
Denn es muss ja nicht immer ein blutiger, actiongeladener Thriller sein. Beim Cozy Crime steht das Rätsel im Vordergrund, ganz ähnlich wie bei den Gentleman-Detektiven. Doch beim klassischen Cozy Crime ermitteln oft Amateure und Hobbydetektive, die mit unkonventionellem Charme an die Lösung eines kniffligen Rätsels gelangen.
Echte Gefahr besteht nur selten, denn das Verbrechen geschah abseits der Handlung. Einfach wohlfühlen, sich zurücklehnen und entspannt einem kniffligen Rätsel begegnen - wenn Sie ein solches Buch suchen, sind Sie hier an der richtigen Adresse.
Cozy Crime mit Gentleman-Detektiv in spe: „Der Tote in der Crown Row“
Obwohl beim Cozy Crime meist Amateure als Ermittlerfiguren zum Zug kommen, starten wir mit einem Gentleman-Detektiv, der höchst-offiziell ermittelt. Doch es ist der erste Fall für Kronanwalt Sir Gabriel Ward, und obwohl er von seinen Gerichtsprozessen darin geübt ist, verdächtige Personen zu verhören, sind Ermittlungen in einem Mordfall doch eine Premiere für ihn.
Als eines Morgens ein Toter auf der Türschwelle von Sir Gabriel Ward liegt, ist der Temple in London in Aufruhr. Wer hat den Lordoberrichter erstochen? Nur einer war es ganz sicher nicht: Sir Gabriel Ward, er hat ein wasserdichtes Alibi. Und so wird er beauftragt, im Mordfall zu ermitteln. Der Anwalt führt seine Nachforschungen im Sinne eines klassischen Gentleman-Detektivs und gleichzeitig typisch für Cozy Crime: Er befragt Zeugen, bringt deren Geschichten in den passenden Zusammenhang und zählt eins und eins zusammen, um schließlich auf die richtige Lösung des Rätsels zu kommen.
von Sally Smith
- übersetzt von Sybille Schmidt
- 400 Seiten
- Goldmann
- ISBN: 978-3-442-31792-9
- 22 Euro (Buch und Kindle-E-Book bei Amazon )
Miss Marple in Wien? „Mord im Planetarium“ - Cozy Crime Buchtipp
Ein klassisches Paradebeispiel für frühe Cozy Crime Romane sind die Miss Marple Geschichten der britischen Krimi-Legende Agatha Christie. Sie ist so bekannt, dass sie wohl kaum eines Buchtipps bedarf. Aber wer Miss Marple mag, wird Ernestine Kirsch lieben. Hier trifft britische Gelassenheit auf Wiener Schmäh.
„Mord im Planetarium“ ist nicht der erste Fall, in dem Ernestine Kirsch ermittelt. Tatsächlich wird sie selbst Zeugin eines Mordfalls, als Konrad Faber, bekannter Chirurg und Angehöriger eines reichen Tuchhändler-Clans, ermordet wird. Und obwohl der Mann in aller Öffentlichkeit, umringt von Zeugen getötet wurde, ist die Tat ein Rätsel. Ernestine führt auf ihre ganz eigene Art Nachforschungen, plaudert mit den Angehörigen des Opfers und liefert der Polizei so ein aufs andere Mal die entscheidenden Hinweise, um den „Mord im Planetarium“ aufzuklären.
Eigentlich bietet die gelassene Art von Ernestine Kirsch und die gemütliche Atmosphäre die perfekten Zutaten für einen Cozy Crime Roman, doch der historische Hintergrund ist alles andere als cozy. Und als Anton, Ernestines Lebensgefährte, im Zusammenhang der Julirevolte und des Justizpalastbrands in die Schusslinie zwischen Polizei und Demonstranten gerät, ist es mit der Gemütlichkeit vorbei. Aber keine Sorge: Trotz dieses gefährlichen Moments liefert Autorin Beate Maly hier bestes Cozy Crime mit Wiener Schmäh.
„Mord im Planetarium“
von Beate Maly
- 256 Seiten
- emons
- ISBN: 978-3-7408-2602-4
- 16 Euro (Buch und Kindle-E-Book bei Amazon )
Cozy Crime Buchtipp aus Korea: „Plant Lady“
Zugegeben, dieser Roman von Minyoung Kang entspricht nicht direkt dem klassischen Cozy Crime. Schon allein, weil es hier kein Rätsel gibt. Anstelle einer Ermittlerfigur begleiten wir in „Plant Lady“ nämlich die Täterin höchstselbst.
Choi Yu-hee ist eine eigenbrötlerische junge Frau. Entgegen aller Ratschläge eröffnet sie ein Pflanzengeschäft in nicht gerade bester Lage, doch trotz aller Widerstände wird der Laden ein voller Erfolg. Denn über die sozialen Medien verbreitet sich schnell das Wissen, dass niemand so gut mit Pflanzen umgehen kann wie Yu-hee.
Und außerdem hat Yu-hee einen ganz geheimen Dünger, über den sonst niemand verfügt.
Detective Cha Do-kyung ermittelt in mehreren Vermisstenfällen. Eine ganze Reihe an Männern ist spurlos verschwunden. Sie alle haben zwei Dinge gemeinsam. Zum einen waren es keine freundlichen Männer. Sie sind zwar verschwunden, doch werden sie von niemandem wirklich vermisst. Da gibt es einen trunksüchtigen und gewalttätigen Familienvater, einen Tierquäler und Stalker oder auch einen erfolglosen Künstler, der seine Partnerin emotional erpresste.
Zum anderen waren sie alle irgendwann einmal in diesem seltsamen Pflanzenladen einer gewissen Choi Yu-hee.
Dieser Roman strahlt trotz seines gewalttätigen Inhalts eine beruhigende Wirkung aus. Das mag an der schwarzhumorigen, ruhigen Art liegen, mit der Minyoung Kang diese Geschichte einer jungen Frau erzählt, die gegen männliche Übergriffigkeit aufbegehrt. Vielleicht aber auch daran, dass man das Gefühl hat, dass hier wirklich jeder genau das bekommt, was er verdient. Und obwohl „Plant Lady“ so gar nicht ins klassische Muster passt, ist er für uns dann doch irgendwie Cozy Crime.
„Plant Lady“
von Minyoung Kang
- übersetzt von Kyong-Hae Flügel
- 208 Seiten
- Heyne
- ISBN: 978-3-453-27558-4
- 20 Euro (Buch und Kindle-E-Book bei Amazon )


