und Absagen sind bei zu hohen Temperaturen denkbar, und auch dieses Jahr bereits geschehen. So wurde beispielsweise das „Midzommer“-Event bei der letzten Hitzewelle Ende Juni zum Schutz von Personal und Gästen abgesagt.
Kosten durch Hitze enorm: Z-Bau appelliert an die Stadt Nürnberg
Häufig wiederkehrende und langanhaltende Hitzeperioden sind für den Z-Bau langfristig ein Problem, denn „die Gemäuer des Z-Bau speichern Hitze sehr gut und sehr lange. Wenn das Gebäude und die umliegenden versiegelten Flächen sich einmal aufgeheizt haben, bleibt es noch mehrere Tage heiß, auch im Biergarten und auch wenn die Außentemperaturen eigentlich schon wieder sinken, weil der Stein die Hitze speichert und weiter abgibt. „Das bedeutet, dass Veranstaltungen nicht nur während Hitzeperioden, sondern gegebenenfalls auch im Anschluss daran abgesagt oder verschoben werden müssen“, erklärt Lutz. „Für uns als Veranstaltungshaus bedeutet die zunehmende Hitze vor allem Kosten. Verschiebungen oder Absagen führen zu Einnahmeausfällen- auch wenn Gäste allgemein wegen der hohen Temperaturen fern bleiben.“ Hinzu kommen höhere Personalkosten.
Langfristig sei ein Umdenken bei den Event-Konzepten denkbar und nötig, so die Z-Bau-Sprecherin: „Spätere Beginnzeiten sind eine Option, aber wir prüfen auch eine Anpassung unserer Lüftungssysteme im Innenbereich, mehr Begrünung im Biergarten und Beregnungsmöglichkeiten.“
Auf eigene Faust umsetzbar sei das allerdings nicht, so der Z-Bau und appelliert vor allem an die Stadt Nürnberg: Denn bei langfristigen Hitze-Maßnahmen sein man durch extrem hohe Kosten, Denkmalschutz und die umliegenden versiegelten Flächen ausgebremst. „Das beste Hitzekonzept im Z-Bau nützt uns nichts, wenn die Stadt um uns glüht“. Der Z-Bau fordert daher mehr städtisches Grün und die Anpassung der Nachtruhe-Regelungen: „Niemand möchte um 16 Uhr in einem Park oder auf einem Platz sitzen, wenn es 40 Grad hat. Erst nach Sonnenuntergang wird es erträglich und das Leben und die Kultur können wieder draußen stattfinden“.


