Nürnberg - Extrem- oder gar Jahrhundertwinter? Auch dieses Jahr wagen erste Modelle eine erste Prognose. Dabei kommt eine mögliche Überraschung ans Tageslicht - so könnte sich der Winter 2026/27 in Franken entwickeln.

Der Winter 2026/27 ist noch mehrere Monate entfernt, doch erste saisonale Wettermodelle wagen bereits einen Blick auf die kommende kalte Jahreszeit. Dabei kommt man schon jetzt zu einem durchaus interessanten Ansatz, denn: Die derzeit verfügbaren Berechnungen sprechen nicht für einen außergewöhnlich kalten Winter in Deutschland. Im Gegenteil: Einige Modelle deuten derzeit auf überdurchschnittliche Temperaturen hin. Gleichzeitig ist die Unsicherheit einer solchen Langfristprognose im August noch erheblich.

Besonders viel Aufmerksamkeit erhält derzeit ein mögliches starkes El-Niño-Ereignis im tropischen Pazifik. Nach Angaben des US-amerikanischen Climate Prediction Center (CPC) haben sich bereits El-Niño-Bedingungen entwickelt. Die Wahrscheinlichkeit, dass El Niño auch im Winter 2026/27 anhält, wurde in einer Prognose vom Mai mit 96 Prozent angegeben. Für November bis Januar wurde zudem eine Wahrscheinlichkeit von 63 Prozent für ein sehr starkes Ereignis genannt.

Erste Modelle sehen milden Winter

Für Deutschland fällt der Blick auf die aktuellen Langfristmodelle zunächst eher ernüchternd für alle aus, die auf einen klassischen Winter mit viel Schnee und Dauerfrost hoffen. Eine im Juli veröffentlichte Auswertung des amerikanischen CFS-Modells zeigte für Dezember 2026, Januar und Februar 2027 in weiten Teilen Deutschlands überdurchschnittliche Temperaturen. Teilweise lagen die berechneten Abweichungen bei rund ein bis zwei Grad über dem langjährigen Mittel.

Auch aktuelle Auswertungen verschiedener Langfristmodelle kommen zu dem Ergebnis, dass ein milder Winter derzeit wahrscheinlicher erscheint als ein durchgehend kalter. Allerdings darf eine solche Modellkarte nicht mit einer konkreten Wettervorhersage verwechselt werden. Sie beschreibt lediglich eine statistische Tendenz über einen Zeitraum von mehreren Monaten.

Das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen (ECMWF) weist ausdrücklich darauf hin, dass saisonale Vorhersagen mit Wahrscheinlichkeiten arbeiten. Die Modelle werden monatlich aktualisiert und verwenden ein Ensemble aus zahlreichen einzelnen Berechnungen. Das ECMWF-System umfasst derzeit 51 Ensemble-Mitglieder und reicht bei saisonalen Vorhersagen bis zu sieben Monate in die Zukunft.

El Niño macht die Entwicklung interessant

Das möglicherweise außergewöhnlich starke El-Niño-Ereignis könnte die atmosphärische Zirkulation auf der Nordhalbkugel beeinflussen. Ein starker El Niño kann unter bestimmten Voraussetzungen auch Veränderungen des Polarwirbels und der großräumigen Druckverteilung begünstigen. Daraus können wiederum Kaltluftvorstöße nach Europa entstehen.

Eine direkte Gleichung „starker El Niño = kalter Winter in Deutschland“ gibt es allerdings nicht. Experten weisen darauf hin, dass für das Wetter in Mitteleuropa unter anderem die Nordatlantikzirkulation, der Jetstream, die Lage von Hoch- und Tiefdruckgebieten sowie die Entwicklung des Polarwirbels entscheidend sind. Auch die Frage, ob es zu einer plötzlichen Stratosphärenerwärmung kommt, könnte eine Rolle spielen.

Gerade deshalb sind einzelne spektakuläre Langfristkarten mit Vorsicht zu betrachten. Selbst ein außergewöhnlich starker El Niño bedeutet nicht automatisch einen außergewöhnlich kalten Winter in Deutschland. Die Auswirkungen auf Europa sind deutlich weniger eindeutig als beispielsweise in Teilen Nord- und Südamerikas.

Was bedeutet El Niño eigentlich genau?

El Niño bezeichnet eine natürliche Klimaschwankung im tropischen Pazifik, bei der sich die Meeresoberfläche in einem großen Bereich ungewöhnlich stark erwärmt. Dadurch verändern sich die atmosphärischen Strömungen und damit auch die Wetterlagen in anderen Teilen der Welt. Für Europa und Deutschland lässt sich daraus allerdings keine verlässliche konkrete Winterprognose ableiten. Der Einfluss von El Niño auf das europäische Winterwetter ist vergleichsweise schwach und wird von zahlreichen anderen Faktoren überlagert.

Was sagt der Deutsche Wetterdienst?

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erstellt ebenfalls saisonale Klimavorhersagen für Deutschland. Dabei werden nicht einzelne Wetterlagen Monate im Voraus vorhergesagt. Stattdessen berechnen die Modelle Wahrscheinlichkeiten dafür, ob ein Zeitraum im Vergleich zum langjährigen Mittel eher zu warm, normal oder zu kalt ausfallen könnte.

Der DWD kombiniert dafür unter anderem eigene Modellberechnungen mit internationalen Multi-Modell-Prognosen. Die Vorhersagequalität wird für die jeweiligen Zeiträume ebenfalls bewertet. Seit 2025 verwendet der DWD zudem ein weiterentwickeltes statistisches Verfahren, das Zusammenhänge zwischen der großräumigen atmosphärischen Zirkulation über dem Nordatlantik und der Temperatur beziehungsweise dem Niederschlag in Deutschland berücksichtigt.

Für eine belastbare Aussage über Dezember 2026 bis Februar 2027 ist es deshalb noch zu früh. Mit zunehmender Nähe zum Winter werden die saisonalen Modelle regelmäßig neu gerechnet und können ihre Einschätzung deutlich verändern.

Kein Hinweis auf einen „Jahrhundertwinter“

Nach dem derzeitigen Stand lässt sich daher kein seriöser Hinweis auf einen extrem kalten Winter 2026/27 in Deutschland erkennen. Die bislang auffälligste Tendenz der Langfristmodelle geht eher in Richtung eines überdurchschnittlich milden Winters. Gleichzeitig könnte die atmosphärische Entwicklung rund um das erwartete starke El-Niño-Ereignis für einzelne winterliche Wetterlagen sorgen.

Das bedeutet: Auch wenn die Saison insgesamt mild ausfallen sollte, sind einzelne markante Kälteperioden, Schneefälle oder Frostphasen keineswegs ausgeschlossen. Ein milder Winter kann durchaus einige Tage oder Wochen mit echtem Winterwetter enthalten.

Eine belastbare Einschätzung, ob Deutschland im Winter 2026/27 häufiger mit Schnee, Frost oder außergewöhnlicher Kälte rechnen muss, wird voraussichtlich erst im Herbst und insbesondere im November und Dezember möglich sein. Die derzeitigen Modelle liefern vor allem eine grobe Richtung – und diese spricht momentan eher gegen einen extrem kalten Winter.

Fazit: Nach den aktuell verfügbaren Prognosen ist ein überdurchschnittlich milder Winter derzeit wahrscheinlicher als ein Extremwinter. Ein außergewöhnlich kalter Winter kann zu diesem frühen Zeitpunkt aber weder ausgeschlossen noch seriös vorhergesagt werden. Die kommenden Monate und insbesondere die Entwicklung von El Niño, Polarwirbel, Jetstream und Nordatlantikzirkulation werden entscheidend sein.