Nürnberg - Unter dem Nürnberger Plärrer entsteht derzeit etwas, das Autofahrer und Fußgänger kaum zu sehen bekommen: Ein neuer Tunnel für Hochspannungskabel. Dafür ist vor allem „Kerstin“ im Einsatz. Das steckt dahinter.

Am Nürnberger Plärrer beginnt ein neuer Abschnitt der Großbaustelle „Umgestaltung“. Und diesmal geht es tief unter die Erde. Zwölf bis 16 Meter unter dem Verkehrsknotenpunkt werden neue Hochspannungskabel verlegt. Dafür kommt erstmals in Nürnberg eine spezielle Vortriebsmaschine zum Einsatz. Sie trägt den Namen „Kerstin“.

Die Maschine wurde am Montag, 28. September, in der Baugrube positioniert, berichtet die N-Ergie Netz GmbH in einer Pressemitteilung. Am Dienstag, 29. September, soll der erste Tunnelvortrieb in Richtung der Zielbaugrube an der Südlichen Fürther Straße beginnen. Der Vortrieb läuft im Zwei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr.

15 Meter tiefe Baugrube unter der Gostenhofer Hauptstraße

Der Startpunkt für den unterirdischen Vortrieb liegt in einer Baugrube direkt in der Überfahrt der Gostenhofer Hauptstraße über den Plärrer – zwischen der Straßenbahnhaltestelle und dem angrenzenden Grünstreifen. Die Grube hat einen Innendurchmesser von 13 Metern und reicht rund 15 Meter tief in den Boden.

Von hier aus soll die Maschine zwei Rohrvortriebe herstellen: den ersten in Richtung Südliche Fürther Straße und einen weiteren in Richtung Gostenhofer Hauptstraße.

„Vortrieb“ bedeutet in diesem Fall: Die Maschine arbeitet sich Schritt für Schritt durch den Untergrund. Dabei werden vorgefertigte Rohre in den Boden gepresst. Gleichzeitig wird überschüssiges Bodenmaterial vor der Maschine abgebaut und nach oben transportiert, wie die N-Ergie mitteilt. Das eingepresste Rohr stützt dabei unmittelbar das umliegende Erdreich. So entsteht unter der Straße nach und nach der Tunnel.

Das Verfahren hat einen entscheidenden Vorteil für eine Baustelle an einem der wichtigsten Nürnberger Verkehrsknotenpunkte: Ein Großteil der Arbeiten findet unter der Erde statt. Durch die Tunnelbauweise können notwendige Aufgrabungen und damit verbundene Eingriffe in den Straßenverkehr möglichst gering gehalten werden, heißt es in der Mitteilung. Über der Erde seien deshalb lediglich die Start- und Zielbaugruben für den Rohrvortrieb zu sehen.

Neue Kabel für Nürnbergs Stromnetz

Hintergrund des Tunnelbaus: Die N-Ergie Netz GmbH verlegt neue Hochspannungskabel mit einer Spannung von 110 Kilovolt. Damit soll das Stromnetz für die Anforderungen der Energiewende modernisiert und die Stromversorgung Nürnbergs langfristig gesichert werden.

Die Baustelle am Plärrer besteht bereits seit Ende April 2026. Nach aktuellem Stand sollen die Arbeiten noch bis Februar 2027 andauern.

Bevor die Maschine ihren ersten Vortrieb begann, gab es im Tunnelbau einen traditionellen Moment: Der neue Tunnel wurde getauft. Dazu gehörte auch das Aufstellen der „Heiligen Barbara“, die Schutzpatronin der Bergleute. Die Schirmherrschaft als „Tunnelpatin“ übernimmt Kerstin Fröhlich, Geschäftsführerin der N-Ergie. Die Vortriebsmaschine trägt deshalb ihren Namen: „Kerstin“.

Während die Arbeiten unterirdisch weiterlaufen, bleibt die Baustelle am Plärrer weiterhin auch oberirdisch sichtbar. Die N-ERGIE Netz GmbH bittet deshalb die betroffenen Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer weiterhin um Verständnis für die notwendigen Arbeiten.