
Die größte Buchmesse der Welt findet jährlich, etwa Mitte Oktober, in Frankfurt statt. Dabei wird der Deutsche Buchpreis vergeben, der viel Beachtung in der Branche findet und die nominierten Titel auf der Shortlist in aller Regel auf die SPIEGEL-Bestsellerliste katapultiert.
Doch es gibt noch eine andere, große Buchmesse in Deutschland. Die Leipziger Buchmesse ist die zweitgrößte ihrer Art in Deutschland. Sie findet immer im Frühjahr statt und markiert den ersten, wichtigenJahrestermin der Branche.
Obwohl die Leipziger Buchmesse kleiner ist als das Pendant in Frankfurt, ist sie für Leserinnen und Leser doch interessanter. Denn anders als die Buchmesse in Frankfurt, die eher branchenorientiert ausgelegt ist, steht beim Literaturfestival in Leipzig die Publikumsmesse im Vordergrund.
Begleitend zur Leipziger Buchmesse gibt es eine Manga-Comic-Convention, diverse Programmpunkte auch für Kinder und Jugendliche und „Leipzig liest“, Europas größtem Lesefest, im Zuge dessen die gesamte Stadt zu einer Lesebühne wird.
Und natürlich gibt es auch den „Preis der Leipziger Buchmesse“. In drei Kategorien werden insgesamt 60 000 Euro Preisgeld vergeben, der Preis gilt als besondere Auszeichnung für seine Trägerinnen und Träger. 2025 gewann Kristine Bilkau mit „Halbinsel“ in der Kategorie Belletristik.
Der Preis der Leipziger Buchmesse: Die Nominierten 2026
Die siebenköpfige Jury soll für ein vielfältiges Meinungsbild bei der Vergabe des Preises sorgen. Es gibt drei Kategorien: Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung. Das Ziel ist es, ein Abbild preiswürdiger Gegenwartsliteratur zu erzeugen.
Die ersten Plätze der Kategorien erhalten mit ihrer Auszeichnung ein Preisgeld von 15 000 Euro, die weiteren Nominierten gewinnen 1 000 Euro. Das summiert sich auf insgesamt 60 000 Euro, womit der Preis der Leipziger Buchmesse sogar deutlich höher dotiert ist als der Deutsche Buchpreis (insgesamt 37 500 Euro).
Der Preis der Leipziger Buchmesse 2026: Die Nominierten in der Kategorie Belletristik
- Anja Kampmann: „Die Wut ist ein heller Stern“ (Hanser)
Die Leipziger Autorin liefert mit ihrem Buch einen Roman über die Reeperbahn in der NS-Zeit.
- Norbert Gstrein: „Im ersten Licht“ (Hanser)
Der Autor aus Österreich umreißt in seinem Roman zwei Weltkriege und ein ganzes Jahrhundert.
- Katerina Poladjan: „Goldstrand“ (S. Fischer)
Katerina Poladjan navigiert mit großer Leichtigkeit zwischen Kulturen und Zeiten, ihr Roman lädt zum Staunen ein.
- Helene Bukowski: „Wer möchte nicht am Leben bleiben“ (Claassen)
Der Titel dieses Romans, der existenziell berührt, stellt bereits eine Frage, die sich schon viele gestellt haben.
- Elli Unruh: „Fische im Trüben“ (Transit)
Ein Literaturdebüt unter den Nominierten ist bereits in sich eine Leistung. Es ist ein Buch, das Erinnerungen bewahrt.
Der Preis der Leipziger Buchmesse 2026: Die Nominierten in der Kategorie Sachbuch/Essayistik
Anders als in der Kategorie Belletristik sprechen die Titel der nominierten Sachbücher für sich.
- Ines Geipel: „Landschaft ohne Zeugen. Buchenwald und der Riss der Erinnerung“ (S. Fischer)
- Marie-Janine Calic: „Balkan-Odyssee, 1933–1941. Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa“ (C.H. Beck)
- Jan Jekal: „Paranoia in Hollywood. Wie die USA exilierte Künstler erst retteten und dann verfolgten. 1941–1953“ (Matthes & Seitz)
- Ulli Lust: „Die Frau als Mensch: Schamaninnen“ (Reprodukt)
- Manfred Pfister: „Englische Renaissance“ (Galiani Berlin)
Der Preis der Leipziger Buchmesse 2026: Die Nominierten in der Kategorie Übersetzung
- Timea Tankó: „Die Aussiedlung“ von András Visky (Suhrkamp, aus dem Ungarischen)
Timea Tankó hat bereits 2021 den Preis der Leipziger Buchmesse gewonnen, jetzt steht sie mit ihrer Übersetzung dieses Romans über Aussiedlung und Entwurzelung erneut in der engeren Auswahl.
- Tina Flecken: „Eden“ von Auður Ava Ólafsdóttir (Insel, aus dem Isländischen)
Dieser Roman zieht seine Leserinnen und Leser in eine Welt, die einen nicht mehr so leicht loslässt.
- Ulrich Faure: „Das Lied von Storch und Dromedar“ von Anjet Daanje (Friedenauer Presse, aus dem Niederländischen)
Literatur als Entdeckungsreise - schon der Titel steckt voller Poesie, das Buch zeigt, wie reich die niederländische Literatur ist. Die Übersetzung ins Deutsche an sich war bereits ein Wagnis.
- Manfred Gmeiner: „Unten leben“ von Gustavo Faverón Patriau (Droschl, aus dem Spanischen)
Ein Buch für alle, die sich trauen, in eine fremde und unbequeme Welt einzutauchen.
- Petra Zickmann: „Ich gab dir Augen, und du blicktest in die Finsternis“ von Irene Solà (S. Fischer, aus dem Katalanischen)
Der Inhalt dieses Buchs soll so fesselnd sein, wie sein Titel verspricht. Den Inhalt aus dem Katalanischen ins Deutsche zu übertragen, ist als literarische Leistung anzusehen.
Was sagen uns die Nominierungen für den Preis der Leipziger Buchmesse 2026?
Auffallend hoch ist die Frauendichte unter den nominierten Titeln in der Kategorie Belletristik. Gleichzeitig behandeln sie vielfältige Themen. Klare Favoriten gibt es natürlich noch nicht. Doch gerade neue literarische Stimmen mit starkem historischen oder gesellschaftlichem Bezug haben oft die Nase vorn, was für Helene Bukowski und Elli Unruh sprechen würde.
Die Kategorie Sachbuch/Essayistik stellt politische und gesellschaftliche Themen in den Vordergrund. Ulli Lust hat ein ganz eigenes Genre für sich geschaffen, ihr Steinzeit-Comic „Die Frau als Mensch“ wurde im vergangenen Jahr mit dem Deutschen Sachbuchpreis ausgezeichnet und wurde zum besten Comic des Jahres 2025 gekürt. Nun ist die Fortsetzung für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Ob sie das zur Favoritin macht, ist allerdings eine andere Frage.
Auch die Kategorie Übersetzung sollte man nicht vergessen. Eine gelungene Übersetzung, in der die Essenz eines Werkes nicht verloren geht, ist eine herausragende literarische Leistung. Ulrich Faure gilt schon seit Jahren als einer der versiertesten Übersetzer niederländischer Texte, seine Chancen stehen nicht schlecht. Andererseits wurde die jüngste Übersetzung von Timea Tankó erst kürzlich von niemand anderem als Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller gelobt.
Es bleibt also in allen Kategorien spannend.


