Nürnberg - Epische Schlachten und politische Ränkespiele aus längst vergangenen Zeiten: Mit diesen Mittelalter-Epen tauchen wir ein ins England der Ritter und Könige.

Das Mittelalter hat eine besondere Faszination. Unsere Vergangenheit ist wie eine ganz eigene, andere Welt, die nach anderen Regeln spielte. Sogar Naturgesetze schienen noch anders zu funktionieren.

Mal abgesehen davon, dass sich scheinbar auch heute noch so manche Werte in so manchen Köpfen festgesetzt haben, die aus dem Mittelalter entsprungen zu sein scheinen - an dieser Stelle wollen wir uns lieber in die schillernde und epochale Seite dieser vergangenen Welt ziehen lassen. Und dafür haben wir genau die richtigen Bücher parat.

Zwei Mittelalter-Epen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und doch in die gleiche Kerbe schlagen. Lassen Sie uns in den Kommentaren gerne wissen, welche Reihe Ihnen besser gefällt.

„Rabenthron“ von Rebecca Gablé: Die „Helmsby“-Saga

Rebecca Gablé schreibt eindrucksvoll über die politischen Ränkespiele des englischen Mittelalters. In zahlreichen Büchern nimmt sie uns mit auf die Reise durch die englische Geschichte, die im Mittelalter ganz Europa geprägt hat.

Dabei folgt sie in ihren Büchern einem Muster, das sich bewährt hat. Eine fiktive Figur wird in den Strudel der Ereignisse gezogen, steht unversehens an der Seite einer großen historischen Persönlichkeit. Durch diese Perspektive begleiten wir, gemeinsam mit unserer fiktiven Figur, diese historischen Persönlichkeiten von William dem Eroberer bis zu Queen Elizabeth I. und vielen mehr.

Der jüngste Roman von Rebecca Gablé behandelt dabei das 11. Jahrhundert, also eine Zeit, in der England kurzfristig von Dänen regiert wurde. In „Rabenthron“ begleiten wir Ælfric „Eisenfaust“ von Helmsby. Wer Rebecca Gablé schon kennt, wird hier hellhörig, denn die Familie Helsmby hatte schon einige Auftritte. Und „Rabenthron“ ist endlich wieder ein designierter „Helmsby“-Roman.

Ælfric begleitet in „Rabenthron“ die englische Königin Emma. In einer relativ kurzen Periode von 50 Jahren saßen insgesamt sieben Könige auf dem englischen Thron. Mit zweien war Emma verheiratet, einer war ihr Stiefsohn und zwei waren ihre leiblichen Söhne. Damit stand die englische Königin in dieser Zeit wohl näher und vor allem länger direkt am Zentrum der Macht als die Könige selbst.

„Rabenthron“

von Rebecca Gablé

„Die Bücher vom Heiligen Gral“ von Bernard Cornwell

Bernard Cornwell ist wohl bei den meisten Mittelalter-Fans für seine „Uthred“-Reihe bekannt, in der wir einen englischen Fürstensohn namens Uthred begleiten, der sich an der Seite König Alfreds gegen die einfallenden Wikinger behaupten muss. Die Reihe umfasst 13 Bände und spielt in der zweiten Hälfte des neunten Jahrhunderts.

Etwas kompakter, aber nicht minder beachtenswert ist seine Trilogie „Die Bücher vom Heiligen Gral“. Die Handlung ist einige hundert Jahre später angesetzt und ereignet sich im 14. Jahrhundert, als zwischen England und Frankreich der Hundertjährige Krieg tobte.

Den Beginn der Reihe markiert der Tag, als sich das Leben von Thomas von Hookton für immer verändern sollte. An einem Ostermorgen wird seine Heimat, ein englisches Küstendorf, von französischen Schiffen überfallen. Sie werden angeführt von einem seltsamen schwarzen Ritter, der sich „Harlekin“ nennt.

Ziel des Angriffs ist ein besonderes Relikt, das in der Kirche hängt. Die alte Lanze soll dem heiligen Georg gehört haben, dem Schutzheiligen der englischen Könige. Die Angreifer lassen niemanden am Leben, nur durch Glück überlebt Thomas, der Sohn des Priesters.

Von seinem sterbenden Vater erfährt Thomas gerade noch, dass der „Harlekin“ ein Verwandter ist. Thomas‘ Schwur, den Angriff zu rächen, wird ihn auf eine gefährliche Reise führen, denn der Feind scheint die mächtigste Waffe des Christentums zu besitzen: den heiligen Gral.

„Der Bogenschütze“

von Bernard Cornwell

Bernard Cornwell vs Rebecca Gablé: Englisches Mittelalter anders erzählt.

Anders erzählt heißt in diesem Falle nicht, dass die beiden mit unterschiedlichen Quellen arbeiten oder Fakten präsentieren, mit denen sie sich widersprechen. Obwohl die beiden sich mit dem englischen Mittelalter auseinandersetzen, haben sie aber unterschiedliche Fokuspunkte.

Dieser Unterschied zeigt sich in der Erzählgeschwindigkeit der beiden. Man kann wohl kaum behaupten, dass Rebecca Gablé dünne Bücher schreibt. Dennoch fliegt man beim Lesen nur so über die Seiten. Die Handlung schreitet zügig voran, jedes Buch behandelt einen großen Teil des gesamten Lebens einer Hauptfigur. In der Trilogie von Bernard Cornwell begleiten wir indessen nur eine Hauptfigur, dessen Abenteuer sich auf alle drei Bücher erstreckt.

Und hier erklärt sich auch der große Unterschied dieser Buchreihen. Rebecca Gablé wirft vor allem den Blick auf die politischen Ränkespiele, deren Ursachen und Folgen sich meist erst im Laufe mehrerer Jahre aufzeigen lassen. So braucht es auch eine Erzählweise, die zügig voranschreitet.

Bernard Cornwell unterdessen ist um einiges detailverliebter. Mit großer Genauigkeit geht er beispielsweise in Band 1 der Reihe auf die Kampfdisziplin des Bogenschützen ein. Im weiteren Verlauf der Trilogie erfolgt auch eine Beschreibung der großen Schlacht von Agincourt, in der eine viel zu kleine englische Armee gegen die französische Übermacht siegte. Eine derart detailgetreue, aber dennoch kurzweilige und mitreißende Schlachtbeschreibung trifft man nicht gerade häufig an.

Wer also über die politischen Intrigen des Mittelalters und die faszinierenden Figuren der Königshäuser lesen möchte, ist bei Rebecca Gablé am besten aufgehoben, während Fans von actiongeladenen Schlachten bei Bernard Cornwell auf ihre Kosten kommen.