Nürnberg - Das Mittelmeer wird von einer Plage heimgesucht - eine Kreatur, die für Mensch wie Tier gleichermaßen tödlich ist. Inzwischen setzten mehrere Regierungen ein „Kopfgeld“ aus. Worauf Urlauber jetzt achten müssen.

Er hat fünf Flossen, Kiemen und messerscharfe, schnabelartige Zähne, die sich mühelos ins Fleisch von jedem graben, der ihm zu nahe kommt. Er ist eines der tödlichsten Tiere des Planeten, hochgradig invasiv, und bringt mittlerweile ein ganzes Ökosystem ins Wanken, sodass Behörden sich jüngst gezwungen sahen, einzugreifen, und ein Kopfgeld auszusetzen. Nein, die Rede ist nicht vom Weißen Hai, vom Barrakuda und auch nicht vom sagenumwobenen Riesenkalmar (der ganz nebenbei einen Schnabel und keine schnabelartigen Zähne besitzt). Die Rede ist von Lagocephalus sceleratus, dem Hasenkopf-Kugelfisch.

Das Tier breitet sich seit Jahren mit rasender Geschwindigkeit im Mittelmeer aus, auch in beliebten Urlaubsregionen. Badegäste und Fischer wurden bereits gebissen. Mehrere Regierungen ergriffen inzwischen drastische Maßnahmen, um der Plage Herr zu werden – und setzten Fang-Prämien für den Fisch aus.

Invasive Art breitet sich mit rasender Geschwindigkeit im Mittelmeer aus

Der Hasenkopf-Kugelfisch hat einen langgestreckten Körper und erreicht gewöhnlich eine Gesamtlänge von 40 cm, kann jedoch in Ausnahmefällen bis knapp über einen Meter lang werden. Das schwerste gemeldete Exemplar wog laut Fishbase neun Kilogramm. Die Art ist ursprünglich im tropischen Indo-Westpazifik beheimatet, migrierte aber über das Rote Meer durch den Suezkanal ins Mittelmeer. Laut dem Griechischen Zentrum für Meeresforschung deuten wissenschaftliche Modelle darauf hin, dass der Fisch eine zunehmend existenzielle Bedrohung für Biodiversität und Fischfang im Mittelmeerraum darstellt.

Bereits 2021 setzte die Türkische Regierung deshalb ein Kopfgeld auf die Kugelfische aus, Griechenland zieht jetzt nach. Pro Kilo der invasiven Fischart soll es künftig 5,33 Euro geben, wie die Tagesschau berichtet. Das Kopfgeld richte sich insbesondere an Berufsfischer rund um Kreta und in der südlichen Ägäis. Fischerei-Verbände begrüßen das Programm, das Tier fresse ihnen buchstäblich die Netze leer und eigne sich selbst kaum zum Verzehr - aus einem triftigen Grund.

Eines der tödlichsten Tiere des Planeten

Wie der Name bereits vermuten lässt, gehört der Hasenkopf-Kugelfisch zu den Kugelfischen. Wer sich in fernöstlicher Kulinarik auskennt, dem dürfte bei diesem Namen direkt die Küchenglocke läuten. In Japan gilt Fugu als besondere Spezialität. Fugu ist ein Fischgericht – und in der Tat besonders speziell. Immer wieder sterben Menschen infolge des Verzehrs.

Die Grundlage von Fugu ist Kugelfisch – und Kugelfische zählen zu den giftigsten Tieren des Planeten. Sie produzieren das extrem starke Nervengift Tetrodotoxin, das sich sowohl in den Innereien als auch in der Haut der Tiere befindet, maßgeblich aber in den Eierstöcken und der Leber konzentriert (japan.de). Ein falscher Schnitt und das Kugelfischgift tritt aus. Die orale Aufnahme löst schnell Vergiftungserscheinungen aus.

Bei einer Tetrodoxinvergiftung werden anfangs Zunge und Hände taub, bis schließlich der ganze Körper gelähmt ist. Im schlimmsten Fall führt die Vergiftung zum Herzstillstand und damit zum Tod. In Griechenland sei bislang allerdings nur ein Fall von fünf Matrosen bekannt, die den Fisch geangelt und verzehrt hatten. Sie zogen sich eine Vergiftung zu, starben allerdings nicht daran.

Tiere können heftige Bisswunden zufügen

Wer den Fisch nicht isst, muss sich dennoch vor seinem kräftigen Biss in Acht nehmen, auch wenn dieser selbst nicht giftig ist. Die Zähne des Hasenkopf-Kugelfischs sind messerscharf und können tiefe Wunden mit starken Blutungen verursachen. Laut der griechischen Tageszeitung Ta Nea musste eine ältere Frau nahe Athen nach einem Biss ins Krankenhaus gebracht und genäht werden.

Die Bandbreite der Verletzungen reicht von Bisswunden an den Schienbeinen bis zu Angriffen am Gesäß oder im Genitalbereich. Vor allem Fischer berichten immer wieder davon, beim Säubern der Netze von dem Fisch gebissen zu werden.

Für Badegäste gibt das Griechische Zentrum für Meeresforschung hingegen erstmal Entwarnung. Neben der älteren Frau sei bislang nur ein einziger Vorfall aus dem Jahr 2022 bekannt, bei dem ein Badender gebissen wurde.

Was tun bei einem Kugelfisch-Biss? Griechisches Rotes Kreuz veröffentlicht Tipps

Das Griechische Rote Kreuz hat Mitte Juni 2026 offizielle Erste-Hilfe-Empfehlungen veröffentlicht, nachdem sich die Hasenkopf-Kugelfische in den griechischen Gewässern zuletzt weiter vermehrten:

  • Wunde sofort spülen: Mit reichlich sauberem, fließendem Wasser und Seife gründlich reinigen. Externe Desinfektionsmittel nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden.
  • Blutung stoppen: Mit sauberer Gaze oder einem Tuch festen Druck ausüben. Bei starker Blutung die betroffene Extremität hochhalten und Druck halten.
  • •Sofort zum Arzt: Bisswunden erfordern ärztliche Behandlung – oft sind eine Tetanusimpfung und Nähte nötig.
  • Notruf wählen: Bei starker Blutung oder abgelegenem Unfallort: in Griechenland 166 (Rettungsdienst) oder europaweit 112.

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