Nürnberg - Der neue „Hannover-Krimi“ von Susanne Mischke hält einiges für uns bereit: Eine erschlagene Gutsbesitzerin, eine gierige Familie eine untergegangene Freundschaft - und eine Niederlage für Kommissar Völxen.

Mit dem neuen Jahr kam Anfang Januar auch der 15. Völxen-Krimi in die Regale der Buchhandlungen - und direkt auf die SPIEGEL-Bestsellerliste. Die Krimi-Reihe hat eine solide Fan-Base, die „offenbar von Völxen nicht genug bekommen kann“, schreibt Autorin Susanne Mischke in ihrem Nachwort.

Wir haben uns den neuen Völxen mal genauer angeschaut. So viel vorneweg: Von der ehemaligen Polizistin Oda Kristensen kommt schon früh im Buch der Ausruf „Wow! Bullerbü meets Downtown Abbey!“ Nach der Lektüre würden wir sagen: Hubert und Staller meets Inspector Barnaby meets Friesland meets SOKO Stuttgart meets alle anderen SOKOs und weiteren Vorabendkrimis, die es im ZDF gibt. Was definitiv nichts Schlechtes sein muss.

„Du muss mir glauben“ von Susanne Mischke: Cluedo-Setting oder Vorabendkrimi?

De Ausgangslage klingt tatsächlich nicht wie ein Vorabendkrimi, sondern eher wie ein wohlbekanntes Brettspiel: „Der Butler erschlug im Kaminzimmer die Gutsherrin mit dem Schürhaken“. Nein, nicht ganz. Einen Butler gibt es nämlich nicht. Alles andere stimmt, zum Leidwesen der Gutsherrin Gretavon Rath.

Die hatte Jahre zuvor in eine Familie eingeheiratet, die zu diesem Zeitpunkt aus einem frisch-verwitweten Gutsherren und seinen beiden Kindern bestand. Doch leider konnten die Kinder Theo und Melissa nicht so viel mit ihrer neuen Stiefmutter anfangen wie Gutsherr Gustav von Rath. Damit kam Greta allerdings zurecht, das malerische Gestüt Sieben Eichen, bleiben wir bei der Beschreibung Bullerbü meets Downtown Abbey, machte vieles wieder wett. Und vor allem, das Ansehen und der Status, der mit der Ehe einherging.

Rund 20 Jahre später setzt die Handlung unseres Krimis ein. Die Fronten zwischen Stiefmutter und Kindern sind verhärteter denn je, der Gutsherr selbst liegt seit einem Reitunfall vor einem knappen Jahr im Koma. Und dann liegt Greta von Rath plötzlich erschlagen im Kaminzimmer, ausgerechnet an einem Tag der offenen Tür.

Das können ja nur die verhassten Stiefkinder gewesen sein, sollte man meinen. Doch Greta von Rath war keine einfache Person. Sondern eine, die sich im Laufe ihres Lebens viele Feinde gemacht hat. Verdächtige gibt es also im Überfluss.

Außer den Stiefkindern gibt es noch den Verlobten der Stieftochter, der befürchten musste, das angenehme Leben auf einem Gutshof aufgeben zu müssen, sobald die Gutsherrin seine Herzensdame vom Hof jagt. Oder befürchtete der Stallmeister, dass er als nächster wegrationalisiert wird und sein Lebenswerk, das er schon in dritter Generation führt, aufgeben muss? Oder steckt die verschmähte ehemalige Haushälterin hinter der Sache? Oder war es doch jemand, der gar nicht wirklich etwas mit dem Gestüt zu tun hatte?

Was taugt der 15. Völxen-Krimi?

Man muss schon ehrlich bleiben: Die hohe Literatur ist „Du musst mir glauben“ nun nicht. Genauso wenig, wie ein Vorabendkrimi wohl die höchste Form der Unterhaltung ist.

Aber wer will schon in solchen eingestaubten Kategorien denken? Genauso, wie tausende Zuschauerinnen und Zuschauer ihre Vorabendkrimis genießen, wird der neue Hannover-Krimi von Susanne Mischke nicht nur den treuen Völxen-Fans zusagen. Nicht umsonst stand dieses Buch bald nach Veröffentlichung auf derSPIEGEL-Bestsellerliste. und können so viele Leserinnen und Leser wirklich falsch liegen?

Dieses Buch zu lesen, fühlt sich wirklich an, als würde man einen Vorabend-Krimi anschauen: Ein gemütlicher, wenn auch grimmiger Hauptkommissar, ein Polizei-Team, das aus mal mehr und mal weniger sympathischen Charakteren besteht und ein Geflecht aus Verdächtigen, dass sich langsam aber sicher entwirrt. Gemütlich, aber auch mit gerade genug Gewalt, dass es auch spannend bleibt.

Ach ja, und was ist mit der eingangs erwähnten Niederlage, die Völxen einstecken muss? Die verraten wir hier natürlich nicht, dazu muss man das Buch schon selbst lesen. Aber so viel sei gesagt: Zumindest Völxen ist sich am Ende nicht sicher, wer hier noch alles hinter Gittern sitzen sollte.