
Die Not ist inzwischen so groß, dass nun Konsequenzen folgen und das Team auf Unterstützung aus der Stadtgesellschaft hofft: Aufgrund der massiven Preissteigerungen der vergangenen Jahre sieht sich das Organisationsteam des Brückenfestivals nicht mehr in der Lage, die Veranstaltung im Jahr 2027 in ihrer gewohnten Form stattfinden zu lassen - das veröffentlichten die Ehrenamtlichen in einem Post vor der diesjährigen Ausgabe des beliebten und bekannten Umsonst-und-Draußen-Festivals, das alljährlich im August unter der Theodor-Heuß-Brücke im Stadtwesten über die Bühne geht. Obwohl das Festival in diesem Jahr noch einmal vollständig und in gewohnter Form durch ehrenamtliches Engagement realisiert werden konnte, ist die finanzielle Belastungsgrenze nun erreicht, erklärt Marian Gosoge aus dem Team im Gespräch mit nordbayern.de.
Die jährlichen Gesamtausgaben für das Traditionsevent (es besteht seit 2001) belaufen sich mittlerweile auf 250.000 Euro - eine Summe, die auch wieder eingespielt werden muss, damit man finanziell handlungsfähig bleibe. Diese Summe deckt unter anderem die Gagen für Künstler und Künstlerinnen, notwendige Genehmigungen wie Sondernutzungsgebühren, die Veranstaltungstechnik sowie die gesamte Infrastruktur ab. Demgegenüber steht - neben aktuell zehn Prozent Spenden - eine öffentliche Förderung: Fünf Prozent der Brü-Einnahmen stammen von der Stadt Nürnberg.
Den allergrößten Teil des Budgets - knapp 73 Prozent - erwirtschaftet das Festivalteam mit rund 100 Ehrenamtlichen durch den Getränkeverkauf an den beiden Veranstaltungstagen selbst. „Früher war es so, dass wir auch einen Puffer für zwei Festival-Tage mit Schlechtwetter, also Regen oder große Hitze, hatten. Das ist nicht mehr so“, sagt Gosoge. Das Wetterrisiko bedroht die Existenz des Brückenfestivals, weil inzwischen kaum Rücklagen vorhanden sind. Heißt: Schon ein einziger Regentag mit schwachem Getränkeumsatz könnte das finanzielle Ende des Events bedeuten. Seit Jahren kommt das Festival ohnehin nur noch knapp über die Runden.
Das Team benötigt folglich dringend ein geringeres finanzielles Planungsrisiko, ein solides finanzielles Fundament, das auch Regentage abfedern können muss. Sollte es beispielsweise zu wetterbedingten Einbrüchen beim Getränkeverkauf kommen, breche das finanzielle Fundament sofort zusammen, schildert Marian Gosoge im Gespräch weiter.
Den Turn macht er um die Corona-Pandemie herum aus: 2019 lagen die Ausgaben noch um 100.000 Euro niedriger, die Einnahmen waren ähnlich wie heute“, führt er aus. „Jetzt sind wir eigentlich insolvent“, schiebt er bitter nach. Nach Corona hatte das Ehrenamtlichen-Team im Jahr 2022 eine Förderung aus dem Topf „Neustart Kultur“ in Höhe von 74.000 Euro vom Bund erhalten. Doch dieser Puffer sei abgeschmolzen - und man müsse sich die Frage stellen, wie es weitergehen kann. „Nach aktuellem Stand bezahlen wir netto rund 8200 Euro Gebühren an die Stadt. Wir haben aber noch nicht alle Gebührenbescheide erhalten. Wenn es auch bei anderen Ämtern Erhöhungen gibt, wird diese Zahl auch etwas höher ausfallen“, erklärt Gosoge. Die Unterstützung durch die Stadtverwaltung belaufe sich auf etwa 12.000 Euro, umgerechnet exakt 4,8 Prozent. Doch die 100.000 Euro vor Corona seien jetzt die Euros, die fehlen.
