Heraklion - Kugelfische tauchen aktuell an immer mehr Stränden in Griechenland auf - auch in flachem Gewässer. Ihr Biss kann tiefe Wunden reißen. Das rät das Griechische Rote Kreuz im Ernstfall.

Baden im türkisblauen Mittelmeer - für viele Griechenland-Urlauber ist das wohl der schönste Moment des Jahres. Doch ein ungebetener Gast trübt gerade die Idylle: Ein invasiver Kugelfisch breitet sich immer weiter in griechischen Küstengewässern aus, nach übereinstimmenden Medienberichten sei es bereits zu mehreren Zwischenfällen mit Badegästen gekommen.

Gemeint ist der Hasenkopf-Kugelfisch (Lagocephalus sceleratus), auf Griechisch „Lagokefalos“. Ursprünglich stammt er aus dem Indischen und Pazifischen Ozean, doch seit Jahren dringt er ins östliche Mittelmeer vor. Inzwischen taucht er regelmäßig an beliebten Badestränden auf: an der Küste Attikas, bei Lefkandi und Eretria, aber auch rund um Kreta. Anfang Juni 2026 wurden am Strand von Ammoudara nahe Heraklion zehn Exemplare mit je rund elf Kilogramm Gewicht in nur anderthalb bis zwei Metern Wassertiefe gefangen, berichtet die Augsburger Allgemeine unter Berufung auf den Blog kretatipp.de.

Gift und Biss: Darum ist der Kugelfisch gefährlich

Der Kugelfisch ist gleich auf zwei Arten gefährlich. Sein Fleisch enthält das Nervengift Tetrodotoxin - eines der stärksten bekannten Gifte überhaupt. Da sich das Toxin im gesamten Tier verteilt, gilt kein einziger Teil als unbedenklich für den Verzehr. Sein Genuss ist in Griechenland daher streng verboten. Wer den Fisch nicht isst, muss sich dennoch vor seinem Biss in Acht nehmen, auch wenn dieser selbst nicht giftig ist, wie die Augsburger Allgemeine berichtet. Die schnabelartigen Kiefer des Tieres sind jedoch messerscharf und können tiefe Wunden reißen sowie starke Blutungen auslösen. Laut der griechischen Tageszeitung Ta Nea musste eine ältere Frau nach einem Biss ins Krankenhaus gebracht und genäht werden. Die Bandbreite der Verletzungen reicht von Bisswunden an den Schienbeinen bis zu Angriffen am Gesäß oder im Genitalbereich.

Was tun bei einem Kugelfisch-Biss? Griechisches Rötes Kreuz veröffentlicht Tipps

Das Griechische Rote Kreuz hat Mitte Juni 2026 offizielle Erste-Hilfe-Empfehlungen veröffentlicht, nachdem sich die Hasenkopf-Kugelfische in den griechischen Gewässern zuletzt weiter vermehrten:

  • Wunde sofort spülen: Mit reichlich sauberem, fließendem Wasser und Seife gründlich reinigen. Externe Desinfektionsmittel nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden.
  • Blutung stoppen: Mit sauberer Gaze oder einem Tuch festen Druck ausüben. Bei starker Blutung die betroffene Extremität hochhalten und Druck halten.
  • Sofort zum Arzt: Bisswunden erfordern ärztliche Behandlung – oft sind eine Tetanusimpfung und Nähte nötig.
  • Notruf wählen: Bei starker Blutung oder abgelegenem Unfallort: in Griechenland 166 (Rettungsdienst) oder europaweit 112.

Kugelfisch-Biss: Wie groß ist das Risiko wirklich?

Darüber, wie gefährlich der Kugelfisch für Badegäste tatsächlich ist, sind sich Experten nicht einig. Radio Kreta meldete noch 2023, die Tiere seien Menschen gegenüber weder aggressiv noch gefährlich. Dagegen berichtet das Portal grland.com von zunehmenden Vorfällen an beliebten Badestränden von Kreta über die Dodekanes bis hin zur Küste von Attika. Ein Meeresbiologe bezifferte das statistische Risiko eines Bisses gegenüber dem Portal allerdings mit eins zu drei Millionen, also verschwindend gering. Wer den Fisch im Wasser einfach in Ruhe lässt und wachsam ist, gehe kein besonderes Risiko ein.

Nicht nur in Griechenland sorgen invasive Tierarten für Schlagzeilen: Auf Ibiza bringt eine eingeschleppte Schlange das gesamte Ökosystem aus dem Gleichgewicht. Die Hufeisennatter breitet sich rasant aus und erreicht aus eigener Kraft sogar benachbarte Inseln.