Schwarzenbruck - Die Schwarzachklamm im Nürnberger Land gilt als Naturjuwel. Doch Müll, zertrampelte Pfade und „Hobby“-Kletterer setzen dem Geotop zu. Helfen soll ein umfassendes Schutzkonzept - doch dessen Umsetzung zieht sich.

Eigentlich ist die Schwarzachklamm im Nürnberger Land eines der schönsten Natur-Geotope in Bayern. Vor Jahrmillionen hat sich die Schwarzach ihren Weg durch den Burgsandstein gefressen und eine enge Schlucht geformt. Heute stehen Wanderer zwischen wundersam geformten Felsen. Eigentlich ein wunderschönes Naturschauspiel.

Mareike Menneckemeyer setzt aber nur noch ungern einen Fuß in die Klamm. „Ich gehe nur noch unter der Woche in die Schwarzachklamm und nicht mehr am Wochenende, weil ich es einfach schwer ertrage“, sagt die ehrenamtliche Umweltbeauftragte der Gemeinde Schwarzenbruck. Was sie dort erlebt, frustriert sie seit Monaten, nicht nur als Naturschützerin.

Einst Geheimtipp, nun überlaufen: Ansturm auf Schwarzachklamm wird zum Problem

Schon 1936 wurde die Klamm als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Doch seit der Corona-Pandemie ist der Besucherandrang im geschützten Geotop regelrecht explodiert. Was früher als Geheimtipp galt, ist heute in Wander-Apps und auf Social Media ein fränkischer Wander-Hotspot.

Das Problem: Nicht alle, die kommen, wissen oder akzeptieren, dass sie sich in einem Naturschutzgebiet bewegen. „Es wird an den Steilhängen geklettert, die Wege werden verlassen, Müll und Zigarettenstummel liegengelassen“, wie bereits der damalige Bürgermeister Markus Holzammer (Freie Wähler) im Herbst 2025 gegenüber der Deutschen Presse-Agentur deutlich machte.

Und die Lage hat sich seither nicht entspannt. Menneckemeyer beobachtet immer wieder Besucherinnen und Besucher, die offensichtlich unterschätzen, worauf sie sich einlassen: „Ich sehe auch immer wieder Leute, die beispielsweise mit Kinderwagen in die Schlucht gehen.“

Schwarzachklamm
Mit diesen Hinweistafeln an den Eingängen zur Klamm will die Gemeinde auf die Regeln in dem sensiblen Biotop aufmerksam machen. © Susanne Stein/INSTANT ELEPHANT UG

Feuerwehr: Einsätze häufen sich - mehrere Kletterabstürze

Wie riskant das Verhalten mancher Ausflügler ist, zeigt auch ein Blick auf die Einsätze der Freiwilligen Feuerwehr Schwarzenbruck. Kommandant Christian Eckstein betont „Feuerwehreinsätze wegen Wanderer oder ‚Hobby‘-Kletterer begleiten uns seit vielen Jahren in der Schwarzachklamm - das fängt bei Fußverletzungen oder gesundheitlichen Problemen an und hört bei Abstürzen aus Höhen von über 20 Metern auf.“

Die Lage habe sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft: „Unsere Einsatzzahlen in der Klamm haben sich aber tatsächlich in den letzten Jahren mit Sicherheit verfünffacht.“ Die Gründe seien „wirklich vielfältig“: Manche knicken um und können nicht mehr laufen, andere stürzen beim verbotenem „Hobby“-Klettern oder beim Fotografieren für Social Media ab.

Erst an den vergangenen Wochenenden musste die Feuerwehr ausrücken, weil zwei Kinder beim Klettern in den Hängen abgestürzt waren, beide seien „glimpflich davongekommen“, so Eckstein. Für ihn ist aber klar, dass das Problem nicht allein bei Kindern liegt: „Es klettern im Übrigen nicht nur Kinder abseits der Wege, es sind auch viele Erwachsene dabei. Im Regelfall sind die Kinder das Spiegelbild ihrer Eltern.“

Ein Schutzkonzept steht - sichtbar ist davon aber wenig

Um solche Gefahren zu vermeiden und die empfindliche Natur besser zu schützen, hat die Umweltbeauftragte im Auftrag der Gemeinde bereits im Januar 2025 ein umfassendes Schutzkonzept erarbeitet. Doch die Gemeinde kann nicht allein festlegen, welche Maßnahmen wie umgesetzt werden. Es braucht Abstimmungen mit der Höheren Naturschutzbehörde (HNB) in Ansbach und der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) am Landratsamt.

Die Naturschutzbehörden hätten den meisten Punkten zugestimmt, wie Menneckemeyer bestätigt. Geplant sind unter anderem zusätzliche Informationstafeln an besonders sensiblen Stellen sowie die teilweise Begrenzung der Wege, um Besucher besser zu lenken. Auch ausgebildete Ranger sollten in Zukunft zum Einsatz kommen.

Nach unzähligen E-Mails und Telefonaten, Ortsterminen und Abstimmungen später, ist auch mehr als ein Jahr nach dem Einreichen des Schutzkonzepts vor Ort bisher wenig zu sehen. Das hat selbst Menneckemeyer überrascht: „Wenn ich ehrlich bin, hat sich wenig bis gar nichts getan. Das ist schon ziemlich frustrierend.“ Ihrer Erklärung nach liege das vor allem an langen Behördenwegen, unklaren Zuständigkeiten - Wahlkampf und ein Bürgermeisterwechsel hätten die Abläufe zusätzlich ausgebremst.

Dazu kommt: Große Bausteine – etwa Stege, Absperrungen und Barrieren zur Besucherlenkung – sollen über das EU-Förderprogramm LEADER finanziert werden. Menneckemeyer stellte das Konzept Anfang Dezember 2025 bereits im LEADER-Ausschuss vor. Für den eigentlichen Antrag braucht es jedoch eine belastbare Kostenkalkulation und einen Gemeinderatsbeschluss, dass Schwarzenbruck bis zu 50 Prozent der Kosten übernimmt.

Genau dort hakt es. Denn bevor der Antrag gestellt werden kann, müssen Angebote und Kostenvoranschläge eingeholt werden - und das kostet Zeit. Unter anderem, weil in der Gemeinde der Kollege, der sich um Ausschreibungen und Angebotsabfragen kümmert, langfristig erkrankt war und Anfragen auf Eis lagen. Doch selbst wenn alles vorliegt, seien die Abläufe komplexer, als viele sich das vorstellen würden. Grundsätzlich habe es Menneckemeyer auch überrascht, „wie lange Dienstleister für Angebote und Kostenvoranschläge brauchen.“

Wie zäh das werden kann, erlebt sie auch bei den Schildern. Die großformatigen Hinweistafeln an den Eingängen – sogenannte Pultschilder – werden von der Oberen Naturschutzbehörde bezahlt. Eine Grafikerin hat sie bereits gestaltet, die Druckdatei liegt nach Menneckemeyers Angaben inzwischen vor. Doch bis alles behördlich abgestimmt, beauftragt, bezahlt und aufgebaut ist, vergehen weitere Wochen.

Schwarzachklamm: Zufahrt gesperrt - Kontrollen durch Ranger als Maßnahme

Ganz ohne sichtbaren Schritt ist das Konzept aber nicht geblieben. Zwei rot-weiße Pfosten oben an der Straße verhindern die Zufahrt hinunter in die Klamm. Der Parkplatz dort ist für Autos gesperrt. Immer wieder hatten sich Camper zum Übernachten auf den Parkplatz gestellt, Campen ist im Naturschutzgebiet aber nicht erlaubt.

Menneckemeyer hält kurzfristig vor allem eines für wirksam: sichtbare Präsenz - und zwar von geschulten Kräften. Aus ihrer Sicht bräuchte es eine Kombination: Ordnungsamt, klare Befugnisse - notfalls mit Unterstützung der Polizei. Dann, glaubt sie, könne man mit einer konzentrierten Kontrollphase an Wochenenden viel erreichen: „Sowas spricht sich ja auch herum bei den Besuchern.“

Bis wann alle Bausteine des Schutzkonzepts umgesetzt sind, ist aus Menneckemeyers Sicht offen. Immerhin die großen Hinweistafeln an den Eingängen könnten bis zum Herbst stehen. Für weitere Maßnahmen wie Stege, Absperrungen, Fahrradbarrieren oder den Einsatz von Rangern rechnet sie dagegen nicht mehr mit einer Umsetzung 2026. Doch trotz Frust will die Umweltbeauftragte nicht einfach hinwerfen. Sie setzt darauf, dass mit dem neuen Bürgermeister auch erneut Bewegung in die Sache kommt - und dass Zuständigkeiten klarer werden.