Nürnberg - Erst kam die Abkühlung, nun gibt der Sommer bald wieder Vollgas: Wettermodelle sagen für Ende Juli und Anfang August eine neue Hitzewelle voraus - mit Temperaturen, die selbst Experten staunen lassen.

Wer gehofft hatte, dass der Sommer mit den Hitze-Rekorden Ende Juni sein Pulver weitgehend verschossen hat und jetzt gemäßigt weitergeht, dem droht eine herbe Enttäuschung. Der fränkische Wetterexperte Stefan Ochs, der unter dem Namen „Wetterochs“ auf seiner Website wetterochs.de täglich Prognosen für die Region veröffentlicht, bringt es auf den Punkt: „Ziemlich sicher ist nur, dass es Ende nächster Woche sehr heiß wird.“ Und dann legt er nach - mit Zahlen, die es in sich haben.

Zunächst aber der Blick auf die nächsten Tage. Am Samstag scheint in der Region die Sonne bei 31 bis 32 Grad und gelegentlichem böigen Wind aus wechselnden Richtungen. Am Sonntag steigen die Temperaturen noch einmal auf 29 bis 30 Grad, ehe eine Kaltfront von Westen naht. Regen bringt sie kaum, denn die Luft ist schlicht zu trocken. Erst in der Nacht auf Montag kommt etwas Feuchtigkeit, dazu starker Westwind und wechselhafte Bewölkung. Je nach Modell fallen insgesamt 0 bis 6 Millimeter Regen, die Temperaturen pendeln sich bei 23 bis 26 Grad ein.

Azorenhoch zieht kommende Woche auf

Von Dienstag bis Donnerstag übernimmt dann ein Ableger des Azorenhochs das Kommando. Heiteres, teils wolkenloses und trockenes Wetter, die Tageshöchstwerte klettern von 28 auf 37 Grad. Ab Freitag wird es laut dem Wetterochs dann „unsicherer“ - und das in einem Ausmaß, das die Wettermodelle regelrecht aus der Bahn wirft. Ein Tief weit im Süden, zwischen den Azoren und Madeira, zieht in Richtung Biskaya und lenkt an seiner Ostflanke einen massiven Schwall Sahara-Luft nach Mitteleuropa. „Die konventionellen Wettermodelle drehen da regelrecht durch“, schreibt Ochs auf seiner Seite.

Höchstwerte von 42 Grad

Konkret heißt das: Das europäische IFS-Modell des ECMWF (European Centre for Medium-Range Weather Forecasts) sagt für den 3. und 4. August Höchstwerte von 42 Grad voraus. Das amerikanische GFS-Modell erwartet diese 42 Grad bereits am 2. August. Und das KI-Wettermodell AIFS, das Ochs bei so langen Vorhersagezeiträumen als „Maß aller Dinge“ bezeichnet, kommt im aktuellen Lauf auf 41 Grad. Allerdings schränkt der Wetterochs ein: Die Extremwerte seien in den Berechnungen räumlich begrenzt und nur von kurzer Dauer.

Andere Meteorologen sehen das ähnlich. Laut wetter.com liegt die Wahrscheinlichkeit für eine markante Hitzewelle im Westen und Süden Deutschlands bei rund 70 Prozent. Entscheidend ist dabei, ob sich über Spanien oder Frankreich ein Tiefdruckgebiet bildet, das heiße Luft weiter nach Norden lenkt. Diplom-Meteorologe Dominik Jung sagte gegenüber t-online: „Prognosen jenseits von sieben bis zehn Tagen sind Trends, keine Punktlandungen.“ Die Signale aber seien deutlich.

Woher die Hitze wohl nach Deutschland kommen wird, zeigt ein Blick nach Süden: Auf Sardinien wurden zuletzt 47 Grad gemessen, in Andalusien werden bis zu 44 Grad erwartet. Dieser Hitzepool in Südeuropa könnte die Quelle für das sein, was Meteorologen einen „Heatdome“ nennen: eine Hitzeglocke, die sich über eine Region legt und dafür sorgt, dass sich die Luft weiter aufheizt, während Wolken und Regen kaum eine Chance haben.

Für Deutschland wäre das ein Szenario, durch das der erst im Juni aufgestellte Allzeitrekord von 41,8 Grad, gemessen in Rheinfelden in Baden-Württemberg, schon wieder fallen könnte. Der Wetterochs selbst bleibt dabei jedoch vorsichtig: „Dieser mögliche Sprung über die 40 Grad ist aber noch sehr spekulativ.“