
Am Mittwoch entscheidet der Nürnberger Stadtrat über die Vorzugsvariante für das neue Max-Morlock-Stadion. Eine mehrheitliche Zustimmung im Stadtrat gilt als wahrscheinlich – und beim 1. FC Nürnberg würde man sich über ein Go aus der Politik freuen. „Wir sind sehr glücklich mit der Vorzugsvariante, da steckt sehr viel Club drin“, sagt FCN-Finanzvorstand Stefan Heim. Dass das geplante Parkhaus gestrichen wurde, sei der „einzige Wermutstropfen“. Dadurch entfielen auch zusätzliche VIP-Parkplätze. „Das ist aber etwas, das sich später nachrüsten lässt“, so Heim.
Bauen im Bestand ist „kein Zuckerschlecken“
Was der Stadtrat morgen nicht entscheidet, ist die Frage, wo der FCN während des Umbaus spielt. Stand heute ist Bauen im Bestand der Plan – also ein Umbau im laufenden Spielbetrieb. Heim kennt das aus eigener Erfahrung: „Die Bauphase wird anspruchsvoll sein, egal ob im Bestand oder nicht. Aus Erfahrung weiß ich, dass besonders Bauen im Bestand kein Zuckerschlecken ist“, sagt der Finanzvorstand, der in seiner Zeit beim VfB Stuttgart unter anderem den Umbau der MHP Arena verantwortete. Die Präferenz des Clubs ist klar: „Wir wollen in einem temporären Ausweichstadion spielen.“
Standorte im Nürnberger Stadtgebiet hätten sich nach bisheriger Prüfung als wenig aussichtsreich erwiesen. Die Entscheidungsvorlage für die Stadtratssitzung sieht unter Punkt 3 deshalb vor, ein temporäres Interimsstadion im Nürnberger Stadtgebiet ausdrücklich „nicht weiter zu verfolgen“. Der Blick richte sich deshalb in die Region. „Wir haben gemeinsam mit der Stadt mögliche Standorte geprüft, aber es wurde keiner gefunden, der alle Voraussetzungen erfüllt. Deshalb suchen wir, mit dem Einverständnis der Stadt, nun nach passenden Flächen in den angrenzenden Landkreisen“, erklärt Heim. Derzeit werden Standorte für ein Interimsstadion in Roth und Ansbach geprüft.
Warum zahlt der FCN für ein Stadion, das ihm nicht gehört?
Eine Frage, die Fans seit der Vorstellung der Vorzugsvariante Anfang Juli beschäftigt: Warum beteiligt sich der FCN finanziell am Stadionumbau, obwohl er keine Eigentumsanteile erhält? Bürgermeister Andreas Krieglstein hatte bei der Präsentation im Rathaus klargestellt, dass das Max-Morlock-Stadion auch nach dem Vollumbau zu 100 Prozent im Eigentum der Stadt Nürnberg bleiben werde.
Die Antwort des Clubs: Eigentum und wirtschaftlicher Nutzen seien zwei unterschiedliche Dinge. Ein modernes Stadion sei für den FCN die entscheidende Infrastrukturmaßnahme, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Zusätzliche Erlöse aus Hospitality, Veranstaltungen und weiteren Nutzungen stärkten die wirtschaftliche Basis des Vereins – unabhängig davon, wem das Stadion gehöre. Ziel des Clubs sei es deshalb, den Betrieb des neuen Stadions zu übernehmen: Aus Sicht des Vereins müsse der Hauptnutzer auch Betreiber sein, damit die maximalen wirtschaftlichen Effekte zum Tragen kommen könnten.
„Es herrschte von Anfang an Einigkeit, dass sich der Club finanziell beteiligen soll und keine rechtliche Eigentümerschaft am Stadion erlangt“, sagt Heim. Die Stadt sehe an diesem historischen Ort keine Fremdeigentümer vor und erhalte als alleiniger Kreditnehmer zudem die günstigsten Finanzierungskonditionen. Im Verein habe man allerdings nach der Vorstellung anhand der Fan-Reaktionen festgestellt, dass man diese Information bislang öffentlich nicht deutlich genug kommuniziert habe.
Stadiongroschen bleibt
Die finanzielle Beteiligung bleibt bestehen und mit ihr auch der Stadiongroschen, den Fans seit der vergangenen Saison bei jedem Heimspiel zahlen. Knapp 700.000 Euro sind laut Verein bislang durch den Groschen eingenommen worden. Die Einnahmen sollen dabei ausschließlich zweckgebunden in das Stadionprojekt fließen – Fans zahlen also weiterhin heute für das Stadion von morgen. Und das soll am Mittwoch einen entscheidenden Schritt näherkommen: Stimmt der Stadtrat zu, ist die Richtung klar – ein modernes, wirtschaftlich sowie international konkurrenzfähiges Max-Morlock-Stadion und im besten Fall die Einweihung des neuen Achtecks zur Saison 2031/2032.

