
Seit Jahren ist es eines der größten wirtschaftlichen und politischen Themen, die Nürnberg zu bieten hat. Der Ausbau des Frankenschnellwegs. An diesem Sonntag (28. Juni 2026) waren die rund 380.000 wahlberichtigten Bürgerinnen und Bürger der mittelfränkischen Stadt gefragt. Es kam zu einer Abstimmung rund um das milliardenschwere Bauprojekt.
Um 18 Uhr hatten die Wahllokale geschlossen. Viele Nürnbergerinnen und Nürnberger dürften aber bereits per Briefwahl abgestimmt haben. Die Unterlagen dazu hatte die Stadt automatisch an alle Wahlberechtigten verschickt.
Entscheidung steht fest
Kurz vor 20 Uhr schien das Ergebnis dann auch festzustehen. Die Mehrheit der Wahlberechtigten in Nürnberg hat sich demnach bei dem Bürgerentscheid für den Ausbau des stauanfälligen Frankenschnellwegs ausgesprochen. „Der Trend ist nicht mehr umkehrbar“, erklärte Michael Ruf vom Wahlamt gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bereits, als mehr als 240 von 253 Wahlbezirke ausgezählt waren. Am Ende kam es dann auch genau so. Eine Mehrheit von 53,1 Prozent hat sich dafür entschieden, dass die Verkehrsachse kreuzungsfrei ausgebaut wird. 80.734 aller Nürnbergerinnen und Nürnberger stimmten gegen einen Stopp der Pläne. 71.368 votierten dafür, dass die Planungen zurück auf Anfang gesetzt werden.
Um die Ausbaupläne gibt es seit vielen Jahren in Nürnberg Streit. Der umstrittene Ausbau des Frankenschnellwegs in Nürnberg kann damit jedoch kommen: Das Votum befriede einen Streit, der seit mehr als 30 Jahren Nürnberg schwele, sagte Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König (CSU). „Wir werden jetzt die Planung, die wir haben, vorantreiben.“
Die Stadt will die Stauprobleme auf der Verkehrsachse mit Hilfe eines 1,8 Kilometer langen Tunnels lösen, durch den künftig der Durchgangsverkehr fahren soll. Außerdem sollen eine dritte Spur im Westen und weitere Lärmschutzwände entstehen.
Die Gegner halten die Kosten von mehr als einer Milliarde Euro für zu hoch und die Planung für nicht zielführend, da der Ausbau ihrer Ansicht nach zu noch mehr Verkehr - vor allem von Lastwagen - auf die Strecke führen würde.
Viele Jahre Streit um den Ausbau
Der Ausbau des Frankenschnellwegs in Nürnberg spaltet seit vielen Jahren die Stadt und beschäftigte bereits mehrere Gerichte, wo die Gegner Niederlagen kassierten. Der Bürgerentscheid war für sie das letzte Mittel, das milliardenschwere Bauprojekt noch zu stoppen.
Das Ergebnis ist laut bayerischer Gemeindeordnung so bindend wie ein Beschluss des Stadtrats. Allerdings könnte es innerhalb eines Jahres durch einen neuen Bürgerentscheid abgeändert werden. „Natürlich sind wir enttäuscht“, sagte Michael Hauck von den Initiatoren des Bürgerentscheids. Die Initiative werde das Ergebnis aber akzeptieren.
Planung geht mit Hochdruck weiter
Doch wie geht es nun konkret weiter? Die Pläne für den Ausbau stehen, ruhten in letzter Zeit allerdings. „Jetzt werden die Ausschreibungen freigegeben“, sagte König. Die Stadtverwaltung habe diese wegen des Bürgerentscheids zurückgehalten.
Nach Angaben der Stadt könnten die Bauarbeiten im Abschnitt West mit dritter Fahrspur und Lärmschutzwänden im Frühjahr 2027 beginnen. Danach - voraussichtlich 2030 - könnten die Bauarbeiten im Mittelabschnitt weitergehen. Rund zehn Jahre sind dafür veranschlagt.
Wie die Verantwortlichen der Stadt Nürnberg in einer Pressemitteilung von Sonntagabend (28. Juni 2026) zudem erklären, haben insgesamt an dem Bürgerentscheid „Lieber zurück auf Los statt Ausbau Frankenschnellweg“ rund 152.600 Wahlberechtigte teilgenommen. Das erfüllt das vorgegebene Quorum (mindestens zehn Prozent Ja-Stimmen oder knapp 38.000 Wahlberechtigte) bei weitem und entspricht einer Wahlbeteiligung von 40,3 Prozent. Insgesamt waren rund 380.000 Nürnbergerinnen und Nürnberger abstimmungsberechtigt.