Nürnberg - Heiße Sommer und plötzlich auftretender Starkregen setzen Nürnberg zunehmend unter Druck. Die Stadt will deshalb ihr Klimaanpassungskonzept neu aufstellen. Bis Ende 2027 soll ein konkreter Fahrplan entstehen.

Wie wird Nürnberg widerstandsfähiger gegen Hitze, Trockenheit und Überflutungen? Umwelt- und Gesundheitsreferentin Britta Walthelm stellte den Arbeitsprozess am 7. Oktober im Umweltausschuss vor. Anlass sind nach Angaben der Stadt die zunehmenden Wetterextreme der vergangenen Jahre - darunter auch massive Hitzeperioden und Starkregenereignisse im Sommer 2026.

Innenstadt Nürnberg besonders im Blick

Eine zentrale Herausforderung ist die Frage, wie sich eine dicht bebaute Stadt an die Folgen des Klimawandels anpassen kann. Gerade in der Nürnberger Innenstadt treffen versiegelte Flächen, wenig Schatten und eine hohe bauliche Dichte aufeinander. Asphalt und Beton speichern die Wärme, während Regenwasser bei Starkregen vielerorts nicht schnell genug versickern kann. Das erhöht sowohl die Hitzebelastung als auch das Risiko von Überflutungen.

Die Stadt will deshalb am Leitbild einer „wassersensiblen Stadt“ festhalten. Bei neuen Planungen sollen Regenwasser, Versickerung und die Vorsorge gegen extreme Niederschläge von Anfang an berücksichtigt werden. Zugleich soll die Stadtklimaanalyse zeigen, wo sich Nürnberg im Sommer besonders stark aufheizt und wo Maßnahmen besonders dringend sind.

Stadt Nürnberg führt Parks und Plätze als Vorbilder an

Wo Flächen entsiegelt, begrünt oder mit Möglichkeiten zur Regenwasserversickerung versehen werden, kann sich die Stadt langsamer aufheizen und Niederschlag besser aufnehmen - so der Idealfall. Für die Innenstadtentwicklung bedeutet das: Künftige Umgestaltungen müssen nicht nur Fragen von Verkehr, Aufenthaltsqualität und Gestaltung beantworten. Sie sollen auch Schatten spenden, Wasser zurückhalten und bei Starkregen als Teil der städtischen Vorsorge funktionieren. Welche konkreten Orte und Projekte Priorität bekommen sollen, soll die noch ausstehende Risiko- und Betroffenheitsanalyse klären.

Die Stadt verweist auf bereits umgesetzte Projekte: Neue Parks mit Versickerungsflächen, etwa im Züricher Park, sowie Platzumgestaltungen wie am Lorenzer Platz sollen zeigen, wie Stadtentwicklung auf die veränderten Bedingungen reagieren kann. Die Maßnahmen in der Innenstadt stießen bislang jedoch nicht nur auf Wohlwollen. Zu kleine Baumscheiben, zu wenig Grün: Unter anderem Bundnaturschutz sowie der Bürgerverein plädierten für noch weitreichendere Maßnahmen.

Konkreter Maßnahmenkatalog geplant

Herzstück des neuen Konzepts soll ein Maßnahmenkatalog werden. Er soll sowohl die heutige Situation als auch die erwarteten klimatischen Entwicklungen berücksichtigen. Neben der Anpassung von Plätzen, Grünflächen und neuen Bauvorhaben rückt laut Stadt auch die konkrete Gefahrenabwehr stärker in den Mittelpunkt - insbesondere der Umgang mit extremem Starkregen.

Das Konzept soll zudem aktuelle Anforderungen der Europäischen Union, des Bundes und des Freistaats einbeziehen. Die Umsetzung und die spätere Kontrolle der Maßnahmen bleiben bei der Stadt. Prioritäten müssen dabei mit dem Stadtrat und den zuständigen Fachausschüssen abgestimmt werden. Die Stadt weist zugleich darauf hin, dass die Realisierung von den verfügbaren finanziellen und personellen Ressourcen abhängt.

Nürnbergerinnen und Nürnberger sollen sich beteiligen

Im Laufe des Arbeitsprozesses ist eine Beteiligung der Öffentlichkeit vorgesehen. Die Erfahrungen der Nürnbergerinnen und Nürnberger sollen helfen, besonders belastete Orte und konkrete Probleme im Alltag sichtbar zu machen. Das kann für die Innenstadt ebenso wichtig sein wie für Stadtteile, in denen sich bei Starkregen Wasser sammelt oder die sich an heißen Tagen besonders stark aufheizen. Bis Ende 2027 soll feststehen, welche Maßnahmen die Stadt zuerst angehen will - und wie Nürnberg seine Entwicklung so gestalten kann, dass Hitze, Trockenheit und Überflutungen die Lebensqualität möglichst wenig beeinträchtigen.