Nürnberg - LitRPGs sind voll im Trend. Das liegt nicht zuletzt an der Reihe „Dungeon Crawler Carl“ von Matt Dinniman. Doch auch das neue Buch von Django Wexler hat es in sich.

LitRPG steht für Literary Role Playing Game. Dieses Genre bringt Computer-Rollenspiele ins Literaturformat, meist in Verbindung mit Fantasy und den vielen Subgenres. Django Wexler zieht diese Verbindung noch konsequenter durch, als viele andere LitRPGs, denn er etabliert in seiner Dilogie um Dark Lord Davi ein Meta-Thema, das allen Rollenspiel-Fans vertraut ist.

Denn in Singleplayer-Computerrollenspielen gibt es nur uns und das Spiel, alle anderen Figuren sind sogenannte NPCs, Non-Player-Characters. Und weil Davi, die Hauptfigur der Reihe, immer am gleichen Anfangspunkt aufwacht, sobald sie stirbt, werden alle anderen Personen ihrer Welt für sie auch zu NPCs. Zumindest gilt das für Band 1. In Band 2, „Everybody Wants to Rule the World Except Me“, sieht die Welt schon etwas anders aus.

„Everybody Wants to Rule the World Except Me“: Das Finale um Dark Lord Davi

Wir erinnern uns: In Band 1 der Reihe konnte Davi endlich den schier endlosen Kreislauf brechen. Nachdem sie unzählige Male daran gescheitert war, die Menschheit vor dem bösen Dark Lord zu retten, wurde sie kurzerhand selbst zum Dark Lord. Ein überraschender Nebeneffekt: Die Zeitschleife, durch die sie im Falle ihres Todes immer wieder am gleichen Startpunkt spawnt, wurde verändert. Jetzt gibt es kein Zurück mehr.

Wenn die Aufgabe, die sich Davi in Band 1 gestellt hat, unmöglich schien, sieht das mit Band 2 ganz ähnlich aus. Denn jetzt ist sie zwar Dark Lord, muss aber eine riesige Horde von Wildlingen in Zaum halten, von denen einige nur so darauf versessen sind, ins Königreich der Menschen einzufallen. Statt sie direkt zu zähmen, reist sie ins Königreich, um Friedensverhandlungen einzuleiten.

Doch das ist gar nicht so einfach, denn auf beiden Seiten gibt es Mächte, die alles andere wollen als Frieden. Nebenbei versucht sie, nicht völlig wahnsinnig zu werden ob der Tatsache, dass sich die Zeitschleife geändert hat und ihre Taten jetzt dauerhafte Folgen haben. Und ihre Beziehung mit der sexy Orkdame Tsav auf die Reihe zu bekommen, während sie ihren quasi Exfreund, Prinz Johann überzeugen muss, auf ihrer Seite zu kämpfen.

Währenddessen stößt Davi auf immer wildere Geheimnisse. Kann sie es schaffen, die Welt vorm Untergang zu bewahren und gleichzeitig aus dieser ewigen Zeitschleife zu entkommen?

„Everybody Wants to Rule the World Except Me“

von Django Wexler

  • übersetzt von Ruggero Leo
  • 416 Seiten
  • Penhaligon
  • ISBN: 978-3-7645-3361-8
  • 17 Euro

Dark Lord Davi: LitRPG meets High Fantasy

Wenn „Dungeon Crawler Carl“ eine postapokalyptische Urban Fantasy ist, ist „Dark Lord Davi“ eine waschechte High Fantasy. Also fast. Denn Davi bewegt sich auf einer komplett eigenen Welt, die mit unserer nichts zu tun hat. Doch auch wenn sich Davi nur undeutlich an ihre Vergangenheit erinnern kann, hat sie doch einzelne Erinnerungen an ihr Leben auf der Erde, von der sie tatsächlich stammt.

Das ist allerdings mehrere Tausend Jahre her und sorgt in erster Linie für sehr witzige, weil dezent wirre Querverweise und Vergleiche zur irdischen Popkultur. „Everybody Wants to Rule the World Except Me“ ist witzig, böse und ziemlich irre. Und gerade deshalb so grandios. Im Vergleich zu „Dungeon Crawler Carl“, in dem unter anderem auch hinterfragt wird, wie wir als Gesellschaft mit Reality-TV umgehen, hinterfragt „Dark Lord Davi“ eher den Umgang mit NPCs. Was augenscheinlich weniger Realitätsbezug hat.

Wer mit dem Begriff „Sonder“ etwas anfangen kann, sieht das vielleicht anders. Sonder bezeichnet die Erkenntnis, dass jeder einzelne Mensch, dem man begegnet, ein ebenso reiches und komplexes Leben führt wie man selbst. Und das, obwohl wir viele Menschen in unserer Umgebung manchmal nur so wahrnehmen, als wären sie NPCs in einem Computerspiel.

Für Davi ist diese Erkenntnis ein Schock, denn bis zur Veränderung der Zeitschleife in „How to Become the Dark Lord and Die Trying“ waren alle anderen Persönlichkeiten, denen sie begegnete, im Grunde wie NPCs. Alle ihre Taten waren nur temporär, letztendlich war es egal, was sie ihnen antat. Bis jetzt. Plötzlich ist es mit dem lotterleichten Leben frei von Konsequenzen dahin. Was einen durchaus dazu bringen kann, durchzudrehen.

Nicht unerwähnt soll an dieser Stelle bleiben, dass „Everybody Wants to Rule the World Except Me“ mit einer Triggerwarnung kommt, wie schon Band 1 der Reihe. Denn durch ihre einzigartigen Lebensumstände hat Davi ein gänzlich anderes Verhältnis zu Selbstverletzung und Suizid, weswegen sie nicht selten etwas lapidar mit der Thematik umgeht. Alle, die sich davon getriggert fühlen, sollten lieber die Finger von der Reihe lassen.

Ansonsten gilt: Wer auf LitRPG steht, darf sich „Dark Lord Davi“ nicht entgehen lassen. Und kann sich so nebenbei die Wartezeit verkürzen, bis endlich der nächste Band von „Dungeon Crawler Carl“ erscheint.