Die Tapinoma magnum wird auch Große Drüsenameise genannt und breitet sich seit Jahren in Deutschland aus - der Klimawandel macht es möglich. Die Ameisenart gilt unter Biologen als invasive Art und kann massive Schäden verursachen.
So klagt die Gemeinde Offenbach in Hessen bereits im Sommer über einen massiven Befall, auch auf dem Friedhof im unterfränkischen Hösbach: Wie BR 24 berichtet, krabbeln die Ameisen überall aus kleinen Löchern. Die Tiere tragen lockeres Material aus dem Boden und nutzen den Hohlraum für ihre unterirdischen Nester, welche mit weitverzweigten Tunnelsystemen verbunden sind. Dadurch kann sich das Fundament setzen, was Grabsteinen, Mauern und Teerdecke schwer zusetzen kann. Auch an Stromkästen seien sie unterwegs, weil es dort warme Hohlräume gebe. In einem Fall nutzten die Ameisen eine stillgelegte Klingel und den Kabelkanal, um von außen ins Haus einzudringen, so Hösbachs Bauhofleiter Reiner Müller gegenüber BR 24.
Auch in Nürnberg ist die Große Drüsenameise inzwischen ein Problem. Deshalb gab es am Montag (5. Oktober 2026) eine Informationsveranstaltung mit einer Expertin, selbst Oberbürgermeister Marcus König meldete sich zu Wort.
„Potenziell invasive Art“: Umweltbundesamt warnt vor Schäden
Auch das Umweltbundesamt stellt auf seiner Webseite zahlreiche Informationen über die Große Drüsenameise zur Verfügung und warnt durch ihr „massives Auftreten“ vor einer möglichen starken Belästigung in Gebäuden und Gärten, Schäden an Gebäuden und Elektrik sowie Internetleitungen. Eine Gesundheitsgefahr für Menschen bestehe laut der Behörde allerdings nicht.
Das Bundesamt für Naturschutz sieht die Art als „potenziell invasive Art“ für Deutschland und führt sie auf der nationalen Beobachtungsliste, denn sie vermehrt sich expansiv, was eine mögliche Verdrängung anderer Arten verursachen kann.
Große Drüsenameise - Einwanderung aus Südeuropa
Die Große Drüsenameise ist ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet, hat sich von dort aber über Warenlieferungen auch bis nach Deutschland verbreitet, erklärt das Umweltbundesamt. Nachgewiesen wurde sie bei uns erstmals 2009. Die Einschleppung erfolge demnach vor allem mit Gehölzen wie Palmen, Oliven- und Feigenbäumen, die auch in deutschen Gärten immer beliebter werden. Die Pflanzen werden zunächst in Gärtnereien und Gartencenter geliefert, von dort aus werden die Ameisen mit den Gehölzen oder auch anderen befallenen Pflanzen in Privathaushalte gebracht.
Bestimmung und Unterscheidung mit bloßem Auge nicht möglich
Die Ameisen sind glänzend schwarzgefärbt, ohne braun gefärbte Körperteile. Arbeiterinnen werden etwa zwei bis fünf Millimeter groß. Typisch sei laut Umweltbundesamt, dass Arbeiterinnen in verscheiden Größen nebeneinander auftreten. Die Große Drüsenameise hat im Gegensatz zu vielen anderen Ameisenarten eine polygyne Lebensweise, das heißt eine Kolonie hat mehrere Königinnen - bis zu 350 Stück. Ab Mai werden Geschlechtstiere in den Nestern gebildet, die ab Juli auf ihren Schwarmflügen sichtbar werden. Begattete Weibchen, die Königinnen, gehen entweder wieder in ihr Ursprungsnest zurück oder gründen ein neues Nest in der Nähe.
Kälte ist für die Große Drüsenameise kein Problem
Im Gegensatz zu der häufig auftretenden heimischen Ameisenart, der Schwarzen Wegameise (Lasius niger), ist die Große Drüsenameise auch bei niedrigen Temperaturen bis etwa drei Grad Celsius aktiv. In ihrem ursprünglichen Verbreitungsraum, dem Mittelmeerraum, hält sie daher auch keine Winterruhe. In unseren Breiten wandert die Ameise bei Kälte auch in Gebäude ein.
