
Extreme Hitze und Temperaturen von über 30 Grad belasten nicht nur Mensch und Natur, sondern entwickeln sich zunehmend zu einem gesamtgesellschaftlichen Problem. Das Robert Koch-Institut schätzt für den Sommer 2026 rund 942 hitzebedingte Sterbefälle allein in Bayern. Gleichzeitig setzen hohe Temperaturen Infrastruktur und Verkehr zunehmend unter Druck. Auch für die Wirtschaft werden Hitzewellen zu einem wachsenden Risiko: Allein die Hitzetage Ende Juni verursachten nach Berechnungen des Forschungsunternehmens „Prognos“ Schäden in Höhe von rund 6,3 Milliarden Euro. Und die nächste Hitzewelle steht bereits bevor.
Millionenverluste: Was ein einzelner Hitzetag kostet
„Prognos“ untersucht im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, welche wirtschaftlichen Folgen hohe Temperaturen für den Arbeitsalltag haben. Demnach verursacht bereits ein einzelner Tag mit Temperaturen von mindestens 30 Grad Kosten von rund 430 Millionen Euro für die deutsche Wirtschaft. Steigt das Thermometer über 35 Grad, belaufen sich die Verluste sogar auf rund 984 Millionen Euro. Der größte Teil der Kosten entsteht dabei durch sinkende Produktivität.
„97 Prozent der Arbeitskosten entstehen nicht durch Fehlzeiten, sondern durch stille Verluste: Menschen arbeiten weiter, sind aber weniger produktiv“, erklärt Lukas Sander, Projektleiter Klimaanpassung bei Prognos.
Schon wenige Grad machen einen Unterschied
Dabei reichen schon wenige Grad Temperaturanstieg aus, um die Leistungsfähigkeit deutlich zu beeinträchtigen. Eine Studie von „Allianz Trade“ zeigt, dass die Produktivität ab einer Temperatur von mehr als 30 Grad mit jedem zusätzlichen Grad um rund drei Prozent sinkt. Gleichzeitig steigen die Energiekosten um etwa 1,2 Prozent pro zusätzlichem Grad, da Gebäude, Maschinen und Rechenzentren stärker gekühlt werden müssen. Hinzu kommen hitzebedingte Ausfälle: An einem einzigen Hitzetag entstehen nach Prognos rund 76.500 Fehltage durch Erkrankungen und Arbeitsunfälle.
Langfristig könnten sich diese Einbußen erheblich summieren. „Allianz Trade“ schätzt, dass Deutschland bis 2030 wirtschaftliche Verluste von bis zu 112,5 Milliarden Euro erleiden könnte, wenn sich die Hitzewellen des vergangenen Jahrzehnts wiederholen. In besonders heißen Jahren könnte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dadurch um bis zu drei Prozent geringer ausfallen. Gleichzeitig fühlt sich laut einer Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbunds jeder dritte Beschäftigte durch Hitze bei der Arbeit stark belastet. Bei Menschen, die überwiegend im Freien arbeiten, sind es sogar fast 60 Prozent.
Deutschland muss sich besser an Hitze anpassen
Das Nürnberger Umwelt- und Gesundheitsreferat rechnet damit, dass sich die Zahl der Hitzetage bis 2050 voraussichtlich verdoppeln wird. Auch „Prognos“ geht davon aus, dass Hitzewellen künftig länger andauern, früher im Jahr auftreten und extremer werden.
Expertinnen und Experten sehen deshalb einen wachsenden Handlungsbedarf. Neben hitzeresistenter Infrastruktur gehören dazu angepasste Arbeits-, Schicht- und Pausenzeiten sowie Investitionen in den sommerlichen Hitzeschutz von Gebäuden und Kühlungssysteme. Zwar gibt es in Deutschland kein „Hitzefrei“ für Beschäftigte, Arbeitgeber sind jedoch verpflichtet, bei hohen Raumtemperaturen Maßnahmen zum Schutz ihrer Beschäftigten zu ergreifen. Wie die Industrie- und Handelskammer Nürnberg mitteilt, sollen bereits ab einer Raumtemperatur von 26 Grad geeignete Maßnahmen wie Sonnenschutz, Lüftung oder die Bereitstellung von Getränken umgesetzt werden.