Pottenstein - Die Fränkische Schweiz zählt zu den beliebtesten Ausflugszielen in Nordbayern. Doch immer wieder werden Ausflügler auch zum Problem. Der Naturpark appelliert nun an Besucher, Höhlen und Wälder zu schützen.

Der Naturpark Fränkische Schweiz – Frankenjura gehört mit einer Fläche von rund 2300 Quadratkilometern zu den größten Naturparken Bayerns, so ist es auf der Webseite des Parks zu lesen. Die Region erstreckt sich über Teile Nordbayerns und ist für ihre markanten Jura-Felsen, ausgedehnten Wälder, tief eingeschnittenen Täler und zahlreichen Höhlen bekannt.

Allein das macht die Fränkische Schweiz zu einem beliebten Ziel für Wanderer und Naturfreunde. Doch die einzigartige Landschaft ist auch ein empfindlicher Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen. Nicht alle Besucherinnen und Besucher nehmen sich das allerdings zu Herzen, wie ein aktueller Facebook-Beitrag des Naturparks Fränkische Schweiz – Frankenjura zeigt. „Naturschutz beginnt mit Respekt – bitte schützt unsere Höhlen und Wälder“, startet der Post.

Warnhinweise ignoriert: Naturpark in Franken schlägt Alarm

Der Anlass dafür ist ärgerlich: Erst vor Kurzem seien an einer Höhle Piktogramme angebracht worden, die auf das Feuerverbot hinweisen. Doch bereits nach zwei Tagen sei eines der Schilder mutwillig entfernt worden. An derselben Stelle hätten die Unbekannten dann ein Lagerfeuer gezündet, wie der Naturpark berichtet. Der aktuelle Vorfall betrifft eine Höhle im Hirschbachtal – rund 40 Kilometer östlich von Nürnberg. Doch das sei nicht der einzige Fall: „Es ist leider ein weit verbreitetes Problem, dass Feuerstellen in Höhlen angelegt werden“, wie Naturpark-Rangerin Melanie Chisté auf nordbayern.de-Nachfrage berichtet.

Die Folgen für die empfindlichen Lebensräume seien erheblich. Durch Feuer entstehe Ruß, der dauerhaft an den Höhlenwänden zurückbleibe. Häufig komme auch Müll hinzu. Besonders problematisch sei jedoch der Qualm, der in die zahlreichen kleinen Felsspalten eindringe. Dort leben Wildtiere, die auf diese Rückzugsorte angewiesen sind. Dazu gehören neben Fledermäusen auch Siebenschläfer, Spinnen, überwinternde Schmetterlinge und andere Kleinstlebewesen.

„Das macht uns betroffen und zeigt, wie wichtig Aufklärung ist. Feuer gefährdet nicht nur den Wald und seine Bewohner, sondern kann auch wertvolle Lebensräume zerstören“, betont der Naturpark-Verein und erinnert an die geltenden Regeln zum Schutz der Natur. Feuer sei dem Hinweis zufolge nicht nur im Wald und in Höhlen verboten, sondern auch in einem Abstand von bis zu 100 Metern zum Waldrand. Besucherinnen und Besucher sollten deshalb auf Lagerfeuer verzichten und Hinweisschilder sowie Schutzmaßnahmen respektieren.

Lagerfeuer trotz Verbot: Fledermäuse nutzen Höhlen als Rückzugsort

„Unsere Höhlen sind wichtige Rückzugsorte für zahlreiche Tierarten. Besonders Fledermäuse nutzen sie während der kalten Jahreszeit als Winterquartier“, erklären die Verantwortlichen weiter. Nach Angaben der Rangerin sind alle heimischen Fledermausarten gesetzlich geschützt. Auch die Höhlen und Felsspalten dürften deshalb nicht beschädigt werden.

Während ihrer Winterruhe benötigen die Tiere möglichst ungestörte Bedingungen, um Energie zu sparen und die kalte Jahreszeit zu überstehen. Werden sie gestört, kann das fatale Folgen haben: Durch das Aufwachen verbrauchen sie viel Energie, die sie im Winter dringend benötigen, wie Melanie Chisté betont. Da sie sich in dieser Zeit ausschließlich von ihren Fettreserven ernähren und wegen fehlender Insekten kaum neue Energie aufnehmen können, kann eine Störung die Tiere stark schwächen und das kann im schlimmsten Fall zum Tod führen.

„Viele unserer Wildtiere sind vom Rückgang betroffen und haben immer weniger Platz, den sie als Lebensraum nutzen können“, erklärt die Rangerin. Gerade deshalb sei es wichtig, die Höhlen und ihre Bewohner respektvoll zu behandeln.

Daher gilt nach Angaben des Naturparks eine besondere Regel: Vom 1. Oktober bis zum 31. März dürfen die betroffenen Höhlen nicht betreten werden. Besucherinnen und Besucher sollten die Hinweise vor Ort beachten und auf Erkundungstouren in dieser Zeit verzichten.

Der Verein bringt seine Botschaft in dem Facebook-Beitrag auf den Punkt: „Naturschutz funktioniert nur gemeinsam.“ Wer auf Feuer verzichtet, Absperrungen und Hinweisschilder respektiert und die ausgewiesenen Wege nutzt, könne dazu beitragen, dass die empfindlichen Lebensräume erhalten bleiben.

Naturpark setzt auf Aufklärung und Ranger-Einsätze

Doch wie will der Naturpark verhindern, dass weiterhin Feuerstellen in Höhlen entstehen und Schutzregeln missachtet werden? Das wichtigste Mittel sei die Sensibilisierung der Besucherinnen und Besucher, erklärt Chisté. Über Social-Media-Beiträge, Informationsmaterial, Verhaltens-Schilder und kostenlose Ranger-Touren wolle der Naturpark die Menschen über die Besonderheiten der Region und die ökologischen Zusammenhänge informieren. Auch die Junior-Ranger würden bereits früh lernen, respektvoll mit der Natur umzugehen und dieses Wissen an andere weitergeben.

Darüber hinaus seien die Rangerinnen und Ranger regelmäßig im Gebiet unterwegs und entfernen unerlaubte Feuerstellen. Damit soll verhindert werden, dass andere Besucherinnen und Besucher die Stellen erneut nutzen. Der Naturpark arbeitet nach Angaben von Chisté außerdem eng mit Kletterverbänden, Naturschutzbehörden, Gemeinden und Menschen vor Ort zusammen. Bei schwerwiegenden Verstößen würden die Verantwortlichen zudem die zuständigen Behörden einschalten.

Auch andere Naturjuwele in Franken leiden unter Besucherdruck

Wie schwierig der Spagat zwischen Naturerlebnis und Naturschutz sein kann, zeigt sich nicht nur in der Fränkischen Schweiz. Auch andere beliebte Ausflugsziele in der Region kämpfen mit den Folgen eines hohen Besucheraufkommens – wie die Schwarzachklamm südöstlich von Nürnberg. Die rund zwei Kilometer lange Schlucht mit ihren steilen Sandsteinwänden, Höhlen und Felsformationen ist ein besonderes Naturjuwel. Seit der Corona-Pandemie ist der Besucherandrang und rücksichtsloses Verhalten dort deutlich zum Thema geworden. Beispielsweise werfen Ausflüglerinnen und Ausflügler immer wieder Zigarettenstummel und Müll in die Natur oder klettern in den Steilhängen, was bereits zu mehreren Rettungseinsätzen geführt hat.

Auch im Tennenloher Forst bei Erlangen, einem Naturschutzgebiet in Mittelfranken, sorgen Besucherinnen und Besucher, die geltende Regeln missachten, immer wieder für Schwierigkeiten.