
Im Herbst sieht man sie immer öfter an Hauswänden oder auf Fensterbänken: Sie ist braun-grau marmoriert, mit schwarz-weiß gestreiften Fühlern und einem dicken Panzer, bei Berührung kann es stinken. Das Tier wird Marmorierte Baumwanze genannt– und er breitet sich in Deutschland aus. Doch die Wanzenart ist mehr als ungebetener Gast im menschlichen Heim, es handelt sich um einen echten Schädling. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) informiert darüber auf ihrer Webseite.
Durch das Fortschreiten des Klimawandels und Reise- und Handelsverkehr konnte die eingeschleppte Art sich auch hierzulande bereits vermehren und sesshaft werden. So sorgt man dafür, dass Wanzen nicht ins Haus kommen.
Die ursprünglich aus Asien stammende Wanzenart wurde bereits Ende des 20. Jahrhunderts in die USA eingeschleppt, wo sie mittlerweile große Schäden an vielen obst-, gemüse- und ackerbaulichen Kulturen verursacht. Der erste Nachweis in Europa wurde im Jahr 2004 verzeichnet. In Deutschland wurde sie 2011 erstmals in Konstanz am Bodensee gefunden. Zwischenzeitlich hat sie sich über weite Teile Südwestdeutschlands ausgedehnt und tritt dort häufig in dichten Siedlungsgebieten entlang der Rheinebene auf. Aber auch aus Berlin wurden beispielsweise Funde gemeldet. Es gibt keine klare Ausbreitungsfront, sondern eher punktförmige Befallsherde, die sich örtlich ausweiten, erklärt das LfL.
Wenn die Tage kürzer werden un die Temperaturen unter 9 Celsius fallen wandert die Marmorierte Baumwanze in ihre Winterquartiere und sucht sich dafür Ritzen und Spalten in Häusern oder Schuppen und unter der Baumrinde.
Bei Temperaturen über 10 °C verlässt sie im Frühjahr ihre Überwinterungsplätze und beginnt mit der Nahrungsaufnahme. Ab Mitte Mai paaren sich die Wanzen, und die Weibchen legen ihre kleinen Eigelege (meist 28 Stück) auf der Blattunterseite ab. Ab Mitte bis Ende Juli können dann die erwachsenen Tiere auf ihren Wirtspflanzen gefunden werden und beginnen dort mit ihrer Saugtätigkeit. In Deutschland gibt es bislang eine Generation pro Jahr.
Schäden an Obst, Gemüse und Zierpflanzen
Die Marmorierte Baumwanze ist nicht wählerisch, wenn es um ihre Nahrung geht: Gut 300 Wirtspflanzen, von denen auch sehr viele bei uns heimisch sind, dienen ihr als Quelle. Darunter Äpfel, Birnen, Kirschen, Zwetschgen, Himbeeren, Tomaten, Paprika sowie einige weitere Zierhölzer- und Pflanzen.
Saugschäden an den Früchten sind oft an dunkel eingefallenen braunen Stellen zu erkennen. An sich entwickelnden Früchten kann es darüber hinaus zu Deformationen kommen. Bei Tomaten und Paprika finden sich an den Einstichstellen Aufhellungen in der Schale, die oft schwammig ausgebildet sind und später nekrotische Flecken bilden, erklärt das LfL.
Natürliche Feinde wie in ihrer asiatischen Heimat (zum Beispiel einige Schlupfwespen), gibt es hierzulande seltener, weshalb die Ausbreitung der Marmorierten Baumwanze rasant voranschreitet.
Grüne Reisewanze auch auf dem Vormarsch
Neben der Marmorierten Baumwanze tritt in den vergangenen Jahren im Oberrheingraben immer häufiger ebenfalls die aus Ostafrika stammende Grüne Reiswanze (Nezara viridula) auf. In Bayern konnten ebenfalls erste Funde verzeichnet werden, so die Landesanstalt für Landwirtschaft mit Sitz im bayerischen Freising. Sie kann leicht mit der heimischen Grünen Stinkwanze verwechselt werden. Doch auch hier sei eine Unterscheidung anhand weniger Merkmale möglich: So befinden sich auf dem Schildchen der Grünen Reiswanze drei weiße Flecken, die auf beiden Seiten jeweils von einem schwarzen Punkt flankiert sind, während dies bei der Grünen Stinkwanze nicht der Fall ist.
Landesanstalt bittet um Mithilfe
„Um einen Überblick über das Vorkommen dieser beiden Wanzenarten in Bayern zu erhalten, brauchen wir Ihre Mithilfe“, heißt es auf der Webseite des LfL. Wer eine Marmorierte Baumwanzen oder Grüne Reiswanze findet, solle diese von beiden Seiten fotografieren und ein möglichst hochauflösendes Bild davon, mit Angabe der Fundstelle per E-Mail schicken oder ein Exemplar zusenden. Wenn man ganze Wanzen verschickt, sollten diese in ein bruchsicheres Behältnis, zum Beispiel eine kleine Plastikdose oder Streichholzschachtel verpackt werden.
Auf einem von der Landesanstalt zur Verfügung gestellten Probenbegleitschein können sowohl Anschrift und Fundort als auch weitere freiwillige Informationen zur Probe angeben werden.
Auch die Stadt Nürnberg forderte die Bevölkerung zuletzt zum Handeln auf: Denn in der Stadt macht sich die Große Drüsenameise breit. Auch sie kann massive Schäden anrichten.



