
Wenn die Tage kürzer werden und das natürliche Nahrungsangebot knapper wird, greifen viele Menschen zu Vogelfutter. Doch wer heimische Singvögel unterstützen möchte, sollte einige Grundregeln beachten. Denn die falsche Fütterung kann den Tieren im schlimmsten Fall schaden. Darauf weist der Deutsche Tierschutzbund in einer aktuellen Infobroschüre hin.
Die Lebensbedingungen vieler heimischer Vogelarten haben sich in den vergangenen Jahrzehnten verschlechtert. Ursachen sind unter anderem die intensive Landwirtschaft, der Einsatz von Pestiziden und die Folgen des Klimawandels. Dadurch gehen wichtige Nahrungsquellen verloren, etwa Insekten, Samen oder Früchte. Laut Tierschutzbund kann deshalb in manchen Regionen sogar eine ganzjährige Vogelfütterung sinnvoll sein.
Nicht alle Vögel fressen dasselbe Futter: Darauf solltest du achten
Wer Vögel füttert, sollte zunächst wissen, welche Arten den Garten besuchen. Grundsätzlich unterscheiden Expertinnen und Experten zwischen Körner- und Weichfutterfressern. Zu den Körnerfressern zählen beispielsweise Spatzen und Finken. Sie bevorzugen Sonnenblumenkerne, Getreide wie Weizen oder Hafer, Erdnüsse sowie Hanf- und Leinsamen. Wichtig: Das Futter sollte naturbelassen sein. Geröstete, gesalzene oder gewürzte Produkte sind für Wildvögel ungeeignet.
Amseln, Rotkehlchen und Zaunkönige gehören dagegen zu den Weichfutterfressern. Auf ihrem Speiseplan stehen bevorzugt Obst, Beeren und Insektenlarven. Besonders beliebt sind getrocknete Holunder-, Ebereschen- oder Ligusterbeeren. Auch ganze Äpfel und Birnen werden gerne angenommen. Wie lange und womit man die Vögel füttern sollte, erklärt hier ein Experte im Gespräch.
Gut gemeint, doch diese Fehler solltest du vermeiden
Besonders häufig greifen Menschen zu gut gemeinten, aber ungeeigneten Lebensmitteln. Brot oder andere Essensreste haben an der Futterstelle nichts verloren. Sie sind laut den Tierexperten ausschließlich für den menschlichen Verzehr gedacht und für Wildvögel ungeeignet. Auch bei Meisenknödeln ist Vorsicht geboten. Diese sollten möglichst ohne Kunststoffnetz angeboten werden. Andernfalls können sich die Tiere darin verfangen und verletzen.
Ein weiteres Problem ist verdorbenes Futter. Körnermischungen und getrocknete Früchte müssen trocken und dunkel gelagert werden. Vor dem Auslegen sollten Vogelfreunde prüfen, ob sich Schimmel gebildet hat oder das Futter unangenehm riecht.
So wird die Futterstelle zum Vogelparadies
Besonders hygienisch sind nach Angaben des Tierschutzbundes hängende Futterspender oder Futterglocken. Dort wird das Futter seltener verunreinigt als in klassischen Vogelhäuschen. Werden dennoch Futterhäuser genutzt, sollten diese täglich trocken ausgefegt und mindestens einmal pro Woche mit heißem Wasser gereinigt werden.
Empfohlen wird außerdem, unterschiedliche Futterstellen anzubieten und Körner- sowie Weichfutter getrennt auszulegen. Dadurch entsteht weniger Konkurrenz zwischen den verschiedenen Vogelarten.
Obst sollte möglichst als ganze Frucht angeboten werden. Ganze Äpfel oder Birnen ähneln natürlichem Fallobst und verderben langsamer als klein geschnittene Stücke.
Noch wichtiger als Füttern: Das hilft Wildvögeln im Winter
Die größte Hilfe für Wildvögel beginnt allerdings nicht am Futterspender. Der Tierschutzbund empfiehlt, Gärten und Balkone möglichst naturnah zu gestalten.
Heimische Pflanzen, Insektenfreundlichkeit und vielfältige Strukturen schaffen natürliche Nahrungsquellen und Lebensräume für zahlreiche Vogelarten. So lässt sich die Artenvielfalt langfristig fördern. Fünf Gestaltungstipps für einen vogelfreundlichen Garten gibt eine Expertin hier.
Die wichtigsten Infos im Überblick: Das fressen Vögel am liebsten
- Körnerfresser: Sonnenblumenkerne, Weizen, Hafer, Erdnüsse, Hanf- und Leinsamen
- Weichfutterfresser: Äpfel, Birnen, getrocknete Beeren, Insektenlarven
- Tabu: Brot, Essensreste, gesalzene oder gewürzte Lebensmittel
- Meisenknödel möglichst ohne Netz anbieten
- Futter trocken lagern und regelmäßig auf Schimmel kontrollieren


