
Bei manchen Büchern stehen Charaktere im Vordergrund. Manchmal sind es die Beziehungen zwischen den Figuren, manchmal sind es vor allem Erfahrungen, die die Charaktere gemeinsam erleben. Was sie in der Regel aber gemeinsam haben: Die Figuren sind Menschen.
Doch das muss nicht immer so sein. Denn es gibt auch Bücher, in denen statt Menschen Tiere die Schlüsselrollen innehaben. Naturgemäß müssen wir, um diese Schlüsselrollen zu enthüllen, auch etwas spoilern. Darum gilt es in diesem Beitrag besonders, auf Spoilerwarnungen zu achten.
20.000 Elefanten: „Das Geschenk“ von Gaea Schoeters
Zugegeben, in unserem ersten Beispiel sind es durchaus Menschen, die die Entscheidungen treffen und irgendwie im Mittelpunkt stehen. Dennoch nehmen Tiere eine Schlüsselrolle ein, denn ohne sie wäre die komplette Handlung nicht möglich.
Mitten in der Großstadt stehen plötzlich Elefanten. Und es werden immer mehr. Wo kommen die Tiere her? Die Dickhäuter sind nicht etwa aus einem Zoo entlaufen. Sie sind ein Geschenk. Ein Geschenk des Präsidenten von Botswana:20 000 Tiere hat er nach Deutschland geschickt.
Natürlich ist ein solches Geschenk mit einem Hintergedanken versehen. Kurz zuvor hatte die deutsche Regierung ein Einfuhrverbot von Jagdtrophäen beschlossen. Für Botswana ein Eklat, denn aus ihrer Sicht hat Deutschland damit den armen Regionen von Botswana die Lebensgrundlage entzogen. Die Botschaft ist klar: „Ihr Europäer wollt uns vorschreiben, wie wir zu leben haben. Vielleicht solltet ihr es einmal selbst versuchen...“
von Gaea Schoeters
- übersetzt von Lisa Mensing
- erschien am 22. Juli 2025
- 144 Seiten
- Zsolnay
- ISBN: 978-3-552-07574-0
- 22 Euro (Buch und Kindle-Book bei Amazon )
Achtung, Spoiler: Die „Skyward“-Reihe von Brandon Sanderson
Als zweites Beispiel in unserer Liste haben wir gleich eine ganze Buchreihe. Die SciFi-Reihe „Skyward“ von Brandon Sanderson dreht sich um die junge Sternenpilotin Spensa. Ihr größter Wunsch ist es, die Menschen auf dem trostlosen Planeten Detritus zu retten, indem sie die Menschheit vor den ständigen Angriffen der Außerirdischen beschützt.
Im Laufe der Reihe mausert sich Spensa von der hitzigen jungen Frau, die es wider aller Erwartungen auf die Kadetten-Akademie schafft, zu einer mächtigen Sternenpilotin mit übernatürlichen Fähigkeiten.
Um zu erklären, wie und warum Tiere in dieser Reihe nun eine Schlüsselrolle einnehmen, müssen wir leider die Handlung etwas spoilern.
ACHTUNG: SPOILER!
Relativ früh in der Handlung begegnet Spensa einer Schnecke. Diese Schnecke, genannt Schreckschneck, ist natürlich keine normale Schnecke, wie wir sie von der Erde kennen. Sie ist nicht nur ein intelligentes, empfindungsfähiges Wesen, sondern auch mit besonderen Kräften ausgestattet.
Dass die Schnecken über derartige Kräfte verfügen, ist nicht nur ein großer Twist in der Handlung der Reihe. Der Umgang mit den Tieren ist auch der Grund, warum es der Menschheit gelingt, sich von der Unterdrückung der Aliens zu befreien. Und besonders Schreckschneck, Spensas Lieblingsschnecke, nimmt auf diese Weise eine wichtige Schlüsselrolle der Reihe ein.
SPOILER ENDE
„Skyward - Der Ruf der Sterne“
von Brandon Sanderson
- übersetzt von Oliver Plaschka
- 576 Seiten
- Knaur
- ISBN: 978-3-426-52686-6
- 16,99 Euro (Buch und eBook bei Thalia )
„Frankie“ von Jochen Gutsch und Maxim Leo: Kleiner Kater, großer Philosoph
Ein Roman, in dem einwandfrei, ohne jeden Spoiler oder Überraschung, ein Tier die Hauptrolle einnimmt, ist „Frankie“. Frankie, der Namensgeber des Romans, ist ein Kater. Und enthüllt eine Wahrheit, mit der so manche Katzeneltern wohl schon gerechnet haben: Katzen können durchaus sprechen. Sie sprechen nur nicht mit uns. Zumindest normalerweise.
Dieser Roman ist gleichzeitig urkomisch und tieftraurig. Frankie steht dabei nicht nur im Mittelpunkt, stattdessen erleben wir die komplette Handlung aus seiner Sicht.
Der halbwilde Kater erzählt uns die Geschichte, wie er seinen neuen Menschen kennenlernt, Richard Gold. Gold, wie Frankie ihn nennt, ist schwer depressiv und suizidgefährdet, auch wenn Frankie das am Anfang der Geschichte nicht begreift.
Frankie erzählt seine Geschichte auf genau die Art und Weise, wie wir das von einem Kater erwarten würden. Ein gewisser Gleichmut gegenüber den Menschen, und dennoch eine große Herzlichkeit. Katzeneltern dürften ihre Haustiere in der Geschichte wiederfinden, was auch für einige Lacher sorgt.
Durch die besondere Perspektive schaffen es Jochen Gutsch und Maxim Leo, ein so schwieriges Thema wie Depression auf humoristische Weise zu bearbeiten, ohne dass es oberflächlich wird oder gar romantisiert.
von Jochen Gutsch und Maxim Leo
- 192 Seiten
- Penguin
- ISBN: 978-3-328-11220-4
- 13 Euro (Buch und Kindle-Book bei Amazon )


