
„Herr Ober! Die Rechnung – bitte flambiert!“ Mit dieser geistreichen Allzweckwaffe im gastroverbalen Repertoire sind Sie in jedem Restaurant König. Vorausgesetzt natürlich, Sie sind vor 1964 geboren – und geben dann auch ein königliches Trinkgeld. Hat der Ober und zwar immer nur der Ober (nicht die Oberin: leitende Vorgesetzte einer klösterlichen Ordensgemeinschaft) einen guten Tag, wird er sich daraufhin höflich bedanken, ist seine Tochter heute entgegen allen Erwartungen doch nicht durchs Abi gerasselt, vielleicht sogar lächeln. Zumindest in Deutschland sind Sie damit auf der sicheren Seite. Aber Obacht. Denn andere Länder – andere Sitten. Und was hierzulande hui ist, kann anderswo pfui sein. Worauf es zu achten gilt, wenn man im Ausland Trinkgeld gibt - und wie und ob.
Trinkgeld in den skandinavischen Ländern
In Nordeuropa hat das Thema Trinkgeld keinen hohen Stellenwert, wie die Volksbanken Raiffeisenbanken auf ihrer Website informieren. In Restaurants und Hotels sei der Service meist schon in der Rechnung enthalten. Wer zufrieden ist, dem steht natürlich frei, den zu zahlenden Betrag aufzurunden und auf das Wechselgeld zu verzichten. Hotelpersonal wie Zimmerservice und Kofferträger erhalten üblicherweise eine kleine finanzielle Anerkennung. In Norwegen, Dänemark und Finnland sind fünf Prozent Trinkgeld üblich. In Schweden ist es mittlerweile allerdings durchaus verbreitet, ein Trinkgeld zu geben, das meist bei etwa zehn Prozent liegt. In Skandinavien ist es gang und gäbe, das Trinkgeld per Karte zu zahlen.
Trinkgeld in den USA und Kanada
In Nordamerika liegt das übliche Trinkgeld bei fünfzehn bis zwanzig Prozent der Rechnungssumme. Besonders in den Vereinigten Staaten hat der sogenannte „Tip“ einen hohen Stellenwert, da Beschäftigte im Servicebereich – etwa Kellner oder Zimmerservice – oftmals nur geringe Grundlöhne beziehen. In Hotels gelten ein Dollar pro Gepäckstück für den Gepäckservice sowie ein bis fünf Dollar pro Nacht für den Zimmerservice als angemessen. Wer Letzteres entrichtet, sollte eine kurze Notiz hinterlassen, damit eindeutig erkennbar ist, für wen das Geld bestimmt ist. Taxifahrer erhalten im Schnitt rund fünfzehn Prozent Trinkgeld.
Trinkgeld in Australien und Neuseeland
In Australien und Neuseeland ist das Geben von Trinkgeld deutlich weniger verbreitet als in vielen anderen Ländern und wird in der Regel nicht erwartet. Wer dennoch besonders guten Service honorieren möchte, kann etwa zehn Prozent des Rechnungsbetrags geben. Das gilt beispielsweise für mehrtägige Touren mit einem Reiseleiter. In solchen Fällen gelten ein bis zwei Euro pro Tag und Person als angemessen. In Neuseeland ist es inzwischen zudem üblich, Taxifahrern ein Trinkgeld zu geben. Meist genügt es jedoch, den Fahrpreis aufzurunden.
Trinkgeld in Südeuropa und der Türkei
In Griechenland, Frankreich, Spanien und Italien wird das Trinkgeld in der Regel nicht einfach aufgerundet. Wer mit dem Service zufrieden ist, gibt meist zusätzlich zehn bis fünfzehn Prozent der Rechnungssumme. Bei Kartenzahlung ist es üblich, das Trinkgeld anschließend in bar auf dem Tisch liegen zu lassen.
In Italien findet sich auf der Rechnung häufig zudem der Posten „Coperto“. Dabei handelt es sich um eine Pauschale für Gedeck und Brot. Wer darüber hinaus Trinkgeld geben möchte, legt in der Regel noch etwas dazu. Maximal zehn Prozent sind laut ing.de ausreichend, falls man noch etwas für den Service drauflegen möchte.
In Portugal wird Trinkgeld zwar nicht ausdrücklich erwartet, dennoch wird eine kleine Aufmerksamkeit in Restaurants oder Taxis geschätzt. Einen festen Prozentsatz gibt es dort nicht. Oft lassen Gäste lediglich einige Münzen des Wechselgelds zurück.
In der Türkei hingegen gilt es als unhöflich, kein Trinkgeld zu geben. Das sogenannte „Bahşiş“ beträgt meist etwa zehn Prozent oder etwas mehr.
