
Bewertet Literaturkritiker Denis Scheck in der ARD-Sendung „Druckfrisch“ die Bücher von Autorinnenhäufiger negativer im Vergleich zu ihren Kollegen? Scheck ist für seine harschen Kritiken bekannt, in seinem Format fasst er seine Expertenmeinung in wenigen Sätzen zusammen und entscheidet, ob das Buch in der Tonne landet oder nicht. In den letzten Wochen ist seine Sendung aber in die Kritik geraten.
Denis Scheck verriss in „Druckfrisch“ in 34 Sekunden das Buch „Alt genug“ von Ildikó von Kürthy. Die Autorin machte in ihrer Reaktion deutlich, diese „Respektlosigkeit, so eine Verachtung der lesenden und schreibenden Frauen“, nicht mehr kommentarlos hinnehmen zu wollen.
Details zu dem Fall könnt ihr hier nachlesen: Ildikó von Kürthy vs. Denis Scheck: Zeigt sich hier das große Problem der Literatur-Kritik?
Auch Autorin Sophie Passmann („Wie kann sie nur?“) reagierte auf Schecks Verriss ihrer Neuerscheinung. „Ich erwarte von einem Literaturkritiker, dass er, wenn er ein Buch nicht gut findet, mir erklärt, warum das Buch nicht gut ist“, sagte sie in einem Video und warf Scheck Sexismus vor. Denis Scheck und die ARD reagierten auf die Vorwürfe. „In der Liste der März-Sendung habe ich vier Bücher von Frauen teilweise enthusiastisch gelobt, drei negativ besprochen.“ Die ARD stehe für Gleichberechtigung und eine vielfältige Darstellung von Perspektiven.
Die Wochenzeitung DieZEIT hat genauer nachgezählt. Nach den Recherchen der Redaktion habe Scheck von 118 besprochenen Büchern von Autorinnen 53 in die Tonne geworfen. Also fast 45 Prozent. Bei den 168 Büchern von Autoren waren es 50. Das entspricht etwa 30 Prozent.
Die ARD erklärte, in der Sendung gäbe es keinen Raum für Frauenfeindlichkeit. Und reagiert nun offensiv auf die Kritik - und das direkt im Sendungsprogramm. Laut einer Pressemitteilung wird sich Denis Scheck in der nächsten 223. „Druckfrisch“-Ausgabe mit „starken Frauen“ befassen. Was das genau bedeutet?
Mit den Autorinnen Siri Hustvedt, Judith Schalansky und Samantha Schweblin drehe sich der Hauptteil der Sendung um Frauen, “die über ihre Liebe und über den Text als Mittel und Material geschrieben haben“, zitiert Spiegel Online die Programmankündigung. Soll die Sendung, die am Sonntag, den 26. April um 23.35 Uhr läuft, das Image wieder aufpolieren? Es scheint so. Ob sich die Diskussion tatsächlich so schnell wieder in die Tonne werfen lässt, ist allerdings fraglich.


