
Mit seinem Erstling „Hund, Wolf, Schakal“ gewann Behzad Karim Khani den Debütpreis des Buddenbrookhauses und machte sich in der Literaturszene einen Namen. In seinem zweiten Roman erzählt der gebürtige Iraner auf autobiografische Weise über das Aufwachsen in einer Zuwanderersiedlung am Rande von Bochum, zwischen Gewalt, Stolz und Plattenbau.
„Als wir Schwäne waren“ von Behzad Karim Khani - Zwischen Gewalt, Stolz und Plattenbau
Nach der Flucht aus dem Iran wächst ein Junge in einer Plattenbausiedlung im Ruhrgebiet der 1990er auf. Es ist ein kultureller Schmelztiegel, denn hier sammeln sich Zuwandererfamilien aus verschiedenen Ecken der Welt, aus Italien, Griechenland, dem Libanon oder eben auch dem Iran. Schnell lernt er, dass es zwischen diesen Kulturen Unterschiede gibt. Unterschiede, für die man ausgenutzt werden kann.
Er erzählt von seiner Kindheit, Ninja-Übungen im Keller, geklauten Fahrrädern und dem ersten Kuss. Von seiner Jugend, Drogendeals, Kriminalität, Gewalt und von Nazis. Von der Sozialhilfearmut in seiner Bochumer Nachbarschaft und der Choleraarmut in Teheran. Von denen, die den Weg aus der Plattenbausiedlung nicht geschafft haben. Und davon, was Heimat für jemanden bedeuten kann, der keine hat. Und vielleicht auch keinen Ort braucht, den er Heimat nennt.
„Als wir Schwäne waren“
von Behzad Karim Khani
- 192 Seiten
- Hanser Berlin
- ISBN: 978-3-446-28142-4
- 22 Euro
„Als wir Schwäne waren“: Ein Buch voller Wut und Poesie
Nostalgie, Zärtlichkeit, Klarheit, Brutalität, Ehrlichkeit - die Sprache, mit der Behzad Karim Khani seinen Roman erzählt, hat viele, wohl austarierte Nuancen. Er zeigt uns, dass es Momente im Aufwachsen gibt, die wir alle teilen, ganz egal, mit welchen Privilegien man geboren wird. Und eben auch die Momente, in denen sich das Aufwachsen grundlegend unterscheiden kann.
Daraus entwickelt sich ein Roman über das Fremdsein, darüber, seinen eigenen Weg zu finden in einer Welt, die einem nichts als Steine in den Weg zu legen scheint. Darüber, was passiert, wenn Stolz auf Ausgrenzung trifft. Es ist ein herzzerreißendes Buch, voller Abgründe, voller Wut und gleichzeitig voller Poesie. Darüber, sich eine Perspektive aufzubauen, ohne kitschige Hoffnung, sondern vielmehr mit nüchternem Vorwärtsblicken.


