Nürnberg - Wenn in Nürnberg die Schatten länger werden, lädt das re:festival vom 1. bis 4. Oktober in eine Welt zwischen Tanz, Performance, Film und Clubnacht ein. Komm näher: Dort wartet das „Monströse“ – und vielleicht noch mehr.

Horror, Mystery und Crime stehen im Mittelpunkt des diesjährigen re:festivals in Nürnberg. Unter dem Motto „monströs!“ lädt das Festival von Donnerstag, 1. Oktober, bis Sonntag, 4. Oktober 2026, zum fünften Mal nach Nürnberg ein. Auf dem Programm stehen fünf Tanz- und Performance-Produktionen aus Nürnberg und ganz Deutschland. Erstmals gehören auch ein Filmabend und eine Clubnacht zum Festival.

Weil die Tafelhalle wegen einer Dachsanierung erst Mitte Oktober wiedereröffnet, findet das re:festival in diesem Jahr im Künstlerhaus, Königstraße 93, statt. Weitere Veranstaltungsorte sind das KommKino im Filmhaus Nürnberg, der Club Stereo in der Klaragasse 8 sowie die KulturKellerei im Künstlerhaus. Das jährlich stattfindende re:festival bringt bereits bestehende, ausgewählte Tanz- und Theaterproduktionen nach Nürnberg. Die sogenannten Vintage-Produktionen erhalten dadurch eine längere Lebensdauer und können an neuen Orten sowie in anderen zeitlichen Zusammenhängen eine neue Resonanz entfalten.

2026 bewegt sich das Festival zwischen Horror, Mystery und Crime: Das Programm führt durch Zwischenwelten, Grauzonen und düstere Machtkonstellationen. Zugleich geht es um die Frage, warum fiktionaler Grusel gerade in Krisenzeiten eine solche Faszination ausübt – und ob er dabei helfen kann, mit realen Krisen und schlechten Nachrichten umzugehen. Es widmet sich somit auch den Monstern unserer Gegenwart.

re:festival Nürnberg 2026: Auftakt mit Akrobatik und Varieté

Den Auftakt macht am Donnerstag, 1. Oktober, um 20 Uhr im Festsaal des Künstlerhauses die preisgekrönte Zirkuskünstlerin Laura Stokes mit ihrer 90-minütigen Performance „Call Me a Pussy“. Virtuose Akrobatik trifft dabei auf Varieté. Im Mittelpunkt steht die monströse Darstellung von Weiblichkeit. Stokes entwirft eine fantasievolle und zugleich ehrliche Welt, die der Brutalität der Gegenwart ein Gegengift entgegensetzen soll.

Live-Hörspiel über das CIA-Verhörprogramm

Am Samstag, 3. Oktober, um 18 Uhr sowie am Sonntag, 4. Oktober, um 19.30 Uhr ist das mehrfach ausgezeichnete Live-Hörspiel „Ready for Boarding“ des Brachland-Ensembles zu sehen. Drei Schauspielerinnen und Schauspieler übertragen den 600 Seiten umfassenden Bericht über das Internierungs- und Verhörprogramm der CIA mit wenigen Requisiten in eine unmittelbare Bühnensituation. So entsteht ein lebendiges und zugleich schier unfassbares Bild der dokumentierten Ereignisse. Im Anschluss an beide Vorstellungen sind Nachgespräche mit Mitgliedern der Nürnberger Ortsgruppe von Amnesty International geplant.

„Die Nacht der Zombies“ mit Performance, Film und Clubnacht

Am Samstag, 3. Oktober, erwartet das Publikum außerdem ein dreiteiliger Horrorabend. Um 20.30 Uhr zeigen Julieta Figueroa und Margherita Vestri ihre Zombie-Performance „Solo Terror“. Das Stück ist von George A. Romeros Filmklassiker „Die Nacht der lebenden Toten“ inspiriert. Der Film wird im Anschluss um 21.15 Uhr im KommKino des Filmhauses Nürnberg gezeigt. Ab 23 Uhr geht die „Nacht der Zombies“ im Club Stereo, Klaragasse 8, mit der Clubnacht „Zombie Dirtbag“ weiter.

Wellness-Erlebnis wird zum Gesellschaftsspiel

Mit der partizipativen Performance „Spank for Spa“ widmet sich Megaplot, ein Künstler-Duo aus dem Raum Erlangen, am Sonntag, 4. Oktober, um 16 Uhr und um 19.30 Uhr in der KulturKellerei des Künstlerhauses der Frage, wie sich Menschen verhalten, wenn die eigenen Bedürfnisse mit denen einer Gruppe kollidieren. Die Performance ist als Gesellschaftsspiel für 20 Personen angelegt. Die Teilnehmenden erwartet ein kurzes Wellness-Erlebnis – allerdings nicht für alle. Eine Person muss die eigenen Bedürfnisse hinter die der anderen stellen. Aus dem vermeintlich harmlosen Wellness-Angebot wird so ein Experiment über Gruppendynamik, Eigennutz und kollektives Glück.

Tanzperformance über Schuld und Schweigen

Den Abschluss des re:festivals bildet am Sonntag, 4. Oktober, um 18 Uhr im Festsaal des Künstlerhauses „Letters to a Grandfather“ von der Tänzerin und Choreografin Josefine Patzelt. Patzelts Großvater war Nationalsozialist. In der Familie wurde darüber jedoch nur wenig gesprochen. In ihrer persönlichen Tanzperformance setzt sich Patzelt mit dem Erbe von Schuld und dem Schweigen einer Generation auseinander. In Briefform und ohne Vorwürfe entsteht eine persönliche Erinnerungspalette über die familiäre Vergangenheit und die Frage, was von ihr weitergetragen wird. Die Performance ist durch Audio-Deskription für Menschen mit Sehbehinderungen zugänglich.

re:festival 2026 in Nürnberg: Tickets und Preise

Tickets für alle Veranstaltungen gibt es online unter refestival.nuernberg.de. Sie kosten 18 Euro im Vorverkauf (zuzüglich Gebühren) und 21 Euro an der Abendkasse.