Nürnberg - „Dungeon Crawler Carl“ stand im Original bereits auf der New York Times-Bestsellerliste und hat bereits Kultstatus erreicht. Die deutsche Übersetzung landete jetzt direkt auf der SPIEGEL-Bestsellerliste.

„Ich habe mich von einem Kerl, der von der Pandemie hart getroffen wurde, zu jemandem entwickelt, der seinen Lebensunterhalt damit verdient, alberne Geschichten über eine sprechende Katze zu schreiben.“

So beschreibt sich Matt Dinniman im Nachwort zu „Dungeon Crawler Carl“ selbst. 2020 veröffentlichte er den ersten Band der Reihe in den USA, mittlerweile umfasst die Reihe acht Bände und hat bereits Kultstatus erreicht. Höchste Zeit für eine deutsche Übersetzung, und zumindest Band 1 kam auch hierzulande gut an. In der Woche nach der Veröffentlichung landete „Dungeon Crawler Carl“ direkt auf Platz 7 der SPIEGEL-Bestsellerliste Paperback.

Alles nur leerer Hype oder wird Carl seinemRuf gerecht?

„Dungeon Crawler Carl“: Carl und Donut kämpfen ums Überleben

Es könnte besser laufen für Carl: Nachdem er herausgefunden hat, dass seine Freundin im Urlaub mit ihren Freundinnen nicht mit ihnen, sondern mit ihrem Ex-Freund richtig viel Spaß hat, ist sie die längste Zeit seine Freundin gewesen. Bis sie zurückkommt, kümmert er sich noch um ihre preisgekrönte Perserkatze Donut. Und dann springt das verdammte Vieh auch noch mitten in der kältesten Nacht des Jahres, was in Seattle durchaus etwas heißen will, aus dem Fenster. Nur in Boxershorts und einer Lederjacke bekleidet, rennt Carl nach draußen, um das Tier zu retten. Und dann ist da auch noch die Apokalypse.

Carl überlebt nur, weil er sich draußen aufhält. Alle Menschen und Tiere, die sich unter irgendeinem Dach aufgehalten hatten, sind schlagartig tot. Alle Gebäude sind verschwunden. Um nicht zu erfrieren, rettet sich Carl in einen Tunneleingang, der wie aus dem Nichts erschienen ist. Und schon ist er mittendrin im tödlichen Dungeon Crawl.

Für die Aliens, die die Apokalypse herbeigeführt haben, läuft hier alles bürokratisch einwandfrei. Bereits vor Jahren hatten sie den Menschen die Möglichkeit gegeben, gegen den Abbau der Rohstoffe auf der Erde Einspruch einzulegen. Wer sich nicht kümmert, ist eben selbst schuld. Netter Nebeneffekt für die Außerirdischen: Der Dungeon Crawl, eine Reality TV-Show, die im ganzen Universum ausgestrahlt wird. Alle Erdenbewohnerinnen und -bewohner, die den Dungeon betreten haben, nehmen am Spiel teil, dessen Devise lautet: Töten, töten, töten!

Und Carl ist plötzlich mitten in diesem Spiel. Jetzt muss er sich gegen fiese Goblins, riesige Ratten und mörderische Streifenhornissen behaupten, gefährliche Gegner in Bosskämpfen besiegen und (fast am Schlimmsten) in dämlichen Talkshows auftreten. Zur Seite steht ihm die Perserkatze Donut, mit vollem Namen bitte GC, BWR, NW Prinzessin Donut, Königin Anne Chonk. Nicht nur, dass die Katze nach dem Verzehr eines seltsamen Tierleckerlies einen höheren Stärke- und Intelligenzwert hat als Carl, das Spiel hat sie auch noch als Anführerin der Gruppe auserkoren. Die Gruppe, die fortan „königlicher Hof der Prinzessin Donut“ heißt, angeführt von Prinzessin Donut, mit dem (selbsterklärten) Titel „Größter Champion im Dungeon“ und ihrem „Königlichen Leibwächter“ Carl.

Das kann ja heiter werden.

„Dungeon Crawler Carl“

von Matt Dinniman

  • übersetzt von Ruggero Leo
  • 512 Seiten
  • FISCHER Tor
  • ISBN: 978-3-596-71248-9
  • 18 Euro

„Dungeon Crawler Carl“: Originell oder warmer Aufguss?

Die Ausgangssituation dieses Abenteuers dürfte den Fans humorvoller Fantasy bekannt vorkommen. „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams hat einen sehr ähnlichen Anfang. Und auch mörderische Spiele, bei denen sich das Publikum über actionreiche Kämpfe freut, während die Teilnehmenden ums nackte Überleben kämpfen und auf die Gnade von Sponsoren angewiesen sind, sind nicht unbedingt neu. Zumindest nicht für alle, die schon einmal etwas von „Die Tribute von Panem“ gehört haben.

Aber ganz ehrlich: Das tut der ganzen Sache keinen Abbruch. Die Art und Weise, mit der Matt Dinniman verschiedene literarische Stoffe aus den letzten fünf Jahrzehnten zusammenbringt, macht „Dungeon Crawler Carl“ nicht zu einem billigen Abklatsch, sondern zu einem Paradebeispiel für die literarische Postmoderne, mit der er sich in einer Liste großer Autoren mit Namen wie Umberto Eco, Patrick Süßkind und Jon Vosse einordnen darf.

Das Gespann aus Carl und Donut funktioniert einfach. Die Handlung ist rasant, spannend, witzig und makaber zugleich. Genauso wie das Vorbild „Per Anhalter durch die Galaxis“ ist „Dungeon Crawler Carl“ auch eine Satire.

Nicht nur spiegelt die Handlung unseren Umgang mit Reality TV, das Ergötzen eines Publikums durch das Leid anderer vom römischen Kolosseum bis zum Dschungelcamp überspitzt wider. Sie nimmt auch unsere bürokratischen Systeme ins Visier, die all jene benachteiligen, die keinen echten Zugang dazu haben, und so regelmäßig benachteiligt werden.

Und noch dazu ist das Ganze in seiner großen Tragik auch noch saukomisch.

Wie geht es weiter mit „Dungeon Crawler Carl“?

Wie eingangs erwähnt umfasst die Reihe im Original mittlerweile sieben Bände, der achte soll im Mai 2026 veröffentlicht werden. In deutscher Übersetzung sind zumindest die Bände 2 und 3 bereits angekündigt, „Carl‘s Doomsday Scenario“ soll im Juni 2026 in die Buchläden kommen, „The Dungeon Anarchist‘s Cookbook“ folgt im November.

Was ist eigentlich ein LitRPG?

LitRPG steht für Literary Role Playing Game. Bücher, die diesem Genre angehören, vereinen Fantasy oder Science Fiction Literatur mit den klassischen Mechaniken und Elementen von Computer-Rollenspielen. Ein anderes Paradebeispiel für ein LitRPG ist „How to Become the Dark Lord and Die Trying“ von Django Wrexler.