Nürnberg/Roth/Ansbach - Noch gut zwei Jahre bis zum geplanten Abriss des Max-Morlock-Stadions – doch die Frage, wo der FCN während der Bauzeit spielt, ist alles andere als geklärt. Erste Städte bieten Grundstücke für ein Interimsstadion an.

Wo soll der 1. FC Nürnberg spielen, während das Max-Morlock-Stadion abgerissen und neu gebaut wird? Knapp zwei Jahre vor dem geplanten Baubeginn nimmt die Suche nach einer Antwort an Fahrt auf. Erste Städte aus dem Nürnberger Umland melden sich und bieten Grundstücke an, auf denen ein Interimsstadion errichtet werden könnte.

Stand heute ist der Plan nach wie vor Bauen im Bestand. Die Formulierung aus dem Bauwesen und der Stadtplanung meint schlicht, dass das Stadion in mehreren Bauphasen abgerissen und neu gebaut wird. Der Club spielt währenddessen auf einer Baustelle. Bilder, die Fans aus Karlsruhe und Kiel kennen.

Ein kompletter Abriss und Neubau wären die deutlich kostengünstigere Variante und noch dazu würde sich der Club den Stimmungskiller – in Baustellenambiente kicken zu müssen – sparen. „Es wäre natürlich schön, wenn wir nicht mehrere Jahre in einer Baustelle spielen müssten“, betonte Finanzvorstand Stefan Heim bei der Vorstellung der Vorzugsvariante im Rathaus Anfang Juli. Der FCN bevorzugt ein Interimsstadion – und sucht inzwischen auf Hochtouren nach einem geeigneten Standort.

Ein Interimsbau im Stadtgebiet wäre zwar grundsätzlich denkbar, scheitert aber aus mehreren Gründen. Auf städtischen Flächen wären aufwendige Genehmigungsverfahren nötig – und das Zeitfenster dafür ist eng: Das Interim muss stehen, bevor der Bagger ins Achteck rollt. Bei Standorten im Stadtgebiet, die nicht der Stadt gehören, kommen weitere individuelle Problematiken hinzu: Wie ist die Anwohnersituation mit Blick auf die Lärmbelastung? Spielt der Eigentümer mit? Und was würde an Miete fällig?

Interimsstadion für den FCN: Roth und Ansbach bieten sich an

Auf den Aufruf von Finanzvorstand Heim, Bürgermeister aus der Region mit geeigneten Standorten mögen sich beim Club melden, hat Andreas Buckreus reagiert. Der Bürgermeister der Stadt Roth hat das ehemalige Leoni-Gelände ins Gespräch gebracht, wie nn.de zuerst berichtete. Auf den rund 100.000 Quadratmetern ließe sich ein Interimsstadion für 25.000 Zuschauer errichten. Der Standort punktet mit unmittelbarer Bahnhofsnähe und S-Bahn-Anbindung, zudem sind die A6, die A9 und die B2 angebunden. Erste Gespräche zwischen Verein und Stadt haben bereits stattgefunden.

Neben Roth soll auch Ansbach Interesse angemeldet haben. Hier wird das ehemalige Messegelände als möglicher Standort geprüft. Ein Termin vor Ort mit Vertretern von Stadt und Verein ist geplant.

Dass sich Städte aus dem Nürnberger Umland in Position bringen, kommt dabei wenig überraschend. Erst im November hatte eine Studie im Auftrag der Stadt Nürnberg und des FCN gezeigt, welchen wirtschaftlichen Nutzen der Verein und das Max-Morlock-Stadion für Nürnberg und die Region bringen. Das Ergebnis: 178,2 Millionen Euro pro Saison – besonders Hotels und Restaurants in der Stadt profitieren davon.

Ein kompletter Umzug in ein bestehendes Stadion einer anderen Stadt ist zwar nicht die Wunschlösung, aber auch nicht vollständig vom Tisch. Da der Club der DFL ohnehin ein Ausweichstadion für die Bauzeit nennen muss, hat man in diesem Zuge auch angefragt, ob dort theoretisch ein regulärer Spielbetrieb über die gesamte Bauzeit möglich wäre. Dieses Abfrageverfahren läuft derzeit noch.

Was am 22. Juli im Stadtrat entschieden wird

Am 22. Juli entscheidet der Nürnberger Stadtrat über die Vorzugsvariante – also darüber, wie das Stadion künftig aussehen soll. Geht der Beschlussvorschlag durch, wird die Verwaltung explizit beauftragt, „gemeinsam mit dem 1. FC Nürnberg die Möglichkeit eines Ausweichstadions außerhalb des Nürnberger Stadtgebiets zu prüfen“, wie aus der öffentlich einsehbaren Beschlussvorlage hervorgeht.

Bei einem positiven Votum wird eine Funktionale Leistungsbeschreibung erarbeitet – die Grundlage für die europaweite Ausschreibung. Die Frage, ob der FCN auf der Baustelle, im Interim oder in einem bestehenden Stadion spielt, wird am 22. Juli nicht geklärt. Die Suche nach einer Antwort wird Verein und Fans den Sommer über weiter beschäftigen.