
Die Zustimmung galt als wahrscheinlich und jetzt ist sie da: Der Nürnberger Stadtrat hat am Mittwoch einstimmig beschlossen, das Max-Morlock-Stadion vollständig umzubauen. Die sogenannte Vorzugsvariante wird nun weiter ausgearbeitet. Sie soll im vorgesehenen Kostenrahmen von 260 bis 280 Millionen Euro liegen. Bis Ende des Jahres soll die europaweite Ausschreibung für einen Totalübernehmer vorbereitet werden. Zur Saison 2031/32 soll die neue Spielstätte stehen.
Parallel zum Ausbau der Planung erstellt die Stadt einen Businessplan. Gemeinsam mit dem 1. FC Nürnberg und dem Freistaat Bayern soll daraus ein Finanzierungskonzept entwickelt werden. Der nächste große Meilenstein ist für den 16. Dezember 2026 geplant: Dann soll der Stadtrat die Vergabe des Projekts auf den Weg bringen.
Interimsstadion für den FCN in Nürnberg? Zeppelinfeld ist raus
Offen bleibt weiterhin, wo der FCN während der Bauzeit spielt. Die Diskussion über ein mögliches Interimsstadion nahm in der öffentlichen Sitzung am Mittwoch breiten Raum ein – mehr als die Diskussion über einzelne Komponenten des Umbaus selbst. Der Plan ist dabei weiter ein Umbau im laufenden Betrieb. Beim Club möchte man das nach Möglichkeit vermeiden. Die Suche nach einem Standort für ein Interimsstadion läuft weiter – das Zeppelinfeld wurde heute allerdings ausgeschlossen und kommt nicht mehr infrage. „Der historisch bedeutende Lern- und Begegnungsort lässt sich nicht mit einer Nutzung vereinbaren, die die Fläche über Jahre hinweg belegen und ihrem eigentlichen Zweck entziehen“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung aus dem Rathaus.
Der ursprüngliche Beschlussvorschlag sah unter Punkt 3 noch ausdrücklich vor, ein temporäres Interimsstadion im Nürnberger Stadtgebiet „nicht weiter zu verfolgen“ – im finalen Beschlusstext war dieser Passus nicht mehr zu finden. Und so ist der von der CSU-Fraktion ins Spiel gebrachte Flughafen als Standort für ein Interimsstadion weiter im Rennen. Diese Möglichkeit soll weiter geprüft werden wie andere Standorte auch. Bis Ende des Jahres soll die Prüfung abgeschlossen werden. Investitionen der Stadt Nürnberg in ein Interimsstadion außerhalb Nürnbergs – etwa in Roth oder Ansbach – schließt der Stadtrat allerdings aus.
Auch die Möglichkeit, ein bestehendes Stadion in der Region zu nutzen, wird weiter gemeinsam mit dem Club geprüft. Als Ausweichspielstätten stehen dabei etwa Ingolstadt, Regensburg, Augsburg oder das Münchner Olympiastadion im Raum. Gegen eine Verlagerung der Heimspiele aus Nürnberg heraus hatte es vor der Sitzung Protest von Club-Fans gegeben. Bürgermeister Andreas Krieglstein betonte jedoch, dass die Prüfung einer Ausweichspielstätte ohnehin Pflicht sei: Die Deutsche Fußball-Liga verlangt vom FCN auch beim Bauen im laufenden Betrieb die Benennung einer Ausweichoption – für den Fall, dass es auf der Baustelle zu Komplikationen kommt.
„Club-Fans haben eine neue Heimat“
Krieglstein begrüßte den am Mittwoch gefassten Beschluss. „Ich freue mich, dass wir heute durch den Stadtrat den Auftrag erhalten haben, die Planung für den Umbau weiter voranzutreiben“, sagte er. Das neue Stadion solle den Fußballfans und Konzertbesuchern ein besseres Erlebnis bieten, gleichzeitig aber auch wirtschaftlich funktionieren und sich langfristig selbst tragen. Davon würden alle profitieren. „Die Stadtgesellschaft hat einen modernen Standort für Veranstaltungen aller Art, die Club-Fans haben eine neue Heimat, der Freistaat hat einen Trumpf bei der Bewerbung um Großveranstaltungen wie Olympia oder Weltmeisterschaft und die Stadt muss keinen Verlustausgleich mehr stemmen. Genau dafür schaffen wir jetzt die Grundlage“, sagte Krieglstein.
Der Stadtrat hat sich in seiner Entscheidung für die Vorzugsvariante bewusst auf den Stadionbau konzentriert. Der Club ist mit dieser Entscheidung zufrieden. FCN-Finanzvorstand Stefan Heim sagte kürzlich im Gespräch mit unserer Redaktion: „Wir sind sehr glücklich mit der Vorzugsvariante, da steckt sehr viel Club drin. Einziger Wermutstropfen ist, dass das Parkhaus gestrichen wurde. Dadurch fallen auch zusätzliche VIP-Parkplätze weg. Das ist aber etwas, das sich später nachrüsten lässt.“
Was das neue Max-Morlock-Stadion bieten soll
Das neue Max-Morlock-Stadion ist als umlaufende Zweirangtribüne geplant. Die Laufbahn entfällt, die Tribünen rücken näher ans Spielfeld. Die denkmalgeschützte Fassade der Haupttribüne und die prägende Achteckform bleiben erhalten und werden in das neue Konzept integriert. Gleichzeitig sollen größere und modernere Flächen für Kioske, sanitäre Einrichtungen, Einsatzkräfte und den Hospitality-Bereich entstehen. Auf der Haupttribüne sind rund 3000 VIP-Plätze geplant, die auf 3500 erweitert werden könnten. Auch die Barrierefreiheit soll deutlich verbessert werden. Die Plätze für Rollstuhlfahrende sollen von 90 auf 250 erhöht werden.
Bei internationalen Spielen sollen mehr als 40.000 Sitzplätze zur Verfügung stehen, womit das Stadion die Voraussetzungen für große Turniere wie eine Weltmeisterschaft erfüllen würde. Auch für Konzerte und andere Großveranstaltungen soll es genutzt werden können. Bei Heimspielen des FCN soll das neue Max-Morlock-Stadion rund 50.000 Zuschauerinnen und Zuschauern einen Platz bieten. Rund 15.200 sollen davon Stehplätze in der Nordkurve sein – verteilt auf Ober- und Unterrang.


