Nürnberg - Der 1. FC Nürnberg soll ein neues Stadion bekommen. Es könnte eines der teuersten Stadionprojekte in der Geschichte der Bundesrepublik werden. Wir haben alle wichtigen Details, Zahlen und Zitate zusammengefasst.

Nachdem es in den letzten Monaten vergleichsweise ruhig geworden war um das Max-Morlock-Stadion und den langersehnten Umbau oder gar Neubau, ging jetzt alles ganz schnell. Ende Juni informierte das Stuttgarter Planungsbüro asp den Stadion-Werkausschuss des Stadtrats über die möglichen Varianten, wie ein Vollumbau gelingen kann und welche Optionen realistisch sind. Eine Woche später war nun die Presse in den großen Sitzungssaal im Rathaus eingeladen. Bereits im Vorfeld wurde gemunkelt, dass sich ein Besuch am Fünferplatz lohnen könnte, und so war es dann auch. Die Stadt hat ihre Vorzugsvariante ausgemacht und am Freitag medienwirksam vorgestellt. Wird die favorisierte Variante realisiert, könnte es eines der teuersten Stadionprojekte in der Geschichte der Bundesrepublik werden.

Modern und zukunftsfähig soll es sein, das neue Achteck. Das künftige Stadion soll als umlaufende Zweirangtribüne aufgebaut werden und rund 50.000 Zuschauerinnen und Zuschauern Platz bieten. Bei internationalen Spielen sollen mehr als 40.000 Sitzplätze zur Verfügung stehen – eine Kapazität, die Nürnberg auch für große internationale Turniere attraktiv machen soll. „Wenn die WM-Vergabe bedeutet, Deutschland wird Austragungsland, dann sollte Nürnberg mit dabei sein“, sagte Krieglstein. Die Stadt habe aus den Erfahrungen von 2024 gelernt, als Nürnberg in vielen Bewertungskategorien zu den Top-Städten in Deutschland gehörte, aber aufgrund des Stadions keinen Zuschlag als Austragungsort der Heim-EM erhalten hatte.

Die Laufbahn entfällt. Die Tribünen rücken dadurch deutlich näher ans Spielfeld. „Wir haben keine Laufbahn mehr. Wir haben eine bessere Sicht von fast allen Plätzen. Wir haben deutlich mehr Komfort für die Fans, durch bessere Laufwege, mehr Kioske und Toiletten“, fasste Krieglstein zusammen. Die Nordkurve soll nach aktuellem Planungsstand etwa 15.200 Stehplätze auf Ober- und Unterrang erhalten, im Gästebereich sind circa 2.800 Stehplätze vorgesehen.

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Nicht das endgültige Stadion, aber eine erste Visualisierung: Das Achteck wird beibehalten und die Nordkurve vereint. Stehplätze soll es im Ober- und im Unterrang geben. Die Gästefans versammeln sich in der Südkurve ebenfalls hinter dem Tor. © Stadt Nürnberg

Das neue Achteck soll künftig noch stärker zur Heimat des 1. FC Nürnberg werden. Geplant sind eigene Fanräume – etwa zur Lagerung von Fahnen – sowie ein Club-Museum, eine Fanzone vor der Nordkurve und Flächen für die Geschäftsstelle des Clubs. „Das Stadion muss eine Seele haben, deshalb müssen die Fans eingebunden werden“, sagte Stefan Heim, der am Freitag als Vertreter und Sprecher des FCN vor Ort war und beim Club als Finanzvorstand fungiert. Der neue VIP-Bereich soll auf der Haupttribüne entstehen und Platz für bis zu 3500 Personen bieten. Der neue Businessbereich soll nicht nur an Spieltagen Umsätze generieren, sondern auch unter der Woche.

„Wir sind der Stadt sehr dankbar, dass unsere Fans aktiv in die Gestaltung ihrer neuen Heimat eingebunden wurden. Gleichzeitig eröffnet die Vorzugsvariante Möglichkeiten für Nutzungen, die weit über den Fußball hinaus einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen. Deshalb sind wir überzeugt, dass dieses Projekt ein großer Gewinn für Nürnberg, die Region und den 1. FC Nürnberg sein wird“, sagte Heim.

Teurere Varianten ausgeschlossen – Mantelbebauung wird abgespeckt

Viele ursprünglich diskutierte Themen und Wünsche rund um eine Mantelbebauung werden in der Vorzugsvariante nicht mehr berücksichtigt. Einzelhandel, Kita, Hotel, eine Sporthalle und ein unterirdisches Parkhaus fallen aus der weiteren Planung raus. Die Investitionen seien bewusst auf die Funktionen konzentriert worden, die für den künftigen Stadionbetrieb den größten Mehrwert schaffen. Gleichzeitig werden prägende Elemente des heutigen Stadions aufgegriffen. Der Erhalt der denkmalgeschützten Stadionwand ist ausdrücklich Bestandteil der Planung. Das Stadion soll zudem ganzjährig nutzbar sein – für Tagungen, Großkonzerte und weitere Veranstaltungen.

Auch beim Thema Nachhaltigkeit setzt die Vorzugsvariante klare Schwerpunkte: Der Erhalt bestehender Bausubstanz, ressourcenschonende Baustoffe, Fernwärme, Regenwassernutzung und moderne Gebäudetechnik sind ebenso Teil der Planung wie eine verbesserte Barrierefreiheit und eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und den Radverkehr. „Ein Stadion dieser Größenordnung muss heute mehr leisten, als alle zwei Wochen Fußball zu ermöglichen. Es muss wirtschaftlich funktionieren, ganzjährig genutzt werden können und den Menschen in Nürnberg dauerhaft einen Mehrwert bieten. Genau auf diese Ziele haben wir die Planung konsequent ausgerichtet“, sagte Krieglstein.

Meilenstein, Budget und Zeitplan: Was bisher bekannt ist

Die Vorzugsvariante soll im vorgesehenen Kostenrahmen von 260 bis 280 Millionen Euro liegen. „Ich werde großen Wert darauf legen, dass das Stadion kein Zuschussprojekt der Stadt Nürnberg wird“, machte Krieglstein deutlich. Im nächsten Schritt wird ein konkreter Businessplan erstellt, der die wirtschaftlichen Perspektiven des neuen Stadions aufzeigen soll – auch fernab des Fußballs. Der Bau des neuen Stadions soll, wenn alles nach Plan läuft, bis 2031/2032 abgeschlossen sein.

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Atmosphäre im Mittelpunkt: Diese Grafik zeigt, was das neue Achteck den Fans bringen soll. © Elia Hupfer

„Mit der Vorplanung haben wir aus vielen Ideen und Zielsetzungen ein konkretes Zukunftsbild entwickelt“, sagte Krieglstein. „Die Empfehlung der Planer zeigt, dass wir innerhalb des vorgesehenen Kostenrahmens ein Stadion bauen können, das den Fans ein besseres Erlebnis bietet, wirtschaftlich leistungsfähiger ist und gleichzeitig seine Identität bewahrt. Das ist ein ganz wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu unserem neuen Achteck.“

Kommt das Interimsstadion?

Wo der 1. FC Nürnberg während der Bauzeit spielen soll, ist noch nicht geklärt. Ein Umbau in mehreren Phasen während des Spielbetriebs ist genauso denkbar wie ein Komplettabriss mit Ausweichspielstätte. Am Freitag erwähnten die Redner am Rathauspult mehrfach, dass ein kompletter Abriss und ein Bau mit möglichst wenigen Phasen die kostengünstigste Variante wäre. Dazu bräuchte der FCN allerdings eine geeignete Ausweichspielstätte. Eine dauerhafte Lösung im Stadtgebiet kommt laut Krieglstein nicht infrage – für einen möglichen Interimsbau wurden jedoch vier Standorte ausgemacht.

„Die Bauphase wird uns alle vor große Herausforderungen stellen“, sagte Heim. Der Grundsatz laute „Bauen im Bestand“. Beim Club sei man froh, dass die Stadt dem Verein die Möglichkeit gebe, eine Ausweichspielstätte zu prüfen. Der FCN suche „mit Hochdruck“ nach Lösungen. Diese müssten nicht zwingend im Stadtgebiet liegen; auch geeignete Flächen im Umland kämen infrage. „Es wäre natürlich schön, wenn wir nicht mehrere Jahre in einer Baustelle spielen müssten“, so Heim. Weiterhin denkbar ist ein Interimsbau für einen Zeitraum von drei bis vier Jahren. Ob ein solcher Bau für den FCN finanziell darstellbar wäre, konnte der Club am Freitag noch nicht beantworten. Mit der DFL stehe man diesbezüglich bereits im Austausch. Klar ist jedoch: Ein Umzug auf eine Ausweichspielstätte würde die Bauzeit erheblich verkürzen und damit auch die Gesamtkosten senken.

Wie geht es weiter?

Wie bislang angenommen: Das Max-Morlock-Stadion wird im Eigentum der Stadt Nürnberg bleiben. Der bisherige Eigenbetrieb wird in ein Kommunalunternehmen umgewandelt – ebenfalls zu 100 Prozent im Besitz der Stadt. Dadurch sollen die Finanzierungsmöglichkeiten erweitert und vereinfacht werden. Der 1. FC Nürnberg wird Pächter und keine Anteile am Stadion erwerben.

Noch vor der Sommerpause, am 22. Juli, wird der Stadtrat über die Vorzugsvariante beraten. Fasst der Stadtrat den Beschluss, was als erwartbar gilt, soll das Planungsbüro asp die ausgewählte Variante weiter vertiefen und die Kosten detailliert ermitteln. Parallel dazu wird die Stadt einen Businessplan erstellen. Im Dezember will die Stadt dann eine europaweite Ausschreibung starten und einen Totalübernehmer ermitteln, also ein Unternehmen, das alle Leistungen rund um die abschließende Planung und den Bau selbst übernimmt. Für den FCN das Best-Case-Szenario: im Sommer 2031 den Saisonauftakt im neuen Stadion zu feiern.