
Es ist bereits der elfte Fall, in dem Ernestine Kirsch ermittelt. Oder wie sie sagen würde: Sie geht „bloß Käse kaufen“ und stellt „ganz nebenbei ein paar Fragen“.
Einmal mehr entführt uns Beate Maly ins Wien der 1920er Jahre. Diesmal mit einer großen historischen Kulisse: Die Julirevolte und der Justizpalastbrand 1927, der eine große Erschütterung der noch jungen Demokratie markierte und ein entscheidender Tag für den späteren Untergang der Ersten Republik sein sollte.
Doch vorrangig geht es in „Mord im Planetarium“ um einen gewaltsamen Todesfall in der Wiener High Society. Wie passen diese beiden Handlungsstränge zusammen?
„Mord im Planetarium“ von Beate Maly: Buchtipp und Kritik
Auf einem Familienausflug im neu eröffneten Planetarium werden Ernestine Kirsch und Anton Böck Zeugen eines Todesfalls. Konrad Faber, Chirurg und Angehöriger eines reichen Tuchhändler-Clans, sitzt am Ende des packenden Vortrags über Planetenkonstellationen und Sterne leblos in seinem Sessel.
Der Fall scheint zunächst klar zu liegen. Ernestine und ihre Familie, inklusive Antons Schwiegersohn Erich, Oberkommissar der Kriminalpolizei, haben vor dem Vortrag mitangesehen, wie ein Streit zwischen den Zwillingsbrüdern Konrad und Matthias handgreiflich wurde und sich Konrad am Kopf verletzte.
Die Vermutung ist klar: Konrad Faber ist dieser Kopfverletzung erlegen, nachdem er jede medizinische Versorgung verweigert hatte. Doch die Obduktion liefert ein anderes Ergebnis: Konrad Faber ist vergiftet worden.
Erich nimmt die Ermittlungen auf und begibt sich in die Schlangengrube, die diese Familie darstellt. Jeder scheint jeden zu hassen, an Motiven mangelt es nicht. Und Ernestine geht auf ihre ganz eigene Art Erkundigungen einholen. Scheinbar zufällig trifft und plaudert sie mit Zeuginnen und Zeugen, doch statt Klatsch und Tratsch besorgt sie damit wichtige Hintergrundinformationen, mit denen sie und Erich gemeinsam diesen kniffligen Fall lösen können.
„Mord im Planetarium“
von Beate Maly
- 256 Seiten
- emons
- ISBN: 978-3-7408-2602-4
- 16 Euro (Buch und Kindle-Book bei Amazon)
Klatsch und Justizpalastbrand: Ist „Mord im Planetarium“ noch Cosy-Crime?
„‚Ernestine und du, ihr habt wirklich ein Händchen für Verbrechen. Ich kenne niemanden, der in den letzten Jahren in so viele Kriminalfälle verwickelt war wie ihr beiden.‘ ‚Mein Schwiegersohn ist Oberkommissar bei der Kriminalpolizei‘, brachte Anton als Entschuldigung vor. In Gedanken fügte er hinzu: Und Ernestine ist eine äußerst neugierige Person.“
Mit diesem Zitat aus „Mord im Planetarium“ ist eigentlich schon erklärt, wie eine ältere Dame und pensionierte Lateinlehrerin plötzlich zur Ermittlerin in einem Mordfall werden kann. Das perfekte Rezept für einen Cosy Crime à la Miss Marple. Klar, das Verbrechen ist gewalttätig, steht aber im Kontrast zur eher gelassenen und gemütlichen Atmosphäre bei der Ermittlungsarbeit.
Wäre da nicht der historische Kontext dieses historischen Kriminalromans. Denn der sogenannte Schattendorfprozess und die daraus resultierende Julirevolte und der Justizpalastbrand sind alles andere als „cosy“.
In der Handlung des Krimis spielen die Ereignisse zwar eine untergeordnete Rolle, doch spätestens, als Anton Böck auf der Suche nach seiner Enkelin in die Schusslinie zwischen Polizei und Demonstranten gerät, ist es mit der Gemütlichkeit vorbei.


