
Bund und Länder haben sich in einer Arbeitsgruppe auf eine Reform der Fahrschulausbildung geeinigt. Am Mittwoch, 11. Februar, hat Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder umfassende Vorschläge für einen günstigeren Führerschein vorgelegt. „Der Führerschein ist in Deutschland einfach zu teuer“, so der CDU-Politiker. Doch was sagen die, die damit ihr Geld verdienen? Einige Fahrlehrer aus Nürnberg sehen die Reformpläne kritisch.
Darum steigen die Kosten für den Führerschein
Es ist kein Geheimnis, dass die Führerscheinkosten in Deutschland in den letzten Jahren stark angestiegen sind. Während im Jahr 2020 das Erlangen des Führerscheins noch ungefähr 2000 Euro gekostet hat, variieren die Preise für die Fahrerlaubnis im Jahr 2025 zwischen 3000 und 4500 Euro, berichtet das Nachrichten-Portal watson. Grund dafür seien laut Dieter Stieber, Vorsitzender des Regionalverbandes Nürnberg vom Landesverband Bayerischer Fahrlehrer, steigende Versicherungen und teurere Wartungskosten der Fahrschulautos. Auch Frank Weigl berichtet, dass die Anschaffungskosten der Fahrschulen stark angestiegen seien. Weigl ist selbst Fahrlehrer und Inhaber der gleichnamigen Fahrschule in Nürnberg. Er merkt an, dass durch die Inflation der letzten Jahre auch die Personal- und Spritkosten gestiegen sind. Vor allem aber würden die zunehmenden Durchfallquoten bei den Fahrprüfungen die Preise in die Höhe treiben. Wenn eine Prüfung wiederholt werden muss, zieht das erneute Übungsstunden und Gebühren für die Prüfung nach sich.
Warum fallen so viele Fahrschüler durch die Prüfungen?
Laut einem aktuellen Datenreport des TÜV-Verbands scheiterten 44 Prozent der Fahrschüler bei der Theorieprüfung und 37 Prozent bei der praktischen Prüfung. Doch warum fällt in Deutschland fast jede zweite Person durch die theoretische Fahrprüfung? „Die Fahrschüler gehen bis 16 oder 17 Uhr in die Schule. Danach dann direkt die Fahrstunde. Da ist der Kopf eigentlich schon voll“, sagt ein Fahrlehrer aus Köln gegenüber der Tagesschau. Neben der langen Schulzeiten, könnte auch das generell sinkende Lernniveau in Deutschland zum Scheitern der Prüfungen beitragen. Dieter Stieber weißt in diesem Zusammenhang auf die immer schlechteren Ergebnisse der Pisa-Studie hin: Die Pisa-Studie ist eine internationale Schulleistungsstudie, die alle drei Jahre die Kompetenzen von 15-Jährigen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften testet. 2022 schnitten die deutschen Schüler bei dieser Studie so schlecht ab, wie noch nie. „Warum sollten die Zahlen in den Fahrschulen anders aussehen, als in der Schule?“ fragt Stieber. Er meint, damit, dass für die Fahrprüfung genauso gelernt werden müsse wie für eine Prüfung in der Schule und die Ergebnisse deshalb verglichen werden könnten.
Eltern als Fahrlehrer „Blödsinn“?
Auch der Bundesverkehrsminister hat festgestellt, dass in Deutschland in Sachen Führerschein Handlungsbedarf besteht und hat nun konkrete Umsetzungsziele genannt. So soll die sogenannte Laienausbildung - also begleitetes Fahren mit Eltern oder Freunden erprobt werden. Voraussetzung ist die bestandene Theorieprüfung und mindestens sechs praktische Fahrstunden. Die Begleitpersonen - es dürfen maximal zwei sein - müssen mindestens seit sieben Jahren einen Führerschein haben und das Auto muss gekennzeichnet sein. In Österreich, wo die Laienausbildung bereits eingeführt ist, ist es eine blaue Tafel mit weißem L.
Die Laienausbildung sehen beide Nürnberger Fahrlehrer sehr kritisch. „Das ist Blödsinn, weil die Eltern im Ernstfall nicht eingreifen können“, sagt der Nürnberger Fahrlehrer Weigl. Selbst nach 15 Fahrstunden gäbe es immer noch Situationen in denen er mit seinen zusätzlichen Pedalen auf der Beifahrerseite in das Fahrverhalten des Schülers eingreifen müsse. Weigl sieht die Verkehrssicherheit durch diese neue Regelung gefährdet und vermutet, dass die Unfallzahlen dadurch in die Höhe schießen könnten. Auch Vertreter der Auto Club Europa (ACE) äußert Bedenken in Zusammenhang mit der Verkehrssicherheit. „Damit das Modell nicht zulasten von Sicherheit, Ausbildungsqualität und Chancengerechtigkeit geht, sollte ein standardisierter Kompetenzcheck vorgeschaltet sein: Fahrlehrer sollten den Übergang zur Laienausbildung ‚freigeben‘ müssen“, so der Führerschein-Experte und Referent für Verkehrspolitik beim ACE, Marc-Philipp Waschke-Deden.
Digitale Theoriestunden eine gute Idee?
Außerdem schlug Schnieder vor, dass die theoretische Ausbildung komplett digital stattfinde soll. Bisher gibt es einen verpflichtenden Präsenzteil. Das Ziel dieser Maßnahme sei, dass Fahrschulen auf die Anmietung oder den Erwerb von Schulungsräumen verzichten können, berichtet die Tagesschau. Fahrlehrer Frank Weigl ist von diesem Vorschlag weniger begeistert. Online bestände die Gefahr, dass sich die Fahrschüler nebenbei beschäftigen könnten, anstatt dem Unterricht zu folgen. Dieter Stieber ist der Meinung, dass ein Teil der Ausbildung digital stattfinden könne - etwa das Auswendiglernen der Verkehrsschilder. Dennoch müssten noch Stunden in Präsenz stattfinden. „Bei manchen Themen, wie zum Beispiel den Vorfahrtsregelungen, ist es wichtig, dass die Schüler diskutieren können. Ein Austausch in der Fahrschule ist hier sehr essenziell“, so Stieber. Ähnlich sieht das der ACE. So würde ein komplett digitales Lernangebot die Gefahr mit sich bringen, dass „interaktive Elemente zu kurz kommen und Fahrschüler weniger gut vorbereitet in die Prüfung gehen – zumal Lernstandkontrollen und Ausbildungspläne entfallen sollen.“
Weniger Prüfungsfragen und Sonderfahrten
Der Verkehrsminister plant außerdem, die Menge der theoretischen Prüfungsfragen zu reduzieren. So soll der Fragenkatalog um knapp 30 Prozent von derzeit 1169 auf etwa 840 Fragen verringert werden. Diese Maßnahme begrüßen sowohl Weigl als auch Stieber. „Es ist gut, dass die Prüfungsfragen mal ausgemistet werden, um in Zukunft moderner und zielgerichteter zu sein“, so Weigl. Doch neben den Prüfungsfragen sollen auch die Sonderfahrten abgespeckt werden. Aktuell sind zwölf üblich. In Zukunft sollen diese speziellen Fahrstunden auf drei reduziert werden - je eine auf der Autobahn, eine über Land und eine Fahrt bei Dunkelheit. Dieter Stieber ist davon nicht überzeugt: „In einer Autobahnstunde kann man nicht alles lernen, was man für die Prüfung können muss.“ So müssten das Auf- und Abfahren sowie das Fahrverhalten an einem Autobahnkreuz intensiv geübt werden.
Mehr Transparenz bei den Preisen
Die neue Reform von Schnieder sieht auch vor, dass Fahrschulen ihre Preise künftig alle drei Monate an das Verkehrsministerium melden. Besonders der ACE begrüßt diesen Vorschlag. Indem Fahrschulen ihre Preise künftig an die Mobilithek des Bundesverkehrsministeriums senden müssen, sei absehbar, dass den Verbrauchern unkompliziert ein Preisvergleich verschiedener Fahrschulen ermöglicht würde, so der ACE in einer Pressemitteilung. „Die Transparenz-Offensive schafft mehr Vergleich und Orientierung und stärkt den Wettbewerb“, so Waschke-Deden.
Welche Auswirkungen wird die neue Reform auf die Fahrschulen haben?
Aufgrund der hohen Preise, melden sich viele junge Leute erst gar nicht für den Führerschein an. Eine Umfrage des Interessenverbands Moving unter Fahrschulen und Fahrlehrern zeigt: 84 Prozent leiden unter dem Rückgang der Neuanmeldungen seit November, um durchschnittlich 54 Prozent. Sowohl Weigl als auch Stieber berichten, dass auch ihre Fahrschulen einen verstärkten Rückgang an neuen Anmeldungen verzeichnet haben. Weigl sagt die neue Reform sei „ein tiefer Einschnitt für die Branche“ der mit Schließungen und Kündigungen einhergehen wird. Stieber berichtet, dass momentan bereits viele kleine Fahrschulen am „Existenzminium“ seien und einige ihrer Fahrlehrer in Kurzarbeit schicken mussten. „Wenn die neuen Reformen so umgesetzt werden, haben es kleinere Fahrschulen definitiv schwer zu überleben“, so Stieber.
Wie könnte der Führerschein aus sich der Fahrlehrer günstiger werden?
Aber wie könnte eine Fahrausbildung aussehen, die sowohl bezahlbar, als auch sicher ist? Dieter Stieber schlägt vor, dass die Kosten für den Führerschein von der Steuer abgesetzt werden könnten. Fahrschüler die bereits erwerbstätig sind, könnten den Führerschein selbst absetzen. Bei den Schülern, deren Eltern den Führerschein zahlen, könnten diese den „Lappen“ steuerlich geltend machen, so Stieber. Zudem könnte die Fahrausbildung laut Stieber um rund zwölf Prozent günstiger werden, wenn der Bund die Mehrwertsteuer des Fahrschulunterrichts von 19 auf 7 Prozent sinken würde.
Laut dem ACE sei vor allem die Anzahl der benötigten Fahrstunden entscheidend, da sie oft drei Viertel der Gesamtkosten ausmachen. Die Reduzierung der verpflichtenden Sonderfahrten setze genau dort an. Hier könnten ein paar Hundert Euro eingespart werden, so der ACE. Der Auto Club Europa schlägt zudem folgende Maßnahme zur Kostensenkung beim Führerschein vor: ein einmaliger Mobilitätszuschuss für 17-Jährige, der flexibel für Fahrausbildung, ÖPNV-Tickets oder den Fahrrad- beziehungsweise Pedelec-Kauf genutzt werden kann.
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