
„Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft“ ist der Titel dieses Romandebüts, mit dem sich Fiona Sironic direkt einen Namen im Kulturbetrieb gemacht hat. Die Nominierung für den Deutschen Buchpreis 2025 kürt den Titel als einen der besten sechs Romane des Jahres – und das völlig zu Recht.
Denn der Roman ist mehr als die vordergründige Coming-off-Age-Story um Era und Maja. Er ist gleichzeitig auch eine düstere Vision, die darstellt, wie unsere nicht allzu entfernte Zukunft aussehen könnte, in der die Zeichen des Klimawandels deutlich zu spüren sind und sich gesellschaftliche Probleme noch weiter zuspitzen.
Im Interview erzählt Fiona Sironic, wie es war, mit ihrem Romandebüt in den Literaturbetrieb einzusteigen, wie ihre bisherige literarische Arbeit das Schreiben beeinflusst hat und wie es nun weitergeht.
Fiona Sironic im Interview: So erlebte sie das erste Jahr mit ihrem Debütroman
Denn ihr Romandebüt war nicht ihre erste Publikation. Doch ein Roman ist etwas Neues. Und der fand direkt große Beachtung, und damit auch seine Autorin. Die Folge für Fiona Sironic: „Das letzte Jahr mit dem Roman war schön, aber auch ziemlich intensiv!“ Noch immer ist sie unterwegs und hält Lesungen aus ihrem Roman.
Ein zentraler Treiber für die Handlung von „Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft“ ist, dass Maja jede Anonymität fehlt - ihre beiden Mütter verdienten sich als „Momfluencerinnen“ eine goldene Nase. Das hat zwar nicht direkt etwas mit Fiona Sironics bisheriger journalistischer Arbeit zu tun, Überschneidungen gibt es aber dennoch:
„In dem Roman geht es viel um digitale Kulturen, allerdings nicht unbedingt um digitale Spiele. Trotzdem hat meine Auseinandersetzung damit formal bestimmt einen Einfluss auf mein Schreiben. Ein Thema, das sich zum Beispiel wiederfindet, ist der Umgang mit Speicherständen und (digitalen) Daten.“
Mit dem sogenannten Bechdel-Test kann man genau beobachten, wie viele weibliche Figuren es in einem Film gibt, ob sie miteinander sprechen und wenn ja, ob sie sich auch über etwas anderes unterhalten als über Männer. Durch diesen Test wird deutlich, in wie vielen Filmen weibliche Figuren maximal als Nebencharaktere auftreten. Natürlich kann man anhand dieses Tests auch Bücher genauer betrachten.
Bei „Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft“ wird einem schnell auffallen, dass sich diese Verhältnisse ins Gegenteil verkehren - tatsächlich tauchen keine männlichen Figuren auf. Während sich Leserinnen und Leser in verschiedenen Foren fragen, welche Intention die Autorin mit diesem Figurensetting verfolgt, steht Fiona Sironic der Sache eher neutral gegenüber.
„Der Roman hat ja gar nicht so viele handelnde Hauptfiguren, außerdem sind die meisten davon queer. In dem Sinne finde ich das selbst gar nicht so außergewöhnlich“
Generell will sie sich nicht zu stark auf Interpretationen ihres Romans konzentrieren, die vielleicht an ihrer eigenen Intention vorbeigehen könnten.
„Ich versuche mich ehrlich gesagt, da ein bisschen rauszuhalten. Dass der Roman so viel rezipiert wurde, ist ja erstmal toll, aber gerade konzentriere ich mich eher aufs Schreiben.“
Nach dem Roman ist vor dem Roman: Wie geht es für Fiona Sironic weiter?
Konzentration aufs Schreiben ist ein gutes Stichwort, denn Fiona Sironic ist bereits mit ihrem nächsten Werk beschäftigt. Genaueres gibt sie derzeit noch nicht preis, sicher ist aber: Sie schreibt „gerade am zweiten Roman“. Ob wir eine komplett neue Geschichte erwarten dürfen oder ob wir Era und Maja wieder begegnen, bleibt ebenfalls eher vage. Zumindest verrät sie, dass ihr Debüt „als eigenständiger Roman geplant“ war.
Auf ein konkretes literarisches Vorbild möchte sich die Autorin nicht festlegen, da gebe es zu viele Einflüsse: „Es beeinflusst einen ja irgendwie alles, was man so liest, hört, schaut, spielt.“ Für die Wartezeit bis zu ihrem neuen Buch hat sie dennoch eine Leseempfehlung für uns: „Gerade fertig gelesen: Pizza Orlando von Clara Umbach.“


