Um zehn Uhr liegen nur noch eine Handvoll Kekse in der Auslage. Juan Pablo Melchioris erste Amtshandlung als ich den Laden betrete ist es daher, mir einen seiner Alfajores zur Seite zu legen. Die argentinischen Kekse, für die sein Café berühmt ist, „sind sonst gleich weg“, warnt der Gastronom lächelnd. Und keine fünf Minuten später kaufen ein Vater und sein Kind tatsächlich die letzten Alfajores des Tages. Zum Backen kommt der gebürtige Argentinier erst morgen wieder.
Vor rund sechs Jahren macht sich Melchiori von Argentinien nach Deutschland auf. Dank seines deutschen Großvaters hatte er schon einen deutschen Pass und auch seine Schwester und Tante wohnten schon hier. Das vereinfachte den Prozess natürlich ungemein. Und es ist auch der Grund, warum der 38-jährige in Nürnberg landete: „Meine Tante ist Kunstlehrerin in Erlangen“, erzählt er, während er schmunzelnd auf die Gemälde in seinem Café deutet - die natürlich sie gemalt hat.
„Mich hat da nichts gehalten, weder Freundin, noch Job“, beschreibt Melchiori seine damalige Situation in Argentinien. Als seine Abteilung in der Bank in der er gearbeitet hatte geschlossen wurde, kam er nach Deutschland. Schon damals habe er neben der Arbeit Kuchen gebacken, doch erst in seiner WG in Deutschland kommt er auch darauf Alfajores zu backen - denn anders als in Argentinien gab es diese Spezialität hier einfach nirgendwo.
Es folgten mehrere Veranstaltungen in ganz Deutschland, Catering bei den Lateinamerikanische Wochen und ein eigener Onlineshop - Juan Melchioris argentinischen Kekse werden hier so zum Renner, dass er in Südamerika fast zu einem Star wird: 40 Interviews gibt der Gastronom, laut eigener Aussage, argentinischen Zeitungen in nur einem Monat.
Und auch in Deutschland nimmt der Hype zu. Melchiori erzählt, wie er für Alfajores nachts schon zu hause rausgeklingelt wurde. Dieser Zustand war auch ausschlaggebend für die eigene Professionalisierung und die Eröffnung seines Cafés.
„Der Aufwand wurde einfach immer größer“, erklärt der 38-jährige weiter. Inzwischen hat er nach einem Kurs bei der Handwerkskammer eine Ausnahmebewilligung und produziert in der tageweise angemieteten Bäckerei Walzel. Sein Ziel: „Einfach die argentinische Kultur näherbringen“: Deswegen gibt es in seinem Café neben den Alfajores und Empanadas auch authentischen Mate-Tee.
Und auch die Mate „kommt unglaublich gut an“, so Melchiori. Seine Vermutung dafür ist unter anderem auf das deutsche Kultgetränk Club Mate zurückzuführen. Er sagt selbst, dass er jedem Gast gerne erkläre, wie das Trinken des losen Mate-Tees richtig funktioniert und begeistert davon sei, dass er die Anzahl an Thermoskannen von zwei auf acht gesteigert habe, weil die Nachfrage so hoch war. „Hier probiert man es eben eher, als daheim“, überlegt er weiter.
Und auch seine Freundin hilft mit. Ihre Kuchen seien in „einer anderen Liga“, und das obwohl sie eigentlich Chemieingenieurin ist. Kennengelernt haben sich die beiden im Deutschkurs, sie kam aus Serbien nach Nürnberg.
Inzwischen ist das kleine Café gut gefüllt: zwei junge Mütter sitzen an einem Tisch, eine spanisch-sprechende Frau mit Laptop kommt herein und begrüßt Melchiori hinter der Theke. Man kennt sich in der südamerikanischen Community - aber nicht mehr nur dort - inzwischen kennen und schätzen auch viele seiner Kunden und Kundinnen aus Maxfeld und St. Johannis den kleinen Laden mit den gefüllten Keksen.
So beschreibt Juan Melchiori die Alfajores nämlich wenn man ihn nach ihnen fragt: „Zwei Kekse und dazwischen Irgendwas“. Oft ist das eine Creme aus Dulce de Leche (gezuckerte Kondensmilch) aber er hat auch vegane Kekse im Angebot, die dann etwa mit Quitten-Marmelade gefüllt sind. „Alle Sorten laufen gut“, attestiert er - oft eben so gut, dass schon morgens fast alles weg ist - besonders am Wochenende.
Gegen Ende meines Besuchs fällt mir eine kleinen Messi-Figur ins Auge, die auf der Siebträgermaschine thront. Nach ein wenig Fußball-Fachsimpelei zieht Melchiori sein Handy aus der Tasche, denn „ich muss dir etwas zeigen“. Auf dem Bildschirm: Hoher Besuch in Juan Melchioris Laden. Javier Pinola, Co-Trainer des 1. FCN und der Gastronom lächelnd Arm in Arm. Man kennt sich eben in der südamerikanischen Community. Und Pinola steht in Nürnberg vermutlich auf einer Stufe mit Messi - mindestens.