Generell gehört Trinkgeld in vielen südlichen Ländern zum guten Ton. Zudem gehören getrennte Rechnungen dort häufig nicht zum guten Ton.
Trinkgeld in Großbritannien und Irland
In Großbritannien und Irland sind bei gutem Service in der Regel zehn bis fünfzehn Prozent Trinkgeld üblich. Häufig enthält die Rechnung jedoch bereits eine sogenannte „Service Charge“. In diesem Fall fällt das zusätzliche Trinkgeld meist geringer aus.
Trinkgeld in Japan
In Japan ist Trinkgeld unüblich und gilt häufig sogar als unhöflich. Anders als in vielen westlichen Ländern wird guter Service dort als selbstverständlich angesehen und nicht zusätzlich honoriert. Wer dennoch Geld zurücklässt, kann damit eher Irritation auslösen als Dankbarkeit zeigen.
Ausnahmen gibt es vereinzelt in internationalen Hotels oder bei Reiseveranstaltern, die mit westlichen Gewohnheiten vertraut sind. Auch dort sollte jedoch zurückhaltend gehandelt werden. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, verzichtet in Japan grundsätzlich auf Trinkgeld.
Trinkgeld in Singapur
In Singapur gibt es kaum eine ausgeprägte Trinkgeldkultur. In dem wohlhabenden Stadtstaat ist ein zusätzliches Entgelt vielerorts unüblich und wird teilweise sogar abgelehnt. Am Flughafen ist Trinkgeld sogar grundsätzlich verboten.
In Hotels und Restaurants ist der Service meist bereits im Preis enthalten. Auf der Rechnung finden sich neben der Mehrwertsteuer häufig zusätzlich zehn Prozent Servicegebühr. Ein weiteres Trinkgeld wird daher in der Regel nicht erwartet.
Trinkgeld in Südkorea
Südkorea zieht mit Metropolen wie Seoul und Busan zahlreiche Reisende an. Neben kulturellen Besonderheiten im Alltag gelten dort auch eigene Regeln beim Thema Trinkgeld.
In gewöhnlichen Restaurants und Bars ist es unüblich, die Rechnung aufzurunden oder zusätzlich Geld für den Service zu hinterlassen, wie es auf der Website reisereporter heißt. Ein Trinkgeld kann dort sogar als unangenehm empfunden werden und die Servicekraft in Verlegenheit bringen. Ausnahmen gibt es vor allem in bestimmten Nachtlokalen. Taxifahrer hingegen freuen sich meist über einen kleinen zusätzlichen Betrag.
Trinkgeld in Afrika
In vielen afrikanischen Ländern gehört Trinkgeld laut tourcompass zum festen Bestandteil des Servicealltags. Besonders Guides, Fahrer und Hotelpersonal erhalten häufig eine zusätzliche Aufwendung.
Kenia und Tansania
In Kenia und Tansania gelten für Reiseleiter meist zehn bis fünfzehn US-Dollar pro Person und Tag als üblich. Für Gepäckträger und Zimmerpersonal werden etwa zwei US-Dollar empfohlen, in Restaurants rund zehn Prozent der Rechnung. In Tansania gelten diese Richtwerte auch für Reisen rund um den Kilimandscharo. Dort werden jedoch oft feste Trinkgeldbeträge vereinbart, die nach der Tour gerecht unter Guides und Trägern aufgeteilt werden.
Südafrika
Auch in Südafrika spielt Trinkgeld eine wichtige Rolle, da viele Beschäftigte im Servicebereich auf die zusätzlichen Einnahmen angewiesen sind. Für Guides und Fahrer gelten etwa einhundert bis einhundertfünfzig Rand pro Tag und Paar als angemessen. In Restaurants sind rund zehn Prozent üblich. Kleinere Beträge für Hotelpersonal oder Tankwarte werden ebenfalls gern gesehen.
Uganda und Botswana
In Uganda ist Trinkgeld ebenfalls verbreitet. Besonders bei Gorilla- und Schimpansen-Touren erhalten Guides und Träger häufig feste Beträge pro Person. Auch Fahrer, Hotelpersonal und Restaurants erwarten meist eine zusätzliche Anerkennung.
In Botswana gibt es dagegen keine festen Regeln. Trinkgeld bleibt freiwillig, wird bei gutem Service jedoch geschätzt.
Sambia und Mauritius
In Sambia sowie auf Mauritius ist in Hotels und Restaurants häufig bereits eine Servicegebühr von etwa zehn Prozent enthalten. Zusätzliches Trinkgeld wird daher meist nicht erwartet, bei außergewöhnlich gutem Service aber gern angenommen.