Nürnberg - Tag der Entscheidung: Der Stadtrat stimmt heute über das neue Max-Morlock-Stadion ab. Ein kurzfristig eingereichter Antrag der CSU sorgt für Aufsehen. Was beschlossen wird, was nicht – und wie es danach weitergeht.

Der Stadtrat entscheidet heute, ob die Anfang Juli vorgestellte Vorzugsvariante für das neue Max-Morlock-Stadion kommt. Eine mehrheitliche Zustimmung gilt als wahrscheinlich. Bereits vor über vier Jahren fasste der Stadtrat den Beschluss: „Das Max-Morlock-Stadion soll perspektivisch wieder eines der bedeutenden Stadien Deutschlands werden und als Spielstätte für große Fußballturniere in Frage kommen.“

Beim 1. FC Nürnberg würde man sich über ein Go aus der Politik auf jeden Fall freuen. „Wir sind sehr glücklich mit der Vorzugsvariante, da steckt sehr viel Club drin“, sagt FCN-Finanzvorstand Stefan Heim im Gespräch mit unserer Redaktion. Doch was wird heute beschlossen und was nicht und wie geht es danach weiter?

Was der Stadtrat heute beschließt – Interimsstadion am Flughafen?

Wird der vorliegende Beschlussvorschlag angenommen, legt der Stadtrat die wesentlichen Leitplanken für die weitere Ausarbeitung der Vorzugsvariante fest. Das Ziel: Bis Jahresende soll eine europaweite Ausschreibung des Mega-Projekts erfolgen. Gesucht wird ein Totalübernehmer, also ein Unternehmen, das alle Leistungen rund um die abschließende Planung und den Bau übernimmt.

Pikant: Die Entscheidungsvorlage sieht unter Punkt 3 vor, ein temporäres Interimsstadion im Nürnberger Stadtgebiet ausdrücklich „nicht weiter zu verfolgen“. Die CSU-Fraktion im Stadtrat will das mit einem kurzfristigen Antrag verhindern und fordert, dass auch geeignete Grundstücke innerhalb der Stadtgrenzen von der Verwaltung weiter zu prüfen sind. Die Fraktion bringt dabei den Flughafen als möglichen Standort für ein Interimsstadion ins Spiel. Das Zeppelinfeld habe für die CSU-Fraktion dagegen „keine Priorität“ als Standort.

Wo spielt der FCN während des Umbaus?

Wo der FCN während des Umbaus spielt, bleibt auch nach der Stadtratssitzung offen. Stand heute ist der Plan Bauen im Bestand, also ein Umbau im laufenden Betrieb. „Die Bauphase wird anspruchsvoll sein, egal ob im Bestand oder nicht. Aus Erfahrung weiß ich, dass besonders Bauen im Bestand kein Zuckerschlecken ist“, sagt Heim, der in seiner Zeit beim VfB Stuttgart unter anderem den Umbau der MHP Arena verantwortete. Die Präferenz des Clubs ist ohnehin eine andere: „Wir wollen in einem temporären Ausweichstadion spielen“, sagt Heim.

Ein geeignetes, bereits bestehendes Stadion zum Ausweichen gibt es im Stadtgebiet nicht – und ob eine Fläche für den zeitweisen Aufbau eines Interimsstadions gefunden werden kann, ist politisch umstritten, wie auch der CSU-Antrag zeigt. Deshalb hat der Club seinen Blick inzwischen auch in die umliegende Region gerichtet. Der FCN prüft derzeit Standorte für ein Interimsstadion in Roth und Ansbach. „Wir haben gemeinsam mit der Stadt mögliche Standorte geprüft, aber es wurde keiner gefunden, der alle Voraussetzungen erfüllt. Deshalb suchen wir, mit dem Einverständnis der Stadt, nun nach passenden Flächen in den angrenzenden Landkreisen“, erklärt Heim auf Nachfrage unserer Redaktion.

Das sind die Pläne für das neue FCN-Stadion in Nürnberg

Modern, wirtschaftlich und international konkurrenzfähig – so soll das neue Max-Morlock-Stadion einmal werden, als Heimat des FCN, aber auch als Austragungsort für Kulturveranstaltungen und große Events. Als umlaufende Zweirangtribüne geplant, soll es rund 50.000 Zuschauerinnen und Zuschauern Platz bieten. Bei internationalen Spielen sollen rund 40.000 Sitzplätze zur Verfügung stehen – eine Kapazität, die Nürnberg auch für große Turniere attraktiv machen soll. Die Plätze für Rollstuhlfahrende sollen von 90 auf 250 erhöht werden.

Laut Auskunft des Vereins sollen auf Ober- und Unterrang der Nordkurve bei Heimspielen des Clubs rund 15.200 Stehplätze entstehen. Fanräume, ein Vereinsmuseum und Flächen für die Geschäftsstelle sind in den Planungen ebenso enthalten wie ein großer Vorplatz vor der Nordkurve. Auf der Haupttribüne sollen rund 3000 VIP-Plätze entstehen – die auf 3500 erweitert werden könnten.

Die Laufbahn entfällt. „Wir haben eine bessere Sicht von fast allen Plätzen. Wir haben deutlich mehr Komfort für die Fans, durch bessere Laufwege, mehr Kioske und Toiletten“, sagte der verantwortliche Bürgermeister Andreas Krieglstein Anfang des Monats bei der Präsentation der Vorzugsvariante im Rathaus. Die denkmalgeschützte Fassade der Haupttribüne und die prägende Achteckform sollen erhalten bleiben und in das neue Konzept integriert werden. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege trägt die Vorzugsvariante mit.

Vollumbau Max-Morlock-Stadion: So geht es weiter

Wie geht es nach dem heutigen Beschluss weiter? Bei grünem Licht wird die Verwaltung die Vorzugsvariante im zweiten Halbjahr 2026 weiter ausarbeiten und in eine Funktionale Leistungsbeschreibung überführen – die Grundlage für die europaweite Ausschreibung.

Die Frage, wo der FCN während der Bauzeit spielt, wird den Sommer über offen bleiben. Der Club wird die Standorte in Roth und Ansbach weiter prüfen – und macht damit auch Druck auf die Stadt Nürnberg, die ihrerseits mit Zeppelinfeld und Flughafen zumindest diskutable Optionen hätte. Der nächste große Meilenstein ist für den 16. Dezember 2026 geplant: Dann kommt erneut der Stadtrat zusammen und soll die Vergabe für eines der größten Bauprojekte der Stadt auf den Weg bringen.