
Das Nürnberger Brückenfestival steht finanziell mit dem Rücken zur Wand, das ist seit Ende Juli 2026 bekannt. Die Kosten für das eintrittsfreie Open-Air unter der Theodor-Heuss-Brücke sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen - das Team hinter dem „Brü“ schlägt Alarm (wir berichteten). Besonders die Gebühren für die genutzte Fläche sorgen inzwischen für noch mehr Unmut: 2026 muss das Festivalteam nach eigenen Angaben 5000 Euro zahlen – statt bislang 800 Euro. Das entspricht einer Steigerung von 525 Prozent, die nun vor zwei Tagen von dem ehrenamtlichen Festival-Team über Social Media bekannt gemacht wurde.
Wie Marian Gosoge vom Organisationsteam im Gespräch mit nordbayern Ende Juli erklärt, belaufen sich die Gebühren an die Stadt nach aktuellem Stand zunächst insgesamt auf rund 8200 Euro netto. Allerdings seien noch nicht alle Gebührenbescheide eingegangen. „Wenn es auch bei anderen Ämtern Erhöhungen gibt, wird diese Zahl auch etwas höher ausfallen“, sagt Gosoge. Genau das ist nun der Fall: Die Stadt, konkreter das Liegenschaftsamt, hat die Gebühren, die das Festival für die Nutzung der Fläche an die Verwaltung abdrücken muss, drastisch erhöht. Dem stehen rund 12.000 Euro Unterstützung durch die Stadt Nürnberg gegenüber.
Das Festivalteam spricht angesichts der gesamten Kostenentwicklung von einer zunehmend schwierigen Lage. Die jährlichen Gesamtausgaben des seit 2001 bestehenden Festivals liegen inzwischen bei rund 250.000 Euro. Bezahlt werden müssen unter anderem Künstlergagen, Technik, Infrastruktur, Sicherheitsdienste, Platzreinigung, Genehmigungen und die notwendige Ausstattung des Geländes. Gehälter fallen dagegen nicht an: Das Brückenfestival wird vollständig ehrenamtlich organisiert. Dennoch: 100.000 Euro fehlen in den Kassen, um das Brückenfestival tragfähig zu machen und es 2027 sowie darüber hinaus in seiner gewohnten Form stattfinden zu lassen.
Stadt Nürnberg steigert Gebühren für Veranstaltungen - Brückenfestival spricht von 525 Prozent Kostenanstieg
Jetzt wird die Lage noch enger: Belastend kommt nun die Kostensteigerung für die Veranstaltungsfläche unter der Theodor-Heuss-Brücke hinzu. Nach Angaben des Teams kostete die städtische Genehmigung zur Sondernutzung der Fläche im vergangenen Jahr noch 800 Euro. Für 2026 werden dafür nun 5000 Euro fällig - wie das Team postuliert, sei das eine Steigerung von 525 Prozent. Zusammen mit weiteren Gebühren fließe damit ein großer Teil der städtischen Förderung wieder an die Stadt zurück, kritisieren die Organisatoren in dem jüngsten Posting.
Auf Nachfrage der Redaktion weist die Stadt Nürnberg den Eindruck zurück, das Brückenfestival werde gezielt stärker zur Kasse gebeten, nachdem unter anderem eine Haushaltssperre in Nürnberg verhängt wurde. Für das Festival würden – wie für alle anderen Veranstaltungen auch – Gebühren nach dem vom Stadtrat beschlossenen Sondernutzungsgebührenverzeichnis berechnet, sagt ein Sprecher. „Für Veranstaltungen ist je nach Art und Umfang der Flächeninanspruchnahme eine Tagespauschale von 15,30 Euro bis 1.524 Euro festzulegen; Auf- und Abbautage werden seit diesem Jahr mit 25% der Tagesgebühr berechnet“, sagt der Sprecher konkret.
Das Brückenfestival findet auf einer Grünfläche statt, dafür fallen Nutzungsgebühren an. Genutzt wird diese unter anderem für Verkaufsstände, Zelte, Pavillons, eine großflächige Tisch- und Stuhlaufstellung sowie Bühnen und Podien. „Eine Überprüfung der Gebührenkalkulation habe ergeben, dass der bisherige Gebührenansatz über Jahre unverändert geblieben sei“, erklärt der Sprecher weiter. Bei neuen Veranstaltungen könne eine Gebühr im Sinne einer Pilotierung, also einem Testlauf, zunächst in Ausnahmefällen sehr niedrig angesetzt werden. Dieser Ansatz sei beim Brückenfestival jedoch „über die Jahre unverändert geblieben“, so der Sprecher.
Um den Gleichbehandlungsgrundsatz zu wahren, habe die Verwaltung die Gebühr deshalb für 2026 neu festgesetzt. „Neben den Gebühren für die Veranstaltung selbst wurden gegenüber den Vorjahren Gebühren für die vom Antragsteller mitgeteilten Auf- und Abbautage in Höhe von rund 2.000 Euro einberechnet. Dieser Gebührenansatz ist neu und beruht auf einer Festlegung durch den Stadtrat, an die die Verwaltung gebunden ist“, erklärt er weiter.
Getränkeverkauf trägt das Brückenfestival in Nürnberg
Die finanzielle Konstruktion des Festivals ist besonders anspruchsvoll, weil der Eintritt frei bleibt. Die wichtigste Einnahmequelle ist deshalb der Getränkeverkauf, wie Marian Gosoge erklärt. Nach der vom Festival veröffentlichten Einnahmenübersicht machte der Ausschank im Jahr 2025 rund 72,32 Prozent der Gesamteinnahmen aus. Weitere Einnahmen kamen aus Spenden, Standmieten, Sponsoring, der städtischen Förderung und den Aftershowpartys, deren Anteile das Brückenfestival auf Instagram mit der Öffentlichkeit teilt.
Auf der Ausgabenseite entfiel der größte Anteil mit rund 41 Prozent auf Technik und Infrastruktur. Hinzu kamen die Gagen und die Verpflegung der Künstlerinnen und Künstler, Organisation und Verwaltung, Sicherheitsdienst und Platzreinigung sowie der Einkauf der Getränke - das wird ebenfalls in dem jüngsten Posting transparent. Rund sechs Prozent der Ausgaben flossen in die Verpflegung der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer.
Gerade diese Abhängigkeit vom Getränkeumsatz macht das Festival anfällig. Ein Regentag oder große Hitze können dazu führen, dass deutlich weniger Getränke verkauft werden. Früher habe es noch Rücklagen gegeben, um solche Wetterrisiken abzufedern, erklärt Gosoge. Dieser Puffer sei inzwischen weitgehend verschwunden. Auch die Corona-Förderung aus dem Programm „Neustart Kultur“ in Höhe von 74.000 Euro sei aufgebraucht. Nach Angaben des Teams lagen die Ausgaben 2019 noch rund 100.000 Euro niedriger, während die Einnahmen heute ungefähr auf einem ähnlichen Niveau liegen.
2027 könnte das Brückenfestival kleiner werden
Für 2026 soll das Brückenfestival noch in gewohnter Form stattfinden. Danach sind jedoch Einschnitte wahrscheinlich. An der grundlegenden Infrastruktur könne kaum gespart werden, erklärt Gosoge: Für die erwartete Publikumsgröße brauche es weiterhin ausreichend Sicherheitskräfte, Toiletten und technische Einrichtungen.
Einsparungen seien daher vor allem im kreativen Bereich denkbar. So könnte beispielsweise die bisherige Zeltbühne durch einen kleineren Pavillon ersetzt werden. Das Team wolle dort kürzen, wo es organisatorisch machbar sei – auch wenn das inhaltlich schmerze.
Nach Hilferuf: Große Welle der Unterstützung für das Brückenfestival Nürnberg
Seit dem finanziellen Hilferuf via Instagram Ende Juli erlebt das Festivalteam nach eigenen Angaben eine enorme Solidaritätswelle. In den sozialen Netzwerken habe sich ein regelrechter „Lovestorm“ entwickelt: Viele Menschen reagierten mit Nachrichten, Kommentaren und Solidaritätsbekundungen. Zahlreiche Unterstützerinnen und Unterstützer wollten nicht nur ihr Bedauern ausdrücken, sondern konkret dazu beitragen, dass das Festival erhalten bleibt.
Dafür hat das Team die Fördermitgliedschaft „BRÜ BFF“ ins Leben gerufen. Die Beiträge liegen – je nach Modell – bei 25, 50 oder 100 Euro im Jahr. Inzwischen haben sich 120 Menschen als Fördermitglieder angemeldet. Zusammen haben sie bereits 6000 Euro an Mitgliedsbeiträgen zugesichert.
Für das Team ist das zunächst ein wichtiger Erfolg. Das Geld reicht zwar noch nicht aus, um die strukturelle Finanzierung des Festivals zu lösen. Es zeige aber, dass viele Menschen bereit sind, Verantwortung für das „Brü“ zu übernehmen. Der Aufbau einer stabilen finanziellen Grundlage werde kein Sprint, sondern eher eine „Tour de France“, heißt es sinngemäß in dem Instagram-Post. Das erste Etappenziel sei jedoch erreicht, dennoch bleibt für die Organisatoren die zentrale Frage, wie sich das Festival langfristig unabhängig finanzieren lässt, ohne seinen Charakter zu verlieren. Die Unterstützung der vergangenen Wochen macht dem Team Mut, so Marian Gosoge.
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