Nürnberg - Die Zeiten, in denen queere und diverse Figuren allenfalls eine Nebenrolle in Büchern einnehmen konnten, sind zum Glück vorbei.

Lange Zeit waren die großen Hauptfiguren in Romanen, Krimis, Thrillern und anderen Genres von einem bestimmten Typ besetzt: männliche Männer, mit männlichen Charakterzügen, männlichen Zielen und männlichem Verhalten. Und natürlich streng heterosexuell.

Diese Zeiten sind zum Glück vorbei. Natürlich gibt es auch weiterhin solche Figuren und das ist auch in Ordnung. Aber wie mit der Redefreiheit ist es eben auch hier so, dass mittlerweile auch mal andere zu Wort kommen und auch Figuren außerhalb dieser klassischen Konstellation im Mittelpunkt stehen.

Genauso in diesen drei Buchtiteln, die wir für sie ausgesucht haben. Unterschiedliche Genres und unterschiedliche Charaktere, die eines gemeinsam haben: Sie sind queer.

„Lavender House“ von Lev AC Rosen

Wer Agatha Christie mag, wird Evander Mills lieben. In seinem ersten Fall ist Evander, genannt „Andy“ erstmal ganz am Boden. Unfreiwillig geoutet werden heißt in seinem Fall, dass er seine Wohnung, seinen Job als Kriminalpolizist und sein komplettes soziales Ansehen verliert. Denn dieser Krimi spielt in den 1950er-Jahren in San Francisco. Clubs für Homosexuelle sind zwar mittlerweile nicht mehr verboten, doch die Polizei lässt keine Gelegenheit aus, Schwule zu drangsalieren, zu misshandeln und zu verprügeln.

Für Andy ist es also nicht wirklich sein erster Fall, denn als Kriminalbeamter hat er bereits einige Erfahrung im Ermitteln. Doch es ist sein erster Fall als Privatdetektiv. Er soll einen Todesfall aufklären. Das geschieht in bester Agatha Christie-Manier: Eine stattliche Villa auf dem Land und ein begrenzter Kreis an verdächtigen Personen.

Am Ende gründet Andy seine Detektei, in der er von nun an die Rechte und Interessen von anderen queeren Personen vertreten wird, die vom Staat keine Unterstützung erwarten können.

Mehr zur Story lesen Sie in unserer Einzelkritik:

„Lavender House“: Agatha Christie trifft auf queere Gesellschaft - Buchtipp

„Lavender House“

von Lev AC Rosen

  • übersetzt von Jeanette Bauroth
  • 311 Seiten
  • Secound Chances
  • ISBN: 978-3-98906-091-3
  • 25 Euro (Buch und Kindle-Book bei Amazon)

„Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft“ von Fiona Sironic

Unser nächster Titel kommt sogar komplett ohne männliche Figuren aus. Im Mittelpunkt steht die 15-jährige Era, die ihre erste Beziehung mit der ein Jahr älteren Maja eingeht. Das besonders spannende an diesem Roman ist, dass er in unserer näheren Zukunft spielt. Autorin Fiona Sironic zeichnet ein erschreckendes Bild von einer Zukunft, in der der Klimawandel noch deutlich stärker zu spüren ist, als das heute schon der Fall ist.

Dieser mitreißende Roman überzeugt durch die authentischen Figuren und dieser seltsam dystopischen und doch sehr wahrscheinlichen Zeichnung einer nahen Zukunft.

Mehr zum Inhalt lesen Sie in unserem Beitrag:

Dystopie und Realismus: Ein Blick in unsere nahe Zukunft - Buchtipp

„Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft“

von Fiona Sironic

„Die Meerjungfrauen von Aberdeen“ von Ben Aaronovitch

Jetzt werden sich Fans der Reihe wundern. Denn eigentlich handelt es sich bei dem neuen und zehnten Band der Hauptreihe (es kommen noch einige Novellen und Graphic Novels hinzu) um das neue Abenteuer von Peter Grant, Zauberlehrling und mittlerweile Detective Sergeant bei der Polizei in London.

Was hat dieser Urban-Fantasy-Krimi also in einem Beitrag über Bücher mit queeren Hauptfiguren zu suchen? Einen besonderen Charme der Reihe machte gerade in ihren Anfängen die Figur des Peter Grant als hormongesteuerten Jungpolizisten aus. Mittlerweile ist Peter einige Jahre älter, mit einer Flussgöttin verheiratet und hat mit ihr Zwillinge bekommen. Irgendwie ist er aus seiner alten Rolle also herausgewachsen, die Stelle ist frei geworden.

Und wird nun eingenommen von seiner 18-jährigen Cousine Abigail Kamara. Die Figur tauchte bereits öfter in den Romanen auf und hatte schon die Hauptrolle in einigen Novellen. In „Die Meerjungfrauen von Aberdeen“ teilt sie sich die Rolle als Hauptfigur mit Peter. Abwechselnd erfahren wir die Geschichte aus seiner und aus ihrer Sicht.

Wie in unserer Einzelrezension („Die Meerjungfrauen von Aberdeen“: Das neue Abenteuer von Peter Grant ist endlich da - Buchtipp) deutlich wird, hat Abigail dabei teilweise den interessanteren Part in der Aufklärung des Falles. Außerdem trifft Abigail auf die junge Frau Ione, die sich auch als übernatürliches Wesen entpuppt. Von Anfang an sprühen die Funken deutlich zwischen den beiden.

„Die Meerjungfrauen von Aberdeen“

von Ben Aaronovitch

  • übersetzt von Christine Blum
  • 416 Seiten
  • dtv
  • ISBN: 978-3-423-26420-4
  • 17 Euro (Buch und Kindle-Book bei Amazon)

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