Die Große Drüsenameise kommt bevorzugt in Siedlungsgebieten vor, in denen sie ihre Nester in der Nähe von Mauern und Hausfundamenten, unter Pflaster und Gehwegplatten aber auch in oder unter Blumenkästen und -kübeln bis in eine Bodentiefe von einem Meter anlegt.
Erwachsene Tiere ernähren sich überwiegend von Honigtau, einer Absonderung von Blattläusen. Die Brut wird auch mit Sämereien und kleinen Insekten versorgt. Auch menschliche Nahrungsreste werden gefressen. Blattlauskolonien werden beschützt und so können auch Nützlinge, die sich von Blattläusen ernähren, zum Beispiel Marienkäfer, angegriffen und getötet werden, erklärt das Umweltbundesamt.
Stadt Nürnberg ruft zum Handeln auf
Bei einer Informationsveranstaltung der Stadt Nürnberg in Kooperation mit dem Bürgerverein Hasenbuck am Montag wurden die besorgten Bürger von Heike Feldhaar der Universität Bayreuth über die invasive Art aufgeklärt. Gängige Methoden zur Ameisenbekämpfung lassen oft auf ihren Erfolg warten. „Heißes Wasser hilft nur bedingt. Meist reicht es nicht bis zum tieferliegenden Nest und schadet somit nicht der Königin. Außerdem tötet es auch alles andere im Boden“, sagt Feldhaar. Diese Methoden sollten nur auf Sand, Kies und Pflaster eingesetzt werden. Auf dem nassen Boden kann das Ausstreuen von Fadenwürmern (Nematoden) bei der Bekämpfung helfen.
Auch die Gestaltung der Umgebung kann nach Einschätzung von Prof. Dr. Feldhaar zur Eindämmung beitragen. „Biodiversität, hohes Gras und unsere einheimischen Wegameisen helfen bei der Eindämmung. Aber wir werden diese invasive Ameisenart wahrscheinlich nicht mehr loswerden“, erklärte Feldhaar.
An geeigneten Methoden zur gezielten Bekämpfung soll im kommenden Frühjahr weiter geforscht werden. Prof. Dr. Feldhaar plant dazu gemeinsam mit einem Schädlingsbekämpfer Untersuchungen, um eine Kombination aus Köder und Gift zu finden, die möglichst gezielt der Großen Drüsenameise schadet.
Auch der Oberbürgermeister Marcus König meldet sich zu der Plage zu Wort. Laut seinen Worten ist die Ausbreitung der Ameisen-Art ein großes Problem für die Stadt Nürnberg. Um die Ausbreitung einzudämmen, muss jeder auf seinem Grund tätig werden, egal ob Garten oder Großbaustelle.
So erkennt man die Große Drüsenameise
Auch wenn die Große Drüsenameise mit bloßem Auge für Laien kaum von anderen Arten zu unterscheiden ist, gibt es laut Umweltbundesamt dennoch einige Kriterien, an denen man sie doch von beispielsweise der heimischen Wegameise unterscheiden kann:
- typischer Sand- beziehungsweise Erdauswurf an Nesteingängen,
- breite, mehrspurige Ameisenstraßen (die heimische Schwarze Wegameise bildet nur einspurige Ameisenstraßen)
- bei Störung strömen Arbeiterinnen schnell und zahlreich aus dem Nest, zeigen aggressives Verteidigungsverhalten
- meist Arbeiterinnen mit unterschiedlicher Größe gleichzeitig zu beobachten, (sind alle Arbeiterinnen etwa gleich groß, handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine heimische Art)
- komplett schwarz gefärbt
- die Ameisen strömen einen typischen Geruch (zitronig, ranzig, nach Aceton) aus, wenn sie gereizt oder zerdrückt werden.
Besteht der Verdacht auf einen Befall mit Tapinoma magnum, können einzelne Ameisen zur Bestimmung zum Beispiel an das Naturkundemuseum Stuttgart gesendet werden. Bestätigt sich der Verdacht, sollte dieser unverzüglich dem örtlichen Ordnungsamt gemeldet werden, rät das Umweltbundesamt.
Ein paar Tipps, wie man gegen Ameisen vorgehen kann, wenn sie im Haus, der Wohnung oder im Garten stören, haben wir in einem Artikel für euch zusammengefasst.
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