
Die Leipziger Buchmesse ist nicht nur ein riesiges Literaturfestival, bei dem vor allem der Publikumsverkehr im Vordergrund steht. Im Rahmen der Messe wird auch jährlich der Preis der Leipziger Buchmesse vergeben, der mit insgesamt 60.000 Euro dotiert ist.
Das Preisgeld geht an die Nominierten, vorrangig aber natürlich an die Gewinnerinnen und Gewinner in den jeweiligen Kategorien Belletristik, Sachbuch und Übersetzung. Die Liste der Nominierten für den Leipziger Buchpreis wurde wie immer bereits im Vorfeld bekanntgegeben.
Der Leipziger Buchpreis 2026: Belletristik-Preis für „Goldstrand“
Odessa, ein bulgarischer Schwarzmeerort und ein Regisseur in Rom auf der Couch: Katerina Poladjan rauscht durch Europa - und hat dafür den Preis der Leipziger Buchmesse gewonnen. Die 1971 in Moskau geborene Autorin wurde für ihr Buch „Goldstrand“ ausgezeichnet, wie die Jury bekanntgab. Es ist ihr fünfter Roman.
Poladjan schickt die Leserinnen und Leser darin auf nur 160 Seiten auf eine Reise von Odessa über Rom bis zum titelgebenden sozialistischen Ferienort Goldstrand in Bulgarien. Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Regisseur Eli, der auf der Couch einer „Dottoressa“, einer rätselhaften Analytikerin, auf sein Leben schaut. Daraus entspinnt sich in teils absurden Dialogen eine Geschichte des 20. Jahrhunderts und seiner Verwerfungen in Europa.
„Meisterlich führt Katerina Poladjan vor, wie eine Biografie aus Selbstbefragung und Erfindung entsteht, aus Fabulieren und dem Umschiffen von Schmerz“, begründete die Jury die Auswahl. Sie bescheinigte der Autorin zudem eine leichte und zugleich abgründige Sprache.
„Goldstrand“: Von der Kindheitserinnerung zur Romankulisse
Katerina Poladjan kennt die Orte, von denen sie in „Goldstrand“ schreibt, aus dem eigenen Erleben. Als Kind reiste sie mit ihrer Familie Ende der 1970er Jahre aus der Sowjetunion in den Westen aus, lebte zunächst in Rom, später in Deutschland.
Ihre Großmutter sei damals nicht mitgekommen, erzählte Poladjan. „Und da es in der Sowjetunion keinen Individualtourismus gab, mussten wir uns sehr konspirativ immer an diesem Goldstrand in Bulgarien treffen.“ Fast ihre gesamten Ferien habe sie dort verbracht.
Vom Brutalismus in den Turbokapitalismus: Recherchereise für „Goldstrand“ in die eigene Vergangenheit
Zur Recherche für den Roman sei sie nun wieder an den Goldstrand gereist. Die brutalistischen Hotels aus sozialistischen Zeiten seien in der turbokapitalistischen Verwirrung der 90er Jahre abgerissen und durch quietschbunte Bauten ersetzt worden. „Und das wiederum bröckelt jetzt auch. Und das war für mich auch eine Frage, also rein auf der Ebene der Architektur: Welche Vision einer Zukunft haben wir eigentlich noch?“
Poladjan war bereits zum zweiten Mal für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Schon 2022 hatte sie mit „Zukunftsmusik“ auf der Shortlist gestanden.
Leipziger Buchpreis 2026: Sachbuch und Übersetzung
Der Preis der Leipziger Buchmesse wird in den drei Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzungen vergeben. Die Sieger erhalten je Kategorie ein Preisgeld von 15.000 Euro. In diesem Jahr hatten 177 Verlage 485 Werke eingereicht.
Am meisten Beachtung findet dabei die Kategorie Belletristik. Doch auch die anderen Bereiche sind wie jedes Jahr spannend. Denn natürlich gab es hier einige Kandidatinnen und Kandidaten, denen große Chancen zugesprochen wurden.
So war beispielweise Ulli Lust nominiert. Im vergangenen Jahr gewann sie den Deutschen Sachbuchpreis, „Die Frau als Mensch“ wurde zudem zum besten Comic des Jahres 2025 gekürt. Oder etwa Timea Tankó deren Arbeit erst kürzlich von einer Literaturnobelpreisträgerin gelobt wurde.
Das Rennen gemacht haben aber tatsächlich andere.
In der Sachbuch-Sparte setzte sich Marie-Janine Calic mit ihrem Buch „Balkan-Odyssee,1933–1941. Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa“ durch. Darin erzählt sie die weniger bekannte Geschichte von Künstlern und Kulturschaffenden, die zur Nazizeit auf dem Balkan Unterschlupf suchten und fanden.
Last, but not least: Die Kategorie Übersetzung. Eine gelungene Übersetzung, in der die Essenz eines Werkes nicht verloren geht, ist eine herausragende literarische Leistung. Für den Preis der Leipziger Buchmesse wurde 2026 Manfred Gmeiner für seine Übertragung des Romans „Unten leben“ von Gustavo Faverón Patriau aus dem Spanischen ins Deutsche geehrt.





