Nürnberg - Was sind die besten Comics des Jahres 2025? Eine Jury hat jetzt eine Top 10 gekürt.

Die besten Comics des Jahres - diese Bewertung darf sich sehen lassen. Und wer jetzt nur Bildergeschichten für Kinder erwartet, ist definitiv auf dem falschen Dampfer. Denn ein Comic ist im Grunde nur ein Medium, wie es ein Hörbuch, ein geschriebener Text oder ein Film auch sind. Und dieses Medium kann alle möglichen Inhalte transportieren.

Die Auswahl an Comics ist dementsprechend groß. Die besten Comics des Jahres zu küren, ist dementsprechend schwierig, schließlich stützt man sich dabei nicht auf nackte Daten wie Verkaufszahlen, wie das etwa die Jahresbestsellerliste des SPIEGEL macht.

Es braucht also eine unabhängige Jury. Die besteht in diesem Fall aus 30 deutschsprachigen Journalistinnen und Journalisten, die alle drei Monate die besten neuen Comic-Veröffentlichungen bewerten. Die Ergebnisse werden in Kooperation von Tagesspiegel, BuchMarkt, Comic.de und dem RBB-Sender Radio 3 veröffentlicht.

Und diese Jury hat nun auch eine Jahresbestenliste für 2025 herausgegeben, kumuliert aus den Quartalslisten. Was dabei sofort auffällt: Comic-Giganten wie Marvel oder DC haben darin keinen Platz.

Die besten Comics des Jahres 2025: Preisträgerin an der Spitze

Die Top 3 setzen sich aus zwei deutschen und einer belgischen Produktion zusammen.

Platz 3: "Sonntag" von Olivier Schrauwen

Auf Rang 3 landet der in Berlin lebende Belgier Olivier Schrauwen mit „Sonntag“. Sechs Jahre hat er an diesem 472 Seiten starken Bildwerk gearbeitet. Minutiös stellt Schrauwen daran einen einzelnen Tag im Leben seines Protagonisten nach. Obwohl diese Hauptfigur ziemlich unsympathisch und grobschlächtig ankommt, ist das Buch außergewöhnlich witzig, klug und unterhaltsam. Zudem spielt der Autor mit den Grenzen und Möglichkeiten der Kunstform Comic.

„Sonntag“

von Olivier Schrauwen

  • übersetzt von Christoph Schuler in Kollaboration mit Colorama
  • 472 Seiten
  • Edition Moderne
  • ISBN: 978-3-03731-276-6
  • 45 Euro

Platz 2: "Schweigen" von Birgit Weyhe

Der zweite Platz geht an eine deutsche Produktion: „Schweigen“ von Brigit Weyhe. Die vielfach prämierte Hamburger Comicautorin liefert mit ihrem Buch eine Aufarbeitung der Verbrechen der Militärdiktatur in Argentinien, die auch 40 Jahre später kaum juristisch geahndet wurden. Auch deutsche Verstrickungen mit dem Regime kommen zur Sprache. Als Protagonistinnen treten zwei Frauen auf, die in Argentinien leben und deutsche Wurzeln haben. Beide wurden zu Opfern der Diktatur.

„Schweigen“

von Birgit Weyhe

  • 368 Seiten
  • avant
  • ISBN: 978-3-96445-141-5
  • 39 Euro

Platz 1: "Die Frau als Mensch" von Ulli Lust

Wer betreffend deutschsprachiger Literaturpreise auf dem Laufenden ist, der dürfte diesen Titel bereits kennen. Denn „Die Frau als Mensch: Am Anfang der Geschichte“ von Ulli Lust erhielt im Sommer 2025 den Deutschen Sachbuchpreis, zum ersten Mal ging die Auszeichnung an einen Comic.

Die international erfolgreiche Berliner Zeichnerin dekonstruiert klassische, in der Regel männlich geprägte Narrative, die Männer und Frauen in der Entwicklungsgeschichte des Menschen beschreiben. Warum werden die weibliche Sexualität und der Frauenkörper in unserer Gesellschaft grundlegend anders behandelt, als bei den männlichen Artgenossen? Ulli Lust sucht die Antwort auf diese Frage in der Geschichte der Menschheit. Übrigens: Im Februar 2026 soll schon eine Fortsetzung erscheinen.

„Die Frau als Mensch: Am Anfang der Geschichte“

von Ulli Lust

  • 256 Seiten
  • Reprodukt
  • ISBN: 978-3-95640-445-0
  • 29,90 Euro

Die Top 10 der besten Comics 2025

Auch die hinteren Plätze des Rankings können sich natürlich sehen lassen und sind immer eine Leseempfehlung wert. Vor allem für alle, die einmal aus der Buchstabenwüste der klassischen Bücher ausbrechen und ihre Augen mit ansprechenden und passenden Illustrationen beglücken wollen. Zwei Bücher erreichten exakt die gleiche Punktzahl, daher wurde der 8. Platz doppelt vergeben.

1. Ulli Lust: „Die Frau als Mensch. Am Anfang der Geschichte“ (Reprodukt, 29,90 Euro)

2. Birgit Weyhe: „Schweigen“ (avant, 39 Euro)

3. Olivier Schrauwen: „Sonntag“ (Edition Moderne, 45 Euro)

4. Isabel Kreitz: „Die letzte Einstellung“ (Reprodukt, 29 Euro)

5. Luz: „Zwei weibliche Halbakte“ (Reprodukt, 29 Euro)

6. Romain Renard: „Wiedersehen mit Comanche“ (Splitter, 35 Euro)

7. Melanie Garanin: „Mein Freund Rilke“ (Carlsen, 26 Euro)

8. Ed Brubaker und Sean Phillips: „Criminal“, Band 1 (Schreiber & Leser, 49,80 Euro)

8. Taiyo Matsumoto: „Tokyo dieser Tage“ (Reprodukt, 20 Euro)

10. Jacques Tardi/Nestor Burma: „Rififi in Menilmontant“ (Schreiber & Leser, 29,80 Euro)