Rostock Warnemünde - Ein Hotel an der Ostsee setzt auf eine ungewöhnliche Strategie, um trotz der hohen Spritpreise wieder mehr Zimmer zu füllen. Ein Tankrabatt, genau so fehl am Platz wie der des Vaterstaates?

Bereits im April hat sich das Ringhotel Warnemünder Hof eine Strategie überlegt, um die Buchungen für das 4‑Sterne-Hotel wieder anzukurbeln. „Der April lief nicht gut und wir haben überlegt, welche Angebote wir unseren Gästen zusätzlich zu den vorhandenen machen können“, erzählte Frank Martens, der Direktor des Hotels, gegenüber dem Urlaubsportal Der Warnemünder. Das Angebot „Komplett auftanken“ sollte zunächst bis zum 1. Mai laufen. Jetzt im Oktober, ist es allerdings wieder verfügbar.

Den Trend von leeren Zimmern bekam nicht nur das Ringhotel zu spüren. Auch das Statistische Bundesamt zeigt auf: Im August 2026 haben 1,6 Prozent weniger Gäste aus dem Inland Beherbergungsbetriebe – sprich Hotels, Campingplätze und Hostels – besucht. Das Ifo Institut nennt als Ursache für die Buchungsflaute im Tourismus im In- sowie Ausland die geopolitische Lage und eine allgemeine Verunsicherung.

Das Hotel an der Ostsee entschied daher über eine Art Tankrabatt, Besucherinnen und Besucher zu entlasten. Ab drei Übernachtungen bekommen Gäste, die einen Verbrenner fahren, die Spritkosten für die Anreise bezahlt, ab sechs Übernachtungen die gesamten Fahrtkosten. Vom Hotel berechnet wird jeweils die kürzeste Entfernung zum Wohnort mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 7 l/100 km und angenommenen Tankkosten von Super 2,20 Euro und Diesel 2,30 Euro.

Da es sich jedoch um ein 4‑Sterne-Hotel handelt, ist es zumindest fraglich, ob tatsächlich die hohen Spritpreise die Besucherinnen und Besucher dieses Hotels vom Besuch abhielten. Insgesamt hat sich das Fahrverhalten der Deutschen durch die hohen Spritpreise kaum geändert. Laut einer Erhebung der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen gab es im April im Vergleich zu den vorherigen Monaten lediglich 3,9 Prozent weniger Verkehr auf deutschen Straßen. Wobei nach Angaben des Mdr vor allem Pendlerinnen und Pendler vermehrt auf den Zug ausgewichen sind.

Verhaltensökonom Mark Andor vom RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen erklärt gegenüber dem Mdr: „Es hängt auch vom verfügbaren Einkommen ab, ob Autofahrer auf steigende Spritpreise überhaupt reagieren müssen.“ Es stellt sich daher die Frage, ob gerade das Klientel eines 4‑Sterne-Hotels stark von der Erhöhung der Spritpreise getroffen ist. Bei einem Preis von 176 Euro pro Nacht und Person scheint es unwahrscheinlich, dass die Besucherinnen und Besucher sich ohne die Tank-Aktion einen Urlaub nicht hätten leisten können. Eine Erstattung des Fahrpreises könnte aber ein netter Nebeneffekt sein, der einen Impuls zur Buchung gibt.

Ein Tankrabatt ist also eine Vergünstigung, von der besonders wohlhabende Menschen profitieren, erklärt Wirtschaftsforscher Mark Andor – ob dieser nun vom Staat oder vom Hotelmanager persönlich kommt. Eine Absicherung für Personen, die sich den Sprit oder den Urlaub sonst tatsächlich nicht mehr leisten können, fehlt laut einigen Experten weiterhin.