Nürnberg - Gisèle Pelicot hat das getan, was einfach viel Kraft kostet: Sie tritt aus dem Schatten, erzählt ihre Geschichte - und verwandelt Schmerz in eine Botschaft der Hoffnung.

2024 erschütterte ein schrecklicher Fall die ganze Welt: Nachdem im südfranzösischen Mazan Dominique Pelicot wegen heimlicher Aufnahmen unter den Röcken von Frauen festgenommen worden war, fand die Polizei bei der Durchsuchung seines Computers tausende Bilder und Videos von etwa 200Vergewaltigungen.

Er und fast 80 weitere Männer wurden dabei gefilmt, wie sie sich an einer Frau vergingen - Pelicots inzwischen Ex‑Ehefrau Gisèle Pelicot. Über neun Jahre hinweg hatte der damals 74-Jährige Gisèle betäubt und von fremden Männern missbrauchen lassen.

Bemerkenswert war und ist, dass GisèlePelicot sich entschied, auf ihr Recht auf Anonymität zu verzichten und die Öffentlichkeit bewusst in den Prozess einzubeziehen. „Die Scham muss die Seite wechseln“, sagte die Französin damals. Mit diesem Satz als Leitmotiv veröffentlichte sie nun ihre Memoiren „Eine Hymne an das Leben“.

„Eine Hymne an das Leben“
von Gisèle Pelicot

  • übersetzt von Patricia Klobusiczky
  • 256 Seiten
  • Piper Verlag
  • ISBN 978‑3‑492‑07435‑3
  • 25 Euro

Als Sachbuch stieg die Autobiografie bereits in der ersten Woche auf Platz 1 der SPIEGEL-Bestsellerliste ein. „Eine Hymne an das Leben“ erschien Mitte Februar zeitgleich mit der französischen Originalausgabe in 20 weiteren internationalen Ausgaben. Die deutsche Ausgabe befindet sich bereits in der dritten Auflage. Pelicot berichtet in ihren eigenen Worten über ihr Leben und möchte Trost und Hoffnung spenden.

„Mein Ziel beim Schreiben meines Buches war es, meine Geschichte zu erzählen - aber vor allem eine Botschaft der Hoffnung weiterzugeben“, betont Pelicot, „an alle Frauen und Männer, die schwere Prüfungen in ihrem Leben durchmachen.“ Ein wesentlicher Schritt für sie war es, ihre Anonymität abzulegen - auch, um ihren Töchtern und Enkelinnen die Scham zu nehmen, den Namen Pelicot zu tragen.