Nürnberg - Nach Kritik der Linken ist der 40.000-Euro-Zuschuss fürs Altstadtfest in Nürnberg von der Tagesordnung genommen worden. Grund: Die Wirte sollten nicht mehr zahlen, die Stadt aber mehr – mitten in der Haushaltssperre.

Der geplante städtische Zuschuss von 40.000 Euro für das Altstadtfest in Nürnberg ist vorerst vom Tisch. Nach einem Antrag und scharfer Kritik der Stadtratsfraktion Die Linke wurde der Punkt von der Tagesordnung der Stadtratssitzung am 30. September 2026 genommen.

Ursprünglich hatte die Verwaltung vorgeschlagen, dem Altstadtfest Nürnberg e.V. für das 54. Altstadtfest 2026 einen freiwilligen Zuschuss von 40.000 Euro zu gewähren – mehr als das Doppelte der 15.000 Euro, die der Verein im Vorjahr „ausnahmsweise“ erhalten hatte. Für Die Linke war das angesichts der seit Ende Juli geltenden Haushaltssperre nicht zu vermitteln: In einem Antrag, der der Redaktion vorliegt, forderte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Kathrin Flach Gomez, den Zuschuss nicht zu gewähren, offenzulegen, nach welchen Kriterien freiwillige Leistungen derzeit priorisiert werden, und zu prüfen, ob das Geld stattdessen dringende Lücken im sozialen und Bildungsbereich schließen könnte.

Hintergrund ist die Haushaltssperre, die Oberbürgermeister Marcus König (CSU) und Stadtkämmerer Thorsten Brehm am 29. Juli mit sofortiger Wirkung verhängt hatten – wegen schwächelnder Gewerbesteuereinnahmen bei gleichzeitig steigenden Sozial- und Krankenhauskosten. „Wir ziehen die Reißleine, bevor sich die Lage weiter verschärft“, hatte König erklärt; neue Verpflichtungen dürften seither nur noch eingegangen werden, wenn sie zwingend erforderlich, gesetzlich vorgeschrieben oder unaufschiebbar seien. Die Sperre kommt zu einem bereits beschlossenen Konsolidierungsprogramm über rund 80 Millionen Euro jährlich für 2027 hinzu und fiel zudem nur wenige Wochen nach dem Bürgerentscheid zum milliardenschweren Ausbau des Frankenschnellwegs.

Die Linke verwies zur Begründung ihres Einspruchs auf den wirtschaftlichen Charakter des Altstadtfests Nürnberg: Für 2026 kalkulierte der Verein unter anderem mit 197.000 Euro Hüttenentgelten von acht Gastronomiebetrieben sowie 17.500 Euro Sponsoring-Einnahmen. „Vor diesem Hintergrund ist für uns nicht nachvollziehbar, warum ausgerechnet jetzt eine neue freiwillige Leistung von 40.000 Euro für das Altstadtfest beschlossen werden soll“, heißt es in dem Antrag. „Die Verwaltung selbst bezeichnet den Zuschuss ausdrücklich als freiwillige Leistung“, wird abermals betont.

Gleichzeitig kämpften soziale Träger wie das Frauen- und Mädchen-Gesundheitszentrum oder die Beratungsstelle AURA seit Jahren um auskömmliche Finanzierung, und an Nürnberger Schulen scheiterten Klassenfahrten, Bücher-Ersatzbeschaffungen oder Theaterprojekte bereits am Geld - führt Flach Gomez an.

Die Linke zum Zuschuss für das Altstadtfest Nürnberg: „Bemerkenswerte Vorstellung von Prioritäten“

Brisant wurde die Debatte durch einen weiteren Vorgang: Nach Einreichung des Antrags habe sich Wirtesprecher Christian Wagner, selbst Kuhstall-Wirt auf dem Altstadtfest, persönlich bei der Fraktion für den Zuschuss eingesetzt, teilt Flach Gomez der Redaktion mit – während das vorgelegte Konzept zugleich vorsah, dass die Beiträge der bestehenden Gastronomen ausdrücklich nicht weiter steigen sollten. „Vereinfacht gesagt: Die Wirte sollen nicht mehr zahlen, die Stadt dafür 40.000 Euro. In Zeiten einer Haushaltssperre ist das eine bemerkenswerte Vorstellung von Prioritäten“, kommentiert die Stadträtin.

Flach Gomez betont: „Soziale Träger finanzieren mit städtischen Zuschüssen Beratung und konkrete Hilfe, Bildung ermöglicht Teilhabe für alle. Die Stadt ist dagegen nicht dafür da, das wirtschaftliche Risiko einer Veranstaltung abzusichern, auf der private Gastronomen Geschäfte machen.“ Dass der Zuschuss nach dem Widerspruch der Linken nun erst einmal vom Tisch ist, sei „die einzig richtige Konsequenz“. Flach Gomez findet: „Haushaltskonsolidierung ist immer auch eine Frage politischer Prioritäten.“

Der Altstadtfest-Verein selbst steht finanziell ebenfalls unter Druck: Bereits im Vorjahr musste der traditionelle Festumzug aus Kostengründen ausfallen - gemeinhin plagen außerdem steigende Kosten für Lebensmittel oder Strom sowie Inflation und steigende Löhne - wie der Mindestlohn - in der Gastronomie die Wirtinnen und Wirte.

Das 54. Altstadtfest findet in diesem Jahr vom 16. September bis 4. Oktober auf der Insel Schütt, dem Hans-Sachs-Platz und in der Katharinenruine statt. Ob und in welcher Form die Verwaltung nun nachbessert, ist offen – der Fall dürfte in den kommenden Haushaltsberatungen weiter für Diskussionsstoff sorgen.

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