Brückenfestival e.V. Nürnberg hofft auf viele Fördermitglieder
Gosoge berichtet weiter, dass das Team seit rund zehn Jahren appelliere, mehr Unterstützung zu erhalten, um das Risiko weiter tragen zu können. Doch sei das Team jetzt davon abgekommen, über den politischen Weg auf mehr Support zu hoffen. „Wir tragen es in die Stadtgesellschaft und hoffen dort auf Hilfe“, erzählt Gosoge im Gespräch weiter. Daher ruft das Brü-Team nun öffentlich die Fans und Follower auf Social Media auf, Fördermitglied fürs Brückenfestival zu werden - zwischen 25, 50 und 100 Euro variieren die Auswahlmöglichkeiten für Sympathisantinnen und Sympathisanten. „Eine Basis ist schon jetzt zu spüren“, so Gosoge, „wir sind daher absolut zuversichtlich, zumindest 2026 und den Jahresbetrag für 2027 tragen zu können - und wir mit einem blauen Auge davon kommen“. Hoffnung besteht im Team, sagt er noch hinterher.
Eintritt zu verlangen, wie es andere Festivals tun, kommt hingegen für die Macher hinter dem Brückenfestival nicht infrage: „Wir leisten einen gemeinnützigen Beitrag, aus der Gesellschaft für die Gesellschaft. Wir wollen es so niederschwellig wie möglich halten und niemanden ausschließen“, führt Gosoge dazu aus.
Brückenfestvial Nürnberg: Erste Einschnitte im kommenden Jahr 2027
Daher plane man für das kommende Jahr 2027 erstmal mit Einschnitten dort, wo es möglich ist. „An der Infrastruktur können wir wenig ändern: Wir brauchen für die Publikumsgröße einfach so und so viele Sicherheitskräfte oder Dixie-Klos“, sagt Marian Gosoge. Gerade die Sicherheitsaspekte seien die teuersten in der Gesamtrechnung. „Wir wollen deswegen künstlich verknappen“, so Gosoge, also bei kreativen Themen einsparen, „auch, wenn es uns sehr schmerzt“. Das könnte beispielsweise bedeuten, dass anstatt der Zeltbühne für 1500 Besucherinnen und Besucher ein kleiner Pavillon mit kleinerer Bühne aufgestellt werde. Oder beispielsweise weniger Bands auftreten, um bei den Gagen einzusparen. Wo konkret gekürzt wird, das wird das Team freilich nach der diesjährigen Ausgabe am Wochenende vom 7. und 8. August, durchexerzieren und dann planen.
So reagiert die Stadtverwaltung in Nürnberg
„Das Brückenfestival ist ein etabliertes Kulturformat und trägt zur kulturellen Vielfalt sowie zur Belebung des öffentlichen Raums in Nürnberg bei. Die Stadt Nürnberg begrüßt das große ehrenamtliche Engagement der Organisatorinnen und Organisatoren und erkennt dessen Beitrag für das kulturelle Leben ausdrücklich an“, antwortet die Stadt auf die Nachfrage von nordbayern über den Stellenwert des Brückenfestivals in und für die Stadtgesellschaft.
Die städtische Föderung von fünf Prozent erfolge im Rahmen der geltenden Förderrichtlinien nach Antragslage, „die seit Jahren stabil formuliert wird“, heißt es zur Nachfrage über die Förderhöhe. Für das laufende und kommende Jahr habe die Organisation des Brückenfestivals wie auch in den Vorjahren „einen Zuschuss in Höhe von 15.000 Euro beantragt, bewilligt wurden hiervon im Rahmen des Fördertopfes „Kulturfestivals“ 12.000 Euro bei positiven Finanzkennzahlen bis einschließlich 2025“, teilt die Stadt weiter mit. Ob und in welchem Umfang höhere Förderungen möglich sind, hänge maßgeblich von der generellen Antragslage ab sowie grundsätzlich von den politischen Beschlüssen des Stadtrats. Die Frage, ob Unterstützung nicht-finanzieller Natur durch die Stadt möglich sei, wurde nicht beantwortet.
„Die Stadt Nürnberg ist sich der veränderten Rahmenbedingungen für viele Kulturveranstalter bewusst“, doch steigende Personal-, Sach- und Veranstaltungskosten stellten derzeit zahlreiche Kulturveranstalter vor große Herausforderungen. „Viele Projekte reagieren mit einer Anpassung ihrer Konzepte, einer stärkeren Einwerbung von Drittmitteln, zusätzlichen Sponsorinnen und Sponsoren oder einer veränderten Ausgestaltung ihrer Angebote. Diese Entwicklungen betreffen den gesamten Kulturbereich und sind nicht auf einzelne Veranstaltungen beschränkt“, heißt es seitens des Kulturreferats abschließend.
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