Schwarzenbruck - Naturjuwel unter Druck: Die Schwarzachklamm im Nürnberger Land gilt als eines der schönsten Geotope Bayerns – und wird regelrecht von Ausflüglern überrannt. Ein neues Schutzkonzept soll jetzt retten, was zu kippen droht.

Zwischen steilen Sandsteinwänden schlängelt sich die Schwarzach südöstlich von Nürnberg durch eine spektakuläre Klamm - ein Naturparadies, das in den letzten Jahren immer mehr Bewunderer erlebt hat. Das Naturschutzgebiet Schwarzachschlucht erstreckt sich über etwa zwei Kilometer entlang der Schwarzach und ist geprägt von Höhlen und Sandsteinfelsen. Doch die Schönheit hat seinen Preis, für die Gemeinde Schwarzenbruck ein regelrechtes Dilemma:

Seit der Corona-Pandemie ist der Besucherandrang in dem geschützten Geotop regelrecht explodiert. Was einst als Geheimtipp galt, ist heute zum fränkischen Hotspot in Wander-Apps und auf Social Media geworden. Mit verheerenden Folgen für das sensible Ökosystem.

„Das gibt es ganz genau seit Corona“, erklärt Schwarzenbrucks Bürgermeister Markus Holzammer (Freie Wähler) gegenüber der Nachrichtenagentur Vifogra. Statt ins Flugzeug zu steigen, hätten die Menschen ihre nähere Umgebung erkundet - und eben auch die Klamm.

Plötzlich kamen sie in Massen: Tagesausflügler, Influencer, Familien mit Picknickdecken, Hundebesitzer, Sportler. Doch mit der wachsenden Bekanntheit wuchs auch das Problem.

Schwarzachklamm in Not: Besucher missachten Regeln

Die kleine Gemeinde in Franken steckt in einem Dilemma. „Einerseits ist es natürlich schön, wenn viele Menschen nach Schwarzenbruck kommen, aber für unsere Schwarzachklamm ist das einfach zu viel“, fasst Holzammer die Situation zusammen.

Viele Menschen halten sich nicht an die geltenden Regeln, wird der Bürgermeister gegenüber der Deutschen Presse-Agentur deutlich. „Es wird an den Steilhängen geklettert, die Wege werden verlassen, Müll und Zigarettenstummel liegengelassen.“ Auch würden einige Hundebesitzerinnen und - besitzer ihre Tiere einfach im Ufergebiet frei laufen lassen - ein Albtraum für die Tierwelt.

„Dass Tiere beim Brüten gestört werden, weil eben die Wege verlassen werden oder Hunde ins Ufergebiet gehen, wo eben Uferbrüter sitzen“, beschreibt die hiesige Umweltbeauftragte Mareike Menneckemeyer die Folgen.

Trübes Wetter und Regen verschaffen der geplagten
Da Ausflügler immer wieder die normalen Wanderwege an der Schwarzachklamm verlassen und Müll hinterlassen, hat die Gemeinde Schwarzenbruck nun ein Schutzkonzept erarbeitet. © vifogra

Die Zerstörung sei oft nicht mutwillig, sondern entstünde aus Unwissenheit – doch die Auswirkungen seien teilweise irreparabel: Freigelegte Wurzeln, zerstörte Moospolster, beschädigte Flechten und neue Trampelpfade durchbrechen die empfindliche Struktur des Schutzgebiets.

Rücksichtlose Besucher auch im Tennenloher Forst ein Problem

Schwarzenbruck steht mit der Problematik längst nicht alleine da: soziale Medien und Outdoor-Portale sorgen dafür, dass die Geheimtipps auch außerhalb der Region publik werden - und immer mehr Ausflügler anreisen.

Auch der Tennenloher Forst bei Erlangen wird regelmäßig von Besuchermassen überrannt. Wie Landratsamt Erlangen-Höchststadt gegenüber unserer Redaktion mitteilte, hat das bisher größte mittelfränkische Naturschutzgebiet immer wieder mit rücksichtslosen Besucherinnen und Besucher zu kämpfen, welche die ausgewiesenen Wege verlassen, Hinweisschilder nicht beachten oder aber ihre Hunde frei laufen lassen. „Es fehlt oft das Bewusstsein für die Schutzbedürftigkeit dieses Gebiets“, betont er.

Neues Schutzkonzept soll Wende bringen - Sperrung als Plan B?

Um die empfindliche Natur der Schwarzachklamm besser zu schützen, hat die Gemeinde Schwarzenbruck ein umfassendes Schutzkonzept erarbeitet. Die Naturschutzbehörden haben dem Vorhaben bereits zugestimmt, wie Umweltbeauftragte Mareike Menneckemeyer bestätigt. Geplant sind unter anderem zusätzliche Informationstafeln an besonders sensiblen Stellen sowie die teilweise Begrenzung der Wege, um Besucher besser zu lenken. Auch der Einsatz von Rangern soll in Zukunft ausgeweitet werden.

Sollten diese Schritte nicht ausreichen, schließt die Gemeinde sogar drastischere Maßnahmen nicht aus. „Wir schließen eine temporäre Sperrung der Klamm nicht aus - auch wenn das nicht unser bevorzugter Weg ist“, betont Menneckemeyer gegenüber der dpa.

Ob das neue Schutzkonzept den notwendigen Wandel bringt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen - spätestens wenn das Wetter wieder freundlicher wird und die nächsten Ausflügler kommen.