
Mittelalterromane haben eine besondere Faszination - vor allem, wenn sie auf den britischen Inseln spielen. Denn diese haben eine bewegte Geschichte. Bernard Cornwell ist einer der Autoren, die dieser Geschichte mit ihren Mittelalterromanen Leben eingehaucht haben.
Die bekannteste Mittelalterreihe von Bernard Cornwell dürfte wohl die „Uthred“-Saga sein, in der wir einen englischen Fürstensohn namens Uthred begleiten, der sich an der Seite König Alfreds gegen die einfallenden Wikinger behaupten muss. Die Reihe umfasst 13 Bände und spielt in der zweiten Hälfte des neunten Jahrhunderts.
Doch es gibt auch noch eine andere Reihe aus der Feder Bernard Cornwells, die unsere Beachtung mehr als verdient hat. Sie spielt einige Zeit später im 14. Jahrhundert und dreht sich um Thomas von Hookton, einen Bogenschützen. Schauplatz ist der Hundertjährige Krieg zwischen England und Frankreich.
Buchtipp: „Der Bogenschütze“ - Auftakt einer großen Trilogie
Den Beginn der Reihe markiert der Tag, als sich das Leben von Thomas von Hookton für immer verändern sollte. An einem Ostermorgen wird seine Heimat, ein englisches Küstendorf, von französischen Schiffen überfallen. Sie werden angeführt von einem seltsamen schwarzen Ritter, der sich „Harlekin“ nennt.
Ziel des Angriffs ist ein besonderes Relikt, das in der Kirche hängt. Die alte Lanze soll dem heiligen Georg gehört haben, dem Schutzheiligen der englischen Könige. Die Angreifer lassen niemanden am Leben, nur durch Glück überlebt Thomas, der Sohn des Priesters.
Von seinem sterbenden Vater erfährt Thomas gerade noch, dass der „Harlekin“ ein Verwandter ist. Thomas‘ Schwur, den Angriff zu rächen, wird ihn auf eine gefährliche Reise führen, denn der Feind scheint die mächtigste Waffe des Christentums zu besitzen: den heiligen Gral.
„Der Bogenschütze“
von Bernard Cornwell
- übersetzt von Claudia Feldmann
- 528 Seiten
- Rowohlt Taschenbuch
- ISBN: 978-3-499-25833-6
- 14 Euro (Buch und Kindle-Book bei Amazon )
„Die Bücher vom Heiligen Gral“: keine gewöhnliche Mittelaltersaga
Großartig recherchiert und mit historischer Genauigkeit beschreibt Bernard Cornwell diese Geschichte von einem einfachen Pfarrerssohn, der in die großen Geschehnisse der Geschichte hineingezogen wird. Und eine Sache sticht dabei besonders heraus.
Denn während sich einige historische Romane, wie beispielsweise die von Rebecca Gablé („Rabenthron“ und viele weitere), vorrangig mit den politischen Ränkespielen der Geschichte und wieder andere mit dem romantischen Bild dieser historischen Welt beschäftigen, konzentriert sich Bernard Cornwell vor allem auf eins: das Kampfgeschehen.
So erfahren wir in „Der Bogenschütze“ naheliegenderweise viele Details und Feinheiten über diese Kampfdisziplin. Hervorzuheben ist auch die unglaublich detailgetreue Beschreibung der Schlacht von Agincourt, in der sich eine viel zu kleine englische Armee gegen die französische Übermacht durchsetzen konnte. Diese erfolgt allerdings erst im späteren Verlauf der Trilogie.
„Der Bogenschütze“: Ein Mittelalterroman wie ein Actionfilm
Wer sich also an actiongeladenen Szenen und detaillierten Schlachtbeschreibungen erfreut, der kommt um „Die Bücher vom Heiligen Gral“ nicht herum. Eine großartige Reihe und als Trilogie auch etwas überschaubarer als die „Uthred“-Saga